Tennis: Lediglich der erste Satz war ausgeglichen: Schüttler beim letzten Masters- Turnier schon ausgeschieden
zuletzt aktualisiert: 29.10.2002 - 16:34Paris (rpo). Das letzte Turnier der Masters-Serie ist für Tennis-Profi Rainer Schüttler nicht nach Plan verlaufen. Der Bad Homburger schied gegen Arnaud Clement bereits in der ersten Runde aus.
"Die Top 20 sind auf jeden Fall mein Ziel", sagte der 26-jährige gebürtige Korbacher dem Sport-Informations-Dienst (sid) nach seiner 5:7 und 3:6-Niederlage gegen den Franzosen am Montagabend in Paris. Zum ersten Mal wird Schüttler die Saison als Nummer zwei in Deutschland hinter Tommy Haas beenden, ein Grund zur Freude, aber keinesfalls zur Überheblichkeit: "Ich kann nicht ganz zufrieden sein, ich habe zu viele Chancen nicht nutzen können."
Tommy Haas trifft in Paris auf Dominik Hrbaty. Der Slowake qualifizierte sich mit einem 3:6, 6:2 und 6:2 gegen den Schweizer Michel Kratochvil für das Duell mit der deutschen Nummer eins, gegen die er in sechs Anläufen bislang erst einmal gewinnen konnte. Der an Nummer neun gesetzte Hamburger hatte in Runde eins der mit 2,8 Millionen Dollar dotierten Konkurrenz, bei der er sich doch noch für die WM im November im Schanghai qualifizieren will, ein Freilos.
Zum Beispiel die im Mai in München, als er sein einziges Finale des Jahres gegen den Marokkaner Younes El Aynaoui glatt mit 4:6 und 4:6 verlor. Oder bei den US Open, als er in der ersten Runde gegen den Franzosen Jean-Rene Lisnard die beiden ersten Sätze gewann und im dritten 4:2 führte, ihn dennoch verlor und im vierten Durchgang wegen einer Zerrung aufgeben musste. "Meine bitterste Niederlage", sagt Schüttler, sowas soll ihm nicht noch einmal passieren: "Ich will mental stärker werden, dieses Jahr habe ich manchmal zu wenig an mich geglaubt."
Um das zu erreichen, geht Schüttler für einen Tennisprofi ungewöhnliche Wege. Street Fighting, die Kunst des knallharten Straßenkampfes, will er unter Anleitung eines Taekwondo-Champions lernen: "Das ist gut für das Selbstvertrauen, ein Street Fighter ist nämlich meistens auf sich allein gestellt." Ein Tennisspieler bekanntlich auch, deswegen ist Selbstbewusstsein eine der entscheidenden Grundlagen für den Erfolg. "Ich war manchmal zu selbstkritisch", sagt Schüttler: "Ich muss frecher und risikobereiter werden und vor allem öfter ans Netz gehen, offensiver spielen."
Sein Vorbereitungsprogramm auf das Jahr 2003 beginnt in knapp drei Wochen. Bis zum 21. November ist Urlaub in Miami angesagt, aber "in der letzten Urlaubswoche fange ich schon mit dem Training an. Ich laufe und gehe in den Kraftraum, am Anfang so ein bis zwei Stunden pro Tag. Danach wird dann knüppelhart Kondition gebolzt, und im Dezember fange ich wieder mit dem Tennistraining an." Weihnachten will Rainer Schüttler gemeinsam mit den Eltern auf einer Skihütte feiern, Silvester dann im indischen Chennai, wo bereits am 30. Dezember das erste ATP-Turnier 2003 beginnt.
Eines von Schüttlers großen Zielen 2003 ist der Daviscup, in dem die deutsche Mannschaft gleich in der ersten Runde vom 7. bis 9. Februar auf Argentinien trifft. "Wir haben eine unglaublich schwere Auslosung, aber wir wollen unsere Chance nutzen", sagt er. Eine "gute und junge" Mannschaft sei es, die der Deutsche Tennis Bund ins Rennen schickt: "Da ist in den nächsten Jahren noch viel drin."
Und außerdem sei die Situation im deutschen Tennis grundsätzlich nicht so schlecht, wie sie oft dargestellt wird: "Wir haben hervorragende Spieler, die deutschen Turniere sind super, aber das kommt irgendwie nicht so rüber. Sicher müssen wir alle daran arbeiten, das zu verbessern." An Rainer Schüttler soll es jedenfalls nicht liegen.
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