US Open: Favoriten geben sich keine Blöße: Schüttler raus - Huber mit Mühe
zuletzt aktualisiert: 31.08.2001 - 09:30New York (rpo). Als einzige deutsche Tennisdame ist Anke Huber bei den US Open in New York noch im Rennen. Sie gelangte trotz mäßiger Leistung in die dritte Runde, Rainer Schüttler dagegen ist nach einem Marathon-Match ausgeschieden.
Mit Ach und Krach bestand die Karlsdorferin am Donnerstag (Ortszeit) den zweiten Akt ihrer Abschiedsvorstellung bei den US Open. Das Erreichen der dritten Runde durch ein 7:6 (7:2), 6:4 gegen die Amerikanerin Sarah Taylor sicherte der letzten deutschen Tennisspielerin in Flushing Meadows ein Preisgeld von 35 000 Dollar. Das hätte auch Rainer Schüttler kassieren können. Für den Bad Homburger fiel jedoch nach dem zweiten Auftritt auf der New Yorker Grand-Slam-Bühne der Vorhang. Er unterlag nach 3:51 Stunden gegen Ramon Delgado aus Paraguay mit 4:6, 7:6 (7:5), 6:7 (7:9), 6:2, 2:6. Damit standen nur noch Thomas Haas und Björn Phau im Wettbewerb. Beide traten am Freitag in Aktion.
Ihr drohendes Aus konnte Anke Huber gegen die 187. der Weltrangliste nur mit großer Mühe abwenden. "Ich hatte Glück, dass sie nicht so gut war, und ich in den richtigen Momenten die Punkte machte", sagte die deutsche Nummer eins. Nur im Tie-Break des ersten Satzes und beim 1:4-Rückstand im zweiten wachte sie auf und fand ihren Rhythmus. 41 unerzwungene Fehler zeigen aber deutlich auf, wo die größten Schwächen lagen. "Wenn ich die Fehlerquote nicht verringere und aggressiver spiele, überstehe ich die dritte Runde nicht", weiß Anke Huber. Als nächstes trifft die 26-Jährige auf die Russin Elena Dementiewa, gegen die sie zuletzt in Wimbledon gewonnen, im Vorjahr bei den US Open aber den Kürzeren gezogen hat.
"Das Spiel habe ich schon im dritten Satz verloren", befand Schüttler. Der Daviscup-Spieler sah bei eigener 5:2-Führung schon wie der sichere Sieger aus, doch Delgado kämpfte sich ins Match zurück und gewann den Satz. Gegen Ende des vierten Durchganges schienen den Südamerikaner erneut die Kräfte zu verlassen, ähnlich wie Schüttlers Auftaktgegner Nicolas Kiefer. Im Schlusssatz mobilisierte Delgado aber noch einmal alle Reserven, was beim Deutschen sehnlichst vermisst wurde. Offenbar spukte in seinem Kopf schon zu sehr der Name Agassi umher. Er wäre sein nächster Gegner gewesen. "Aus dem Traum wurde so aber ein Albtraum", sagte Schüttler und ärgerte sich.
In arge Nöte gerieten am vierten Turniertag auch einige Favoriten. Allerdings meisterten sie allesamt ihre Herausforderungen. Der Weltranglisten-Zweite Andre Agassi benötigte drei Stunden und zwanzig Minuten, um sich gegen den Chilenen Nicolas Massu mit 6:7 (4:7), 6:4, 6:2, 7:6 (7:1) durchzusetzen. "Das war eines der besonders schweren Spiele, dass man immer auf dem Weg zu einem Grand-Slam-Titel hat. Ich bin froh, dass ich nicht wieder gescheitert bin", sagte Agassi erleichtert. Im Vorjahr war der künftige Gatte von Steffi Graf in der zweiten Runde gegen den Franzosen Arnaud Clement hängen geblieben.
Marat Safin fiel ein Stein vom Herzen, als er nach 3:27 Stunden und vier Tiebreaks den Kroaten Ivan Ljubicic mit 7:6, (7:5), 6:7 (2:7), 7:6 (7:5), 7:6 (7:5) in die Schranken gewiesen hatte. Der im Jahresverlauf verletzungsbedingt oftmals pausierende Titelverteidiger befindet sich längst nicht in der Superform des Vorjahres. "Mir fehlt noch vieles, trotzdem bin ich hier, um wieder zu gewinnen. Ansonsten", sagte Safin schmunzelnd, "könnte ich mich ja erschießen." Wesentlich leichter tat sich Pete Sampras. Der viermalige US-Open- Champion hatte sein Weiterkommen durch ein 7:6 (7:4), 6:4, 6:3 gegen Qualifikant Andre Sa aus Brasilien nach 115 Minuten besiegelt.
Die topgesetzten Damen absolvierten ihre Herausforderungen im Eiltempo. Titelverteidigerin Venus Williams verließ die "Evening Session" nach 62 Minuten und einem 6:2, 6:2 gegen ihre Landsfrau Meilen Tu. Jennifer Capriati hatte ihr Tagwerk als Solistin gegen die Australierin Evie Dominikovic nach 51 Minuten mit einem 6:2, 6:0 erledigt. Anschließend schlüpfte sie noch in die Mixed-Rolle, wo sie jedoch an der Seite ihres Bruders Steven das Auftaktmatch gegen die Spanier Virginia Ruano Pascual und Lucas Arnold mit 5:7, 3:6 verlor. Ihr Traum, als Erste nach Martina Navratilova 1987 alle drei Titel bei einer US-Open-Veranstaltung zu gewinnen, ist geplatzt.
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