Anissina/Peizerat brachten frischen Wind aufs EM-Eis: Seit 32 Jahren erstmals kein russisches Paar im Eistanz auf dem Treppchen
zuletzt aktualisiert: 12.02.2000Wien (sid). Es wurde gelacht, geflachst, gefeiert. Ein fröhliches Happening der Medaillengewinner rundete bei den Europameisterschaften in Wien eine neue Ära des Eistanzens ab. Erstmals seit 32 Jahren stand kein russisches Paar auf dem EM-Podium.
Am zufriedensten registrierten verständlicherweise die neuen Europameister Marina Anissina und Gwendal Peizerat aus Frankreich den frischen Wind auf dem Eis. "Unser Sport verändert sich, langsam, aber er verändert sich", sagte Peizerat, dessen Erfolgsweg an die Spitze 1993 mit einem Brief von Marina begann, die seinerzeit einen neuen Partner suchte.
Bei dieser Kontaktaufnahme, darauf wies die gebürtige Moskauerin nun mit Stolz hin, habe sie schon damals an den Erfolg geglaubt: "Ich habe lange überlegt und dann Gwendal ausgewählt." Vorausgegangen waren gründliche Videoanalysen. Marina hatte sich über Freunde Video von Tänzen Peizerats mit seiner früheren Partnerin besorgt.
Doch so ganz konnte sich die goldene EM-Kür nach "Carmina Burana" von Carl Orff vom Prunk und vom Bombast einstiger russischer Erfolgsküren noch nicht lösen, auch wenn die neuen Titelträger zwei Höchstnoten für die Präsentation erhielten. "Wir können das noch besser laufen", räumte auch Peizerat ein. Was auch nötig sein wird, denn die in der Szene lange unterschätzten Italiener Barbara Fusa-Poli und Maurizio Margaglio waren den Franzosen schon in der Stadthalle dicht auf den Fersen.
Die Silbermedaillengewinner wie auch die drittplatzierten Litauer Margarita Drobiazko und Povilas Vanagas sind der Ansporn für die Berliner Kati Winkler und Rene Lohse, beim Aufstieg in die absolute Weltklasse nicht nachzulassen. Noch bei der EM 1996 lagen die Italiener nur einen Platz vor den deutschen Meistern, vor zwei Jahren waren die Litauer bei der WM nur eine Position besser.
Ihre noch vorhandenen Defizite haben die Schützlinge von Erfolgstrainer Martin Skotnicky, im Vergleich zum Vorjahr von Rang sechs auf Rang fünf verbessert, bereits glasklar analysiert. Lohse: "Unser Laufstil ist sicherlich gut, aber wir müssen noch schneller, schwungvoller und selbstbewusster werden." Seine Partnerin hat in Wien gelernt, "dass die Verbesserung auf den vorderen Plätzen immer schwerer wird."
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