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Wintersport am Wochenende
Schwarz. Rot. Kalt.

Deutschlands Wintersportler beeindrucken am Wochenende auf breiter Front mit Siegen im Weltcup.

Biathlon Mit dem zweiten Platz in der Mixed-Staffel ist das deutsche Biathlon-Quartett um Franziska Hildebrand, Laura Dahlmeier, Benedikt Doll und Arnd Peiffer im schwedischen Östersund glänzend in den WM-Winter gestartet. Einzig Norwegen um Superstar Ole Einar Björndalen verhinderte den ersten deutschen Auftaktsieg.

Ärger darüber war allerdings nicht zu spüren - viel größer war die Freude, dass es auch im dritten Jahr in Folge gleich auf Anhieb für das Podium reichte. "Am Anfang ist immer ein bisschen Unsicherheit da, wie fit man ist und wie sicher am Schießstand. Umso schöner ist es, wenn es dann direkt aufgeht", sagte Doll im ZDF. Bundestrainer Mark Kirchner lobte: "Sie haben wirklich ein gutes Rennen gemacht."

Während Dahlmeier erstmals überhaupt in ihrer Karriere Teil einer deutschen Mixedstaffel war, musste Simon Schempp in seinem Hotelzimmer vor dem Fernseher zuschauen. Mehrere Infekte hatten den deutschen Vorzeigeläufer in den vergangenen beiden Monaten an einer perfekten Vorbereitung gehindert. "Wahrscheinlich werde ich am Anfang nicht gleich in der Form und Verfassung sein, die ich letztes Jahr hatte", sagte Schempp. Am Donnerstag (18 Uhr/ARD und Eurosport) soll Schempp zum Einsatz kommen. Einen Tag zuvor absolvieren die Frauen ihren Klassiker über 15 Kilometer.

Kombination Weltmeister Johannes Rydzek hat zum Auftakt des WM-Winters einen beeindruckenden Doppelsieg gefeiert. Der 24-Jährige aus Oberstdorf holte im finnischen Kuusamo die Weltcup-Siege Nummer sieben und acht seiner Karriere. Mit der Maximalausbeute von 200 Punkten hält der Allgäuer zudem das Gelbe Trikot des Führenden in der Gesamtwertung.

"Das war wirklich ein supergeiles Wochenende", sagte Rdyzek, der zu Beginn der Woche von einem Magen-Darm-Infekt geplagt worden war. Rydzek stürmte nach seinem Sieg am Samstag gestern in der Loipe vom sechsten Platz nach vorne, nach einer Attacke einen Kilometer vor dem Ziel hatte er 14,7 Sekunden Vorsprung auf Denifl. "Johannes hat das taktisch hervorragend gemacht", sagte Bundestrainer Hermann Weinbuch im ZDF. Kurios: Sechs seiner acht Siege hat der Doppel-Weltmeister von Falun in Finnland gefeiert.

Fabian Rießle (Breitnau), Björn Kircheisen (Johanngeorgenstadt) und der 19 Jahre alte Vinzenz Geiger (Oberstdorf) rundeten gestern auf den Rängen fünf, sechs und sieben das erstklassige deutsche Ergebnis im hohen Norden ab. "Wir sind ein starkes Team", sagte Weinbuch. Olympiasieger Eric Frenzel (Oberwiesenthal), am Samstag noch Zweiter, musste sich nach einem schwachen Sprung mit Rang 17 begnügen.

Rodeln Die deutschen Rodler haben zum Weltcup-Auftakt in Winterberg ihre Ausnahmestellung in der Weltspitze eindrucksvoll untermauert und mächtig abgeräumt. Die Frauen und die Doppelsitzer feierten jeweils Dreifacherfolge. Einzig die sauerländische Wetterlotterie, der auch Olympiasieger Felix Loch zum Opfer fiel, brachte die Männer um den kompletten Erfolg.

Die meisten Schulterklopfer in Winterberg erhielt Johannes Ludwig. "Ich hatte es schon fast für unmöglich gehalten", sagte der schon 30 Jahre alte Premierensieger im Einsitzer: "Aber vielleicht bin ich mittlerweile gereift, wie ein guter Wein. Vielleicht komme ich jetzt hintenraus."

Tags zuvor hatte Olympiasiegerin Natalie Geisenberger (Miesbach) das Rennen der Frauen gewonnen, bei den Doppelsitzern siegten Toni Eggert/Sascha Benecken (Ilsenburg/Suhl). Gestern ging es bei den Männern erfolgreich weiter: Nach Ludwigs Sieg siegte Loch im Sprint. Bei den Frauen gewann Dajana Eitberger den dritten Sprint-Weltcup ihrer Karriere. Im letzten Rennen in Winterberg war das Podium dann noch einmal komplett schwarz-rot-gold, denn auch im Doppelsitzer-Sprint waren Eggert und Benecken wieder die Schnellsten, Tobias Wendl/Tobias Arlt als Zweite und Robin Geueke/David Gamm auf Platz drei komplettierten das rein deutsche Podium.

Ski Alpin Viktoria Rebensburg reist nun doch nicht voll zufrieden nach Lake Louise. Nach ihrer wochenlangen Verletzungspause hatte sich die beste deutsche Skifahrerin beim Comeback bewusst keine vordere Platzierung zum Ziel gesetzt - ein 19. Platz im Riesenslalom von Killington/USA war dann aber doch etwas wenig. Mit einer wegwerfenden Handbewegung quittierte die Olympiasiegerin von 2010 ihren zweiten Lauf am Samstagabend, in dem sie mit einer zu vorsichtigen Fahrt den guten fünften Rang nach dem ersten Durchgang verspielte. "Das war ein Licht-und-Schatten-Rennen", resümierte Alpin-Chef Wolfgang Maier.

Einerseits weiß Rebensburg, dass sie trotz Trainingsrückstands nach ihrer Knieverletzung nicht allzuweit entfernt ist von der Spitze um Killington-Siegerin Tessa Worley. Andererseits wurde bei leichtem Schneefall und schwieriger Sicht deutlich, dass Rebensburg noch nicht so weit ist, volles Risiko zu gehen. Ein Bruch des Schienbeinkopfes hatte sie um acht Wochen reguläres Training und den Start beim Weltcup-Auftakt in Sölden gebracht. So ist der Fokus bei Rebensburg ganz klar auf die zweite Saisonhälfte gerichtet, wenn als Krönung die WM in St. Moritz ansteht. "Uns ist wichtig, dass die Vicky im Januar und Februar fit ist", sagte Maier. Als nächstes stehen zwei Abfahrten und ein Super-G in Lake Louise an.

Skilanglauf Nicole Fessel und Victoria Carl haben im ersten Distanzrennen der neuen Weltcup-Saison mit den Plätzen fünf und sieben über zehn Kilometer in der klassischen Technik für eine Überraschung gesorgt. Im Sprint hatte tags zuvor nur Sandra Ringwald die Qualifikation überstanden und als Zwölfte für einen kleinen Lichtblick gesorgt.

Fessel und Carl liefen mit Wut im Bauch das Zehn-Kilometer-Rennen. "Ich war nach dem Sprint total enttäuscht, weil ich meine Technik überhaupt nicht in die Loipe gebracht habe", meinte Routinier Fessel. "Mit Top-Material unter den Füßen klappte das am Sonntag viel besser. All das, was ich mir im Training angeeignet habe, konnte ich umsetzen", bemerkte die Oberstdorferin. So hat sie bereits jetzt die WM-Qualifikation in der Tasche. Genau wie U23-Weltmeisterin Carl, die in der Sprint-Qualifikation gestürzt war. "Es werden zwar noch Rückschläge kommen, doch es sieht gut aus. Bei der WM in Lahti sollten wir eine konkurrenzfähige Staffel haben", sagte Carl.

Das wird im Männerbereich schwer. Der derzeit einzige Läufer mit internationalem Format, Sebastian Eisenlauer, schaffte im Sprint die Qualifikation nicht. Über 15 Kilometer war Thomas Bing als 19. bester DSV-Läufer. Auch in diesem Winter dürften die Skandinavier die Weltspitze dominieren.

Skispringen Severin Freund warf Handküsse ins Publikum, Bundestrainer Werner Schuster hüpfte vor Freude auf und ab: Mit seinem ersten Weltcup-Sieg seit Dezember 2015 hat Skisprung-Weltmeister Freund im finnischen Kuusamo für einen Paukenschlag gesorgt. Als i-Tüpfelchen schlüpfte der 28-Jährige ins Gelbe Trikot des Führenden im Gesamtweltcup.

"Glauben kann ich das noch nicht so ganz", sagte der im Sommer lange verletzte Freund im ZDF. Für den ehemaligen Skiflug-Weltmeister war es der erste Sieg seit dem Erfolg beim Tournee-Springen in Oberstdorf im vergangenen Dezember und der 22. seiner Karriere. Freund flog am Polarkreis im heftigen Schneetreiben auf 146,0 und 138,0 m und gewann mit 290,6 Punkten deutlich vor dem Norweger Daniel Andre Tande (279,0 Punkte). Im Gesamtweltcup liegt Freund mit 180 Punkten nun klar vor dem 17 Jahre alten Slowenen Domen Prevc (120), der einen Tag nach seinem ersten Weltcup-Sieg (Freund war da 2.) nicht über den 13. Platz hinauskam.

Am Wochenende reist Freund nun zumindest als Mitfavorit zu seinem Heimspringen in Klingenthal. Schuster gab bereits am Samstag die Marschrichtung vor: "Es wird bei Severin von Schanze zu Schanze hoch und runter gehen. Er muss jetzt versuchen, sich bis zur Tournee viele gute Sprünge zu erarbeiten."

(mit Material von dpa und sid)
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