Leichtathletik: Ato Boldon trainiert weiter mit Starcoach John Smith: Schnellster Mann der Welt in Interview fehlinterpretiert
zuletzt aktualisiert: 17.02.2000Los Angeles (dpa). Die Sprintwege des schnellsten Mannes der Welt und seines ärgster Verfolgers haben sich nicht getrennt. Davon könne überhaupt keine Rede sein, widersprach Ato Boldon am Mittwoch (Ortszeit) in Los Angeles Meldungen über eine angebliche Trennung von Trainingskamerad und Freund Maurice Greene. "Man hat mich missverstanden", erklärte der aus Trinidad stammende 200-m- Weltmeister von 1997, nachdem er im Januar in einem Interview seiner Heimat-Zeitung "Trinidad Express" mit den Worten zitiert worden war: "In diesem Jahr gibt es keine Teamarbeit. Jeder arbeitet für sich".
Diese Aussage sei auf die Frage bezogen gewesen, was er über die Beziehung von Maurice Greene und dessen US-Landsmann Michael Johnson hält. In der gleichen Antwort habe der 26-Jährige noch angefügt, das er in diesem Jahr in der Vermarktung auch einiges in die eigenen Hände nehmen möchte, unabhängig von der Zusammenarbeit mit Greene auf dem Trainingsgelände. Fehlinterpretiert worden sei der Olympia-Dritte von 1996 über 100 und 200 m auch mit den Sätzen: "Es geht nichts über die olympische Goldmedaille. Deshalb wird in solch einem Jahr jeder Sprinter egozentrischer. Nur so kann man gewinnen".
Wie auch immer Boldons Äußerungen ausgelegt worden seien, für ihn steht fest, das es keinen Grund gibt, nicht mehr in der Gruppe von Starcoach John Smith in Los Angeles zu trainieren oder unter der Flagge der Vermarktungsfirma HSInternationale zu starten. Ganz im Gegensatz zu Marie-Jose Perec.
Die Doppel-Olympiasiegerin von Atlanta hatte sich in der 16 Athleten umfassenden Elite-Truppe vernachlässigt gefühlt und zog überraschend nach Rostock. Dort bereitet sich die 31- jährige Französin seit zwei Wochen bei dem einstigen DDR-Trainer Wolfgang Meier, dessen Ehefrau Marita Koch seit 1985 mit 47,60 Sekunden den Weltrekord über 400 m hält, auf die Olympischen Spiele in Sydney vor.
Die Wege von Boldon und Greene haben sich momentan dennoch etwas gegabelt. Während der Sprinter aus der Karibik, der von August bis Januar wegen einer Sehnenverletzung am Knie pausierte, derzeit bei Hallen-Meetings in Europa langsam wieder in Form kommen will, macht sich der 100-m-Weltrekordler (9,79 s) bei Wettkämpfen noch rar. Nur bei bei den Millrose Games vor zwei Wochen in New York ging er bisher an den Start, wobei er über 60 m mit der Weltjahresbestzeit von 6,45 Sekunden auftrumpfte.
Am Wochenende wollen jedoch beide beim Grand Prix in Birmingham um die fünfstellige Siegprämie sprinten. Danach sei eine kurze Tournee in Australien vorgesehen, um dann im April in den USA in die Freiluftsaison einzusteigen, berichtete Boldon, der nicht an die Verbesserung der Sprint-Weltrekorde in Sydney glaubt.
"Ich kenne das Stadion. Dort herrschen große Windprobleme. Der Wind bläst von der falschen Seite", erklärte Boldon, der weniger um die falsche Auslegung seiner Interview-Antworten besorgt war als seine Mutter. Sie hatte ihn danach zu Hause in Los Angeles ganz aufgeregt angerufen und gefragt, warum er und Maurice keine Freunde mehr seien. Während Boldon ihr alle Sorge nahm, saß Greene schmunzelnd im Sessel daneben und schaute dem Endspiel um die Super Bowl zu.
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