US-Trials in Indianapolis: Schwimmen: Thompson und Kowal siegen mit US-Rekorden
zuletzt aktualisiert: 15.08.2000 - 12:05Indianapolis (dpa). Jenny Thompson bleibt das Cover Girl des amerikanischen Schwimmsports. Die 27-jährige Kalifornierin konnte am Montag (Ortszeit) zwar auch nicht den so lang ersehnten ersten Weltrekord bei den Trials in Indianapolis aufstellen. Mit 54,07 Sekunden im Finale über 100 m Freistil verbesserte sie jedoch wenigstens ihre nationale Bestmarke um zwei Zehntelsekunden. Noch wichtiger war für ihr Image war aber, dass sie den Dreikampf der "Grand Damen" gegen Dara Torres und Amy van Dyken für sich entschied. "Ich habe erreicht, was ich wollte. Die Generalprobe für Sydney ist gelungen", bilanzierte die fünfmalige Staffel-Olympiasiegerin zufrieden, die in "down under" bei der dritten Olympia-Teilnahme ihre erste Goldmedaille in einem Einzelwettbewerb erschwimmen möchte
Jenny Thompson, die auch schon über 100 m Schmetterling vor ihrer 33 Jahre alten Trainingskameradin Dara Torres gewonnen hatte und auf einen Start über 50 m Freistil überraschend verzichtet, sorgte am sechsten Finaltag aber nicht allein für Rekordjubel. Vize- Weltmeisterin Kristy Kowal (Foto) schlug im wieder mit 4 561 Zuschauern voll besetzten "Natatorium" über 200 m Brust in 2:24,75 Minuten an. Damit blieb die 21-Jährige sechs Zehntelsekunden unter der acht Jahre alten US-Bestzeit. "Mir fällt ein riesen Stein vom Herzen, denn das war meine allerletzte Chance, um nach Sydney zu kommen", sagte die Weltmeisterin über die kurze Bruststrecke. Hier hatte sie die Qualifikation als Dritte um 1/100 Sekunde verpasst.
Weltklassezeiten erzielten auch Weltrekordler und Weltmeister Lenny Krayzelburg in 1:57,31 Minuten sowie Aaron Peirsol (1:57,98) als Zweiter über 200 m Rücken. Kein anderer Athlet war in diesem Jahr schneller als die US-Boys. Die zweitbeste Zeit des Jahres über 200 m Lagen schwamm Olympiasieger Tom Dolan mit 2:00,81 Minuten. Er war bereits über 400 m Lagen nicht zu schlagen. Doch all die starken Leistungen wurden von dem Aufeinandertreffen der "Veteraninnen" im prestigeträchtigen Freistilsprint in den Schatten gestellt.
Neben der Frage nach der Siegerin und deren Zeit - die 27/100 Sekunden über dem Weltrekord von Inge de Bruijn (Niederlande) lag - war man gespannt, wozu die 27-jährige Amy van Dyken in der Lage ist. Die "Heldin von Atlanta", die dort als erste US-Sportlerin mit vier olympischen Goldmedaillen geehrt worden war, hatte sich im Juni 1998 und Anfang Januar zwei komplizierten Operationen an der rechten Schulter unterziehen müssen, die einen zweiten Olympia-Start unmöglich erschienen ließen. Doch schon im März zog die angehende Lehrerin für taubstumme Kinder wieder ihre Bahnen - motiviert auch durch ihren Verlobten Tom Rouen, Footballspieler bei den Denver Broncos. Er versprach ihr als Geschenk für die Olympia-Qualifikation einen roten Porsche Boxster - den er nun kaufen muss.
Für einen Einzelstart reichte es vorerst nicht. Diesen Platz stahl ihr die nach siebenjähriger Pause wiederum verblüffend schnelle Dara Torres als Zweite in 54,62 Sekunden. Doch als Vierte in 55,30 Sekunden hinter Olympiasiegerin Ashley Tappin (55,28) wurde Amy van Dyken für die Staffel fest nominiert. "Vor sieben Monaten hatte ich davon kaum zu träumen gewagt. Das ist ein toller Weg zum Beenden der Karriere. Die Staffel kann mit Weltrekord gewinnen", frohlockte die kräftige Athletin, die ihr Glück nun auch noch über 50 m Freistil versucht. Eigentlich wollte das auch die dreifache Olympiasiegerin Angel Martino. Doch nachdem die 33 Jahre alte Mutter eines dreijährigen Sohnes über 100 m Freistil chancenlos war, erklärte sie ihre Laufbahn für beendet und reiste noch am Montag nach Hause.
Ergebnisse von den US-Trials im Schwimmen
6. Finaltag:
Männer:
200 m Rücken: 1. Lenny Krayzelburg 1:57,31 Minuten; 2. Aaron Peirsol 1:57,98; 3. 1:59,58
200 m Lagen: 1. Tom Dolan 2:00,81 Minuten; 2. Tom Wilkens 2:01,38; 3. Kevin Clements 2:02,55
Frauen:
100 m Freistil: 1. Jenny Thompson 54,07 Sekunden (Landesrekord); 2. Dara Torres 54,62; 3. Ashley Tappin 55,28; 4. Amy van Dyken 55,30
200 m Brust: 1. Kristy Kowal 2:24,75 Minuten (Landesrekord); 2. Amanda Beard 2:26,79; 3. Megan Quann 2:27,60
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