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Düsseldorf
Segler holen Frau ins Boot

Düsseldorf. In der 127-jährigen Geschichte des Deutschen Segler-Verbandes ist Mona Küppers die erste Frau im Präsidium. Von Patrick Scherer

Papenburg im Emsland, Präsidiumswahlen stehen an im Deutschen Segler-Verband von 1888. Mona Küppers ist eine der Kandidatinnen. "Da fragt mich jemand, ob ich mir das überhaupt zutraue? Da habe ich gefragt: Hast du das denn den männlichen Gegenkandidaten auch gefragt? Plötzlich war er ganz ruhig", berichtet die 61Jährige. Kurz darauf war es mit der Ruhe vorbei und der Applaus laut, als der Aufstieg von Mona Küppers ins Präsidium feststand - als erste Frau in der 127-jährigen Verbandsgeschichte nimmt sie ein Amt im obersten Gremium ein. Als Vizepräsidentin für Fahrtensegeln, Freizeit- und Breitensport hat sie sich auf das Segel geschrieben, den DSV wieder etwas näher an die Basis, die Vereine, zu bringen.

Diese Zäsur hätte es ohne einen Mann allerdings gar nicht erst geben können, denn die Beziehung zwischen der Mutter von drei Kindern und dem Segelsport ist untrennbar mit ihrem Ehemann Ulrich verknüpft. "Ich habe ihn 1972 getroffen und gemerkt, ich könnte ein ganzes Stück meines Lebens mit ihm gehen. Er hatte nur einen Fehler: Er war Segler", sagt die gebürtige Winz-Niederwenigerin, die herzhaft lacht, während sie mal wieder ihren Geburtsort aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis buchstabieren muss. Mona Küppers merkte damals: "Entweder du findest Segeln ganz toll, oder du musst ohne diesen Mann auskommen." Die Liebe siegte, auch, was den Segelsport anging. Und getreu ihrem Lebensmotto "Ich mache ungern nur halbe Sachen" absolvierte sie fortan jeden Segelschein, den man absolvieren kann.

Nun hat sie ihr ehrenamtliches Engagement von der Jugendwartin bis ins DSV-Präsidium gebracht. Als Frau in so einer Position weiterhin eine Seltenheit: Studien des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) belegen, dass sich der Frauenanteil bei Mitgliedschaften in Sportvereinen (rund 40 Prozent) nicht auf der Führungsebene des Sports widerspiegelt. In den Präsidien der Landessportbünde stellen sie einen Anteil von rund 20 Prozent, in den Spitzenverbänden sogar nur von rund zehn Prozent dar. Dass Mona Küppers als erste Frau für den Posten im DSV kandidiert hatte, stieß nach ihrer Aussage aber auf wenig Widerstand im männerdominierten Verband.

Mona Küppers, die mit Herzlichkeit, feinem Humor und reichlich Selbstbewusstsein auftritt, setzt sich leidenschaftlich für Frauen ein, ohne den langen Prozess der ungleichen Behandlung zu vergessen. Sie zählt auf, dass Frauen 1973 noch keinen Fußball spielen durften und auch erst im vergangenen Jahrhundert das Wahlrecht zugesprochen bekommen haben. "Das ist alles noch gar nicht so lange her. Ich bin keine, die die Welt umkippt, es muss eine Entwicklung geben", sagt Mona Küppers. "Wenn ich mir aber anschaue, dass in unserer Bundesrepublik 51 Prozent weiblich sind, war die Zeit für den Posten im Präsidium einfach reif. Es gab einen Kandidaten und eine Kandidatin, und die Kandidatin hat gewonnen - haushoch und mit Freude."

Einen Namen hat sich Mona Küppers - auch als Sprecherin der Frauen im Landessportbund und stellvertretende Vorsitzende des deutschen Frauenrates im DOSB - mit dem Engagement für das Thema Prävention und Intervention bei sexualisierter Gewalt im Sport gemacht. "Es gibt etwas, was ich auf den Tod nicht ausstehen kann: Ungerechtigkeit und Gewalt. Und die schlimmste Form ist sexueller Missbrauch von Kindern", erklärt Mona Küppers, die mittlerweile in Oberhausen sesshaft geworden ist und die Aufgabe mit der nötigen Lockerheit angehen will. "Ich weiß nicht, ob ich die Beste für den Job bin", sagt sie. "Aber ich weiß, was ich kann. Und die Wählenden wollten einfach die Mona."

Quelle: RP
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