Eiskunstlauf: Stefan Lindemann ist deutscher Meister: Schwarz/Müller gewannen Paarlauf zum dritten Mal in Folge
zuletzt aktualisiert: 08.01.2000Berlin (dpa). Kleiner Mann, große Sprünge: Der Erfurter Stefan Lindemann ist zum ersten Mal deutscher Eiskunstlauf-Meister. Bei den Titelkämpfen in Berlin verteidigte der 19-jährige Junior am Samstag seine Führung aus dem Kurzprogramm und lief eine nahezu fehlerlose Kür mit sechs Dreifachsprüngen. "Ich will international nach vorn kommen", sagte der strahlende Sieger.
"Ich habe viele Träume, die ich noch verwirklichen will." Die favorisierten Lokalmatadoren Peggy Schwarz/Mirko Müller gewannen den Paarlauf bereits zum dritten Mal in Folge, die viermalige Olympia-Teilnehmerin patzte vor 1 000 Zuschauern im Erika-Hess-Eisstadion jedoch wieder einmal beim Doppelaxel.
Als Zweiter bei den Herren darf sich der 23-jährige Münchner Michael Hopfes Hoffnungen auf einen Start bei den Europameisterschaften Anfang Februar in Wien machen. Nach dem derzeitigen Stand der Dinge fällt der fünfmalige Meister Andrej Vlascenko wegen eines Innenbandrisses im Knie für die EM aus. Für die WM Ende März in Nizza könnte der Füssener allerdings am Montag von der Deutschen Eislauf-Union (DEU) nominiert werden. Auf den dritten Platz fiel Silvio Smalun aus Oberstdorf zurück.
Die Vorstellungen der Herren waren wie schon beim Sturzfestival am Freitag von einem schwachen Niveau geprägt. Hinter Lindemann, dem WM- 13. des vergangenen Winters, ist kaum ein Talent zu sehen, dass einmal in die internationale Klasse vorstoßen könnte. Gegen den nur 1,62 m großen Thüringer hätte es jedoch selbst ein Vlascenko in Top- Form schwer gehabt, zu bestehen. Ein Erfolgserlebnis feierte Lindemann auch abseits der Öffentlichkeit: Am Donnerstag stand er im Training zum ersten Mal den vierfachen Toeloop, der möglicherweise in seine WM-Kür eingebaut wird. "Wir sind drauf und dran, diese Nuss zu knacken", freute sich seine Trainerin Ilona Schindler.
Schwarz/Müller hatten schon in ihrem Kurzprogramm einige Unsicherheiten gezeigt. Da half auch die lautstarke Unterstützung von Peggys Sohn Michel (5) wenig, dessen "Mama"-Rufe quer durch die Halle tönten. "Ich denke, dass wir heute einfach nicht gut drauf waren, haben aber das Beste aus der Situation gemacht", meinte die viermalige Olympia-Teilnehmerin am Freitagabend. Müller freute sich schon, "dass wir mittlerweile nicht mehr allein an den Start gehen müssen wie vor zwei Jahren hier an gleicher Stelle".
Vize-Meister hinter den WM-Dritten von 1998 wurden Mariana Kautz/Norman Jeschke (ebenfalls Berlin) vor den Chemnitzern Katharina Rybkowski/Rico Rex. Jeschke musste mit einem auffälligen Kopfverband antreten, da ihn seine Partnerin bei einem Trainingsunfall mit der Kufe am Ohr verletzt hatte. Das außer Konkurrenz startende französische Gastpaar Catherine Huc/Vivien Rolland komplettierte als viertes Paar das Feld.Die ErgebnisseHerren, Endstand nach der Kür: 1. Stefan Lindemann (Erfurt) 1,5 Punkte; 2. Michael Hopfes (München) 3,5; 3. Silvio Smalun (Oberstdorf) 5,0; 4. David Jäschke (Berlin) 5,5, 5. Florian Just (München) 7,0; 6. Andre Kaden (Berlin) 9,5; 7. Michael Hörrmann (Stuttgart) 10,0; 8. Ulf Wilhelm Bökeler (Stuttgart) 12,0
Paarlauf, Endstand nach der Kür: 1. Peggy Schwarz/Mirko Müller (Berlin) 1,5 Punkte; 2. Mariana Kautz/Norman Jeschke (Berlin) 3,0; 3. Katharina Rybkowski/Rico Rex (Chemnitz) 4,5 - Außer Konkurrenz: Catherine Huc/Vivien Rolland (Frankreich) 6,0
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