53. Vierschanzentournee: Schmitt trotz Formschwäche dabei
zuletzt aktualisiert: 26.12.2004 - 13:36Leipzig (rpo). Sven Hannawald steht diesmal nur als Fan an der Schanze, Martin Schmitt droht der frühe Abflug: Die einstigen deutschen Skisprung-Stars spielen bei der 53. Vierschanzentournee nur eine traurige Nebenrolle.
Das Auftaktspringen am Mittwoch (16.30 Uhr/bei uns im LIVE!-Ticker) in Oberstdorf ist für das Krisenduo, das einen Rücktritt vor Olympia 2006 bislang ausschließt, die vielleicht letzte Chance für den Weg zurück.
"Es freut mich, dass wir Sven endlich mal wieder sehen, und ich hoffe, dass Martin seine Form wiederfindet. Wir brauchen die beiden im Team und für das deutsche Skispringen", sagt Georg Späth.
Seit zehn Monaten hat der Mann, der die Vorflieger-Rolle der Stars nicht ausfüllen konnte, seinen Kollegen Hannawald nicht mehr gesehen. Am 28. Februar beendete der sensible Olympiasieger mit dem 47. Platz in Salt Lake City vorzeitig die Saison. Zwei Monate später wurde er in die Klinik eingeliefert und wird seitdem wegen des so genannten Burn-Out-Syndroms behandelt. Gesprungen ist er seitdem nicht mehr.
Der Besuch in Oberstdorf, wo er vor drei Jahren seinen historischen Vierfach-Triumph startete, ist nun der wichtigste Schritt auf dem Weg zum möglichen Comeback. "Ich würde gern zurückkommen, schließlich war Skispringen mein Leben", sagt Hannawald: "Mal sehen, wie ich mit den vielen Leuten und dem Stress zurechtkomme."
Nach dem Springen am Schattenberg will er entscheiden, ob er auch die restlichen drei Springen besucht. Ein besonderes Programm haben die Tournee-Organisatoren jedenfalls nicht geplant, und auch Bundestrainer Peter Rohwein ist zurückhaltend: "Er wird nicht mit der Mannschaft reisen. Sven weiß, dass wir unsere Ruhe brauchen."
Nach der WM im Februar in Oberstdorf hat sich Rohwein zum Gespräch mit Hannawald verabredet. Ziel ist, "mit Sven eine tolle Zeit in der Olympiasaison zu erleben". Es fehlt das Sahnehäubchen zum Abschluss einer einmaligen Karriere - wie bei Martin Schmitt. Der viermalige Weltmeister geriet schon vor drei Jahren ins Leistungstief und ist gut 1000 Tage nach seinem letzten Weltcup-Erfolg am Tiefpunkt seiner Karriere angekommen.
In bislang sechs Weltcup-Springen vor der Tournee schaffte er es nicht einmal unter die besten 40, weder ein Trainingslager noch ein Ski- und Schuhwechsel brachten sichtbaren Erfolg. Rohwein gibt daher als bescheidenes Tournee-Ziel für Schmitt "einen Platz unter den besten 30" an.
Schmitt springt in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen auf Bewährung. Wenn der Teamkapitän nicht zu den besten acht Deutschen in der Zwischenwertung gehört, fliegt er für die beiden Österreich-Springen aus dem Team.
"Es könnte sein, dass Martin rausfliegt. E kann viel mehr, als er gezeigt hat, aber er setzt sich zu sehr unter Druck. Er braucht Selbstvertrauen, um die Trainingsleistungen unter Wettkampfstress zu zeigen", meint Rohwein.
Imponierend sei der Kampfgeist und die Persönlichkeit von Martin Schmitt, der auch über Weihnachten weiter für die Tournee trainierte. Der Einsatz eines Psycholgen ist für den Schwarzwälder kein Thema, er hält mehr von "Erfolgsdoping".
In Oberstdorf hat er zwischen 1998 und 2000 dreimal in Folge gewonnen, hier soll jetzt der Knoten platzen: "Das Motto heißt: Nicht denken, sondern springen. An Oberstdorf habe ich nur gute Erinnerungen, ich kann mich bei der Tournee steigern."
Das Aufgebot des Deutschen Skiverbandes (DSV) für die 53. Vierschanzentournee:
A-Team:
Martin Schmitt (Furtwangen/10. Teilnahme), Michael Uhrmann (Rastbüchl/11), Alexander Herr (Rohrhardsberg/11), Stephan Hocke (Oberhof/5), Maximilian Mechler (Isny/5), Michael Neumayer (Berchtesgaden/4), Georg Späth (Oberstdorf/6), Jörg Ritzerfeld (Oberhof/5)
B-Team (nur für Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen zugelassen):
Ferdinand Bader (Auerbach/2), Kai Bracht (Oberstdorf/3), Christian Bruder (Ruhla/1), Marc Krauspenhaar (1), Julian Musiol (beide Zella-Mehlis/1), Stefan Pieper (Winterberg/4), Andreas Wank (Oberhof/1), Severin Freund (Rastbüchl/1) bei Leistungsnachweis
GESAMTSIEGER
1953 Sepp Bradl (Österreich)
1953/54 Olav Björnstad (Norwegen)
1954/55 Torbjörn Ruste (Norwegen)
1955/56 Nikolai Kamenski (UdSSR)
1956/57 Pentti Uotinen (Finnland)
1957/58 Helmut Recknagel (DDR)
1958/59 Helmut Recknagel (DDR)
1959/60 Max Bolkart (BR Deutschland)
1960/61 Helmut Recknagel (DDR)
1961/62 Eino Kirjonen (Finnland)
1962/63 Toralf Engan (Norwegen)
1963/64 Veikko Kankkonen (Finnland)
1964/65 Torgeir Brandtzäg (Norwegen)
1965/66 Veikko Kankkonen (Finnland)
1966/67 Björn Wirkola (Norwegen)
1967/68 Björn Wirkola (Norwegen)
1968/69 Björn Wirkola (Norwegen)
1969/70 Horst Queck (DDR)
1970/71 Jiri Raska (Tschechien)
1971/72 Ingolf Mork (Norwegen)
1972/73 Rainer Schmidt (DDR)
1973/74 Hans-Georg Aschenbach (DDR)
1974/75 Willi Pürstl (Österreich)
1975/76 Jochen Danneberg (DDR)
1976/77 Jochen Danneberg (DDR)
1977/78 Kari Ylantilla (Finnland)
1978/79 Pentti Kokkonen (Finnland)
1979/80 Hubert Neuper (Österreich)
1980/81 Hubert Neuper (Österreich)
1981/82 Manfred Deckert (DDR)
1982/83 Matti Nykänen (Finnland)
1983/84 Jens Weißflog (DDR)
1983/84 Jens Weißflog (DDR)
1984/85 Jens Weißflog (DDR)
1985/86 Ernst Vettori (Österreich)
1986/87 Ernst Vettori (Österreich)
1987/88 Matti Nykänen (Finnland)
1988/89 Risto Laakonen (Finnland)
1989/90 Dieter Thoma (BR Deutschland)
1990/91 Jens Weißflog (Deutschland)
1991/92 Toni Nieminen (Finnland)
1992/93 Andreas Goldberger (Österreich)
1993/94 Espen Bredesen (Norwegen)
1994/95 Andreas Goldberger (Österreich)
1995/96 Jens Weißflog (Deutschland)
1996/97 Primoz Peterka (Slowenien)
1997/98 Kazuyoshi Funaki (Japan)
1998/99 Janne Ahonen (Finnland)
1999/00 Andreas Widhölzl (Österreich)
2000/01 Adam Malysz (Polen)
2001/02 Sven Hannawald (Hinterzarten)
2002/03 Janne Ahonen (Finnland)
2003/04 Sigurd Pettersen (Norwegen)
DIE MEISTEN GESAMTSIEGE
Jens Weißflog 4 (1983/84, 1984/85, 1990/91, 1995/96)
DEUTSCHE GESAMTSIEGER
Jens Weißflog 4 (1983/84, 1984/85, 1990/91, 1995/96)
Helmut Recknagel 3 (1957/58, 1958/59, 1960/61)
Jochen Danneberg 2 (1975/76, 1976/77)
Max Bolkart 1 (1959/60) Horst Queck 1 (1969/70)
Rainer Schmidt 1 (1972/73)
Hans-Georg Aschenbach 1 (1973/74)
Manfred Deckert 1 (1981/82)
Dieter Thoma 1 (1989/90)
Sven Hannawald 1 (2001/02)
GESAMTSIEGER MIT VIER TAGESSIEGEN
Sven Hannawald (2001/02)
NACH 3 TAGESSIEGEN NICHT IN BISCHOFSHOFEN GEWONNEN
Olav Björnstad 1953/54
Helmut Recknagel 1958/59
Max Bolkart 1959/60
Toralf Engan 1962/63
Björn Wirkola 1968/69
Yukio Kasaya (Japan) 1971/72
Kazuyoshi Funaki 1997/98
3 TAGESSIEGE BEI EINER TOURNEE, ABER NICHT GESAMTSIEGER
Ingolf Mork 1970/71
Yukio Kasaya 1971/72
Karl Schnabl (Österreich) 1974/75
Toni Innauer (Österreich) 1975/76
HÖCHSTE PUNKTZAHL BEI EINEM GESAMTSIEG
Sven Hannawald 2001/02 1077,6 Punkte
GRÖSSTER VORSPRUNG BEI EINEM GESAMTSIEG
Adam Malysz 2000/2001 gewinnt mit 104,4 Punkten Vorsprung auf Janne Ahonen (Finnland)
DIE MEISTEN TAGESSIEGE BEI DER TOURNEE
Björn Wirkola 10 (1 Oberstdorf/3 Partenkirchen/3 Innsbruck/3 Bischofshofen) Jens Weißflog 10 (2 Oberstdorf/4 Partenkirchen/1 Innsbruck/3 Bischofshofen)
WEITESTER SPRUNG DER TOURNEE
Sigurd Pettersen 2003/2004 mit 143,5 Metern in Oberstdorf
DIE LETZTEN DEUTSCHEN SIEGE
Oberstdorf: Sven Hannawald (29. Dezember 2002)
Garmisch-Partenkirchen: Sven Hannawald (1. Januar 2002)
Innsbruck: Sven Hannawald (4. Januar 2002)
Bischofshofen: Sven Hannawald (6. Januar 2002)
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