Leichtathletik-EM: Siebenkampf der Frauen läuft: Schumann und Herms im Halbfinale über 800 Meter
zuletzt aktualisiert: 09.08.2002 - 16:25München (rpo). Speerwerfer Boris Henry und Stabhochspringerin Annika Becker sind die Medaillenkandidaten bei der Leichtathletik-EM am Freitag. Am Vormittag qualifizierten sich Olympiasieger Nils Schumann und der deutsche Meister Rene Herms über 800 Meter fürs Halbfinale. Seit dem Morgen ist läuft zudem der Siebenkampf der Frauen mit Legende Sabine Braun.
Nils Schumann war hellwach. Als Vorlauf- Schnellster ist der Titelverteidiger am Freitagmorgen bei der Leichtathletik-EM in München in 1:46,90 Minuten in das 800-m- Halbfinale eingezogen. "Es ist eine Pflicht gewesen, die habe ich erfüllt. Ich bin eigentlich jemand, der früh aufsteht. Ich habe eher Schwierigkeiten, wenn die Rennen abends sind", erklärte der 24 Jahre alte Olympiasieger.
In überzeugender Manier meisterte Schumann seinen Frühstart. Seiner Ungewissheit auf Grund des Spät-Starts in die Saison wegen gesundheitlicher Probleme konnte er aber nicht davonlaufen. "Ich kann mich nicht richtig einschätzen. Auch die Konkurrenz nicht", verriet der Thüringer, der bei seiner Vorstellung von den Zuschauern wie ein Popstar gefeiert wurde. "Wichtig ist, dass mein Trainer die Konkurrenz beobachtet hat."
Sein Coach Dieter Hermann sah in erster Linie einen fulminanten Rene Herms. Der deutsche Meister aus Pirna überspurtete auf der Zielgeraden Weltmeister Andre Bucher (Schweiz) und Weltrekordler Wilson Kipketer (Dänemark) und qualifizierte sich in 1:47,07 Minuten für das Semifinale. "Kipketer und Bucher zu schlagen, tut dem Selbstvertrauen natürlich keinen Abbruch", freute sich der Junioren- Europameister.
Schumann freute sich über den couragierten Auftritt des 20- jährigen EM-Debütanten. "Es wäre schön, wenn er auch ins Finale kommt." Wie schon im Verlauf der Saison verspricht er sich davon weitere Impulse. "Das stachelt mich an. Er hat mich aufgeweckt", bekennt Schumann. Medaillenchancen oder gar die Titelverteidigung wies der Thüringer noch von sich: "Ich muss mich erstmal ins Finale vorkämpfen." Allerdings vermittelt ihm die Startzeit für den Endlauf am Sonntag um 16.20 Uhr ein gerüttelt Maß an Zuversicht. "16.30 Uhr ist meine Trainingszeit am Nachmittag. Das passt optimal."
Hürdensprinter Schwarthoff und Fenner weiter
Auch zwei der drei deutschen 110-m-Hürdensprinter hatten gut lachen. Florian Schwarthoff (Berlin) in 13,53 Sekunden und Mike Fenner (Wattenscheid/13,57) liefen ins Halbfinale. Jan Schindzielorz (Fürth/München) schied in 13,93 Sekunden aus. Während sich Michael Möllenbeck (Wattenscheid) mit 63,92 m problemlos für den Diskus- Endkampf am Sonntag qualifizierte, kam für Torsten Schmidt (Rostock) mit 59,78 m das Aus. Auch bei den deutschen Weitspringern war die Freude einseitig: Andreas Pohle (Erfurt) springt nach 7,73 m in der Ausscheidung am Sonntag um die Medaillen, Schahriar Bigdeli (Leverkusen/7,72) darf nur zusehen.
Siebenkampf: Braun beim Abschied im Soll
Das deutsche Siebenkampf-Trio lag bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in München nach der ersten Disziplin hinter der Schwedin Carolina Kluft. Die zweifache Welt- und Europameisterin Sabine Braun (Wattenscheid) belegte nach den 100 m Hürden in 13,58 Sekunden den vierten Platz. Die Neubrandenburgerinnen Sonja Kesselschläger (13,48/1053) und Kathleen Gutjahr (13,51/1047) sind Zweite und Dritte. Junioren-Weltmeisterin Kluft führt nach ihrem 13,33-Sekunden-Sprint mit 1075 Punkten.
"Natürlich ist die Atmosphäre einmalig, aber für mich ist das hier dennoch ein ganz normaler Wettkampf, in dem ich nicht darüber nachdenke, dass jede Disziplin die letzte ist", sagte Braun. Mit 13, 58 Sekunden über 100 m Hürden und 1,80 m im Hochsprung blieb sie durchaus im Medaillen-Fahrplan, doch glücklicher war sie darüber, dass sich am Samstag der letzte Vorhang auf der internationalen Leichtathletik-Bühne für sie senkt. "Ehrlich, ich bin total froh, dass endlich alles vorbei ist", meinte die deutsche Rekordhalterin (6985), die in den letzten zwölf Jahren mit Olympia-Bronze 1992 sowie zwei EM- und WM-Titeln ein Medaillengarant für den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) war.
Kathleen Friedrich verfehlt 1500-m-Endlauf
Die Chemnitzerin Kathleen Friedrich ist zum Auftakt des vierten Wettkampftages im Vorlauf über 1500 m ausgeschieden. Mit 4:08,98 Minuten verfehlte die dreimalige deutsche Meisterin am Freitag das Finale um 3,2 Sekunden. "Da hat wohl hinten ein ganz kleiner Schritt gefehlt", sagte die 25-Jährige. Der Endlauf wird am Sonntag ausgetragen.
Vorentscheidungen
Männer:
800 m, Vorläufe (qualifiziert für das Halbfinale am Samstag: die jeweils 3 Erstplatzierten sowie 4 Zeitschnellste), 1. Lauf: Antonio Reina (Spanien) 1:47,52 Minuten, 2. Stefan Beumer (Niederlande) 1:47,66, 3. Nicolas Aissat (Frankreich) 1:48,07. - 2. Lauf: 1. Bram Som (Niederlande) 1:47,52, 2. Pawel Czapiewski (Polen) 1:47,53, 3. Joeri Jansen (Belgien) 1:47,71, 4. Miguel Quesada (Spanien) 1:47,85. - 3. Lauf: 1. Rene Herms (Pirna) 1:47, 07, 2. Wilson Kipketer (Dänemark) 1:47,29, 3. Andre Bucher (Schweiz) 1:47,48, 4. James McIlroy (Großbritannien) 1:47,67, 5. Grzegorz Krzosek (Polen) 1:47,98. - 4. Lauf: 1. Nils Schumann (Großengottern) 1:46,90, 2. Arnoud Okken (Niederlande) 1:47,22, 3. Rizak Dirshe (Schweden) 1:47,36, 4. Florent Lacasse (Frankreich) 1: 47,74
110 m Hürden (Vorläufe, für das Halbfinale am Samstag sind qualifiziert: Die jeweils 2 Erstplatzierten sowie 6 Zeitschnellste). - 1. Lauf: 1. Colin Jackson (Großbritannien) 13,41 Sekunden, 2. Florian Schwarthoff (Berlin) 13,53, 3. Emilano Pizzoli (Italien) 13, 83. - 2. Lauf: 1. Artur Kohutek (Polen) 13,49, 2. Mike Fenner (Wattenscheid) 13,57. - 3. Lauf: 1. Andrea Giaconi (Italien) 13,55, 2. Cedric Lavanne (Frankreich) 13,58, 3. Ivan Bitzi (Schweiz) 13, 72, 4. Gregory Sedoc (Niederlande) 13,82. - 4. Lauf: 1. Stanislav Olijars (Lettland) 13,50, 2. Tony Jarrett (Großbritannien) 13,63. - 5. Lauf: 1. Schiwko Widenow (Bulgarien) 13,52, 2. Elmar Lichtenegger (Österreich) 13,53, 3. Devis Favaro (Italien) 13,65, 4. Robert Kronberg (Schweden) 13,66, 5. Andrej Kislich (Russland) 13,76 (sid)
Weitsprung, Qualifikation (für das Finale am Sonntag 7,95 m oder erste 12): 1. Yago Lamela (Spanien) 8,03 m, 2. Oleg Lukaschewitsch (Ukraine) 7,97, 3. Danila Burkenja (Russland) 7,95, 4. Wladimir Malyawin (Russland) 7,93, 5. Roman Tschurenko (Ukraine) 7,89, 6. Raul Fernandez (Spanien) 7,87, 7. Thomas Mellin Olsen (Norwegen) 7,86, 8. Salim Sdiri (Frankreich) 7,85, 9. Sinisa Ergotic (Kroatien) 7,83, 10. Chris Tomlinson (Großbritannien) 7,81, 11. Yann Domenech (Frankreich) 7,80, 12. Andreas Pohle (Erfurt) 7, 73. - Ausgeschieden: 13. Schahriar Bigdeli (Leverkusen) 7,72 (sid)
Diskuswurf, Qualifikation (für das Finale am Sonntag 63,00 m oder erste 12): 1. Mario Pestano (Spanien) 65,27 m, 2. Aleksander Tammert (Estland) 65,10, 3. Virgilius Alekna (Litauen) 64,54, 4. Michael Möllenbeck (Wattenscheid) 63,92, 5. Gerd Kanter (Estland) 63,66, 6. Zoltan Kovago (Ungarn) 63,52, 7. Robert Fazekas (Ungarn) 63,41, 8. Timo Tompuri (Finnland) 63,18, 9. Dimitri Schewtschenko (Russland) 63,14, 10. Leonid Tscherevko (Weißrussland) 62,99, 11. Jo Vandaele (Belgien) 62,71, 12. Ioan Oprea (Rumänien) 62,70. - Ausgeschieden: 17. Torsten Schmidt (Rostock) 59,78 (sid)
Frauen:
1500 m, Vorläufe (qualifiziert für das Finale am Sonntag: die jeweils 3 Erstplatzierten sowie 3 Zeitschnellste). - 1. Lauf: 1. Judith Varga (Ungarn) 4:07,71 Minuten, 2. Daniela Jordanowa (Bulgarien) 4:07,76, 3. Iris Fuentes-Pila (Spanien) 4:07,89 - ausgeschieden: 4. Kelly Holmes (Großbritannien) 4:08,11. - 2. Lauf: 1. Sureyya Ayhan (Türkei) 4:04,42, 2. Irina Lischtschinska (Ukraine) 4:08,89, 3. Natalia Rodriguez (Spanien) - ausgeschieden: 4. Kathleen Friedrich (Chemnitz) 4:08,98. - 3. Lauf: 1. Tatjana Tomaschowa (Russland) 4:05,04, 2. Gabriela Szabo (Rumänien) 4:05, 42, 3. Nuria fernandez (Spanien) 4:05,42, 4. Carla Sacramento (Portugal) 4:05,70, 5. Alesja Turowa (Weißrussland) 4:05,75, 6. Lidia Chojecka (Polen) 4:05,78
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