Schwimmen: 6. Kurzbahn-WM in Moskau: Senkrechtstarter Helbig verhindert Totalpleite
zuletzt aktualisiert: 07.04.2002 - 18:07Moskau (rpo). Er ist zum ersten Mal in Mationalkader dabei und die deutschen Schwimmfunktionäre sind froh, ihn auch mitgenomen zu haben. Debütant Toni Helbig hat den Deutschen Schwimm-Verband (DSV) bei der 6. Kurzbahn-WM in Moskau vor einer Medaillen-Nullnummer bewahrt.
Über 50 m Rücken holte der 19 Jahre alte Schüler aus Potsdam bei seinem ersten bedeutenden Einsatz im Nationaltrikot überraschend Bronze. Nach einer Steigerung auf 24,17 Sekunden musste sich der dreifache Jugend-Europameister von 2000 lediglich dem australischen Olympiazweiten Matt Welsh (23,66) und dem Amerikaner Peter Marshall (24,04) geschlagen geben.
Der DSV war nur mit einem Mini-Aufgebot von sieben Aktiven und ohne Medaillenambitionen angetreten. Alle DSV-Asse waren der russischen Metropole ferngeblieben, um sich auf die Langbahn-EM in Berlin (25. Juli bis 4. August) zu konzentrieren. "Für das Gros der Athleten hat die Vorbereitung auf den Sommer längst begonnen", erklärte DSV-Sportdirektor Ralf Beckmann. Die deutschen Meisterschaften in Warendorf (22. bis 26. Mai) als einzige EM-Qualifikationschance folgen nur sechs Wochen nach der Kurzbahn-WM.
Igelström überragend
Zur überragenden Einzelathletin avancierte die Schwedin Emma Igelström schon vor dem Schlusstag mit insgesamt drei Titeln und drei Weltrekorden. Die 22-Jährige steigerte die Bestmarken über 50 m Brust (29,96 Sekunden) sowie 100 m Brust (1:05,38 Minuten) und mit der 4x100-m-Lagenstaffel (3:55,78 Minuten).
Igelström war damit auch die Topverdienerin der Meisterschaften mit 33.750 Dollar an Weltrekord-Prämien - zweimal 15.000 für ihre Einzel-Bestmarken plus 3.750 als Staffel-Anteil. Den ersten der insgesamt vier Weltrekorde hatte das Frauenquartett Chinas am Eröffnungstag über 4x200 m Freistil (7:46,30) aufgestellt.
Ebenfalls ihr drittes Gold gewann am Samstag Olympiasiegerin Jana Klotschkowa aus der Ukraine über 200 m Lagen in 2:08,82 Minuten. Zuvor hatte Klotschkowa über 400 m Lagen und 400 m Freistil gesiegt. Sandra Völkers frühere Trainingspartnerin Therese Alshammar triumphierte ebenfalls insgesamt dreimal (100 m Freistil, 4x100 m Lagen, 4x100 m Freistil).
Australien auch ohne Thorpe erfolgreich
Australien lag auch ohne Superstar Ian Thorpe mit siebenmal Gold klar auf Kurs Richtung Nummer eins in der Medaillenwertung. Dort tauchte Deutschland am Samstag endlich dank Toni Helbig auf. Nach dem dritten Rang des Potsdamers, der auch das Fehlen von Europarekordler Thomas Rupprath (Wuppertal) nutzte, waren an den ersten vier Meisterschaftstagen die sechsten Plätze durch Sabine Klenz (Leutzsch) über 200 m Lagen (2:12,89) und die Männerstaffel um den 37 Jahre alten Berliner Routinier Sven Lodziewski über 4x100 m Freistil die besten deutschen Ergebnisse.
Zwei chinesische Schwimmerinnen sind derweil des Dopings überführt worden. Dies gab der Weltverband Fina am Sonntag am Rande der Kurzbahn-Weltmeisterschaften in Moskau bekannt. Bei Staffel-Weltrekordlerin Ying Shan (4x100 m Freistil) und Jiawei Zhou ist bei Tests am 31. Januar in China jeweils das anabole Steroid Clenbuterol nachgewiesen worden. Beide Schwimmerinnen wurden von ihrem nationalen Verband suspendiert. Ihnen droht eine vierjährige Wettkampfsperre durch die Fina.
Männer:
100 m Freistil: 1. Ashley Callus (Australien) 46,99 Sekunden, 2. Jose Meolans (Argentinien) 47,09, 3. Salim Iles (Algerien) 47, 66, 4. Stefan Nystrand (Schweden) 47,84, 5. Denis Pimankow (Russland) 47,85, 6. Todd Pearson (Australien) 48,05, 7. Gustavo Borges (Brasilien) 48,20, 8. Scott Tucker (USA) 48,24
200 m Rücken: 1. Aaron Peirsol (USA) 1:51,17 (Weltrekord), 2. Marko Strahija (Kroatien) 1:53,08, 3. Blaz Medvesek (Slowenien) 1: 53,66, 4. Markus Rogan (Österreich) 1:53,82, 5. Ray Hass (Australien) 1:54,21, 6. Yoav Gath (Israel) 1:54,32, 7. Yu Rui (China) 1:55,39, 8. Wolodimir Nikolajtschuk (Ukraine) 1:55,44
100 m Lagen: 1. Peter Mankoc (Slowenien) 52,90 Sekunden, 2. Jani Sievinen (Finnland) 53,78, 3. Jakob Andersen (Dänemark) 54,31, 4. Nuno Laurentino (Portugal) 54,50, 5. Rob van der Zant (Australien) 54,54, 6. Bart Kizierowski (Polen) 54,65, 7. Theo Verster (Südafrika) 54,71, 8. Sergei Sergejew (Ukraine) 54,75
Frauen
200 m Brust: 1. Qi Hui (China) 2:20,91 Minuten, 2. Emma Igelström (Schweden) 2:21,30 (Europarekord), 3. Mirna Jukic (Österreich) 2:21,63, 4. Amanda Beard (USA) 2:22,74, 5. Sarah Poewe (Südafrika) 2:23,09, 6. Brooke Hanson (Australien) 2:24,74, 7. Olga Balkadina (Russland) 2:26,39, 8. Natalia Hissamutdinova (Estland) 2: 28,82
100 m Schmetterling: 1. Martina Moravcova (Slowakei) 57,04 Sekunden, 2. Petria Thomas (Australien) 57,91, 3. Anna-Karin Kämmerling (Schweden) 58,12, 4. Mary De Scenza 58,40, 5. Rachel Komisarz (beide USA) 58,46, 6. Wered Borotschowski (Israel) 58,66, 7. Zheng Xi (China) und Otylia Jedrzejczak (Polen) beide 59,20
50 m Rücken: 1. Jennifer Carroll (Kanada) 27,38 Sekunden, 2. Haley Cope 27,44, 3. Diana MacManus (beide USA) 27,60, 4. Ilona Hlavackova (Tschechien) 27,66, 5. Li Hui (China) 27,78, 6. Giaan Rooney (Australien) 27,93, 7. Alexandra Herasimenia (Weißrussland) 27,95, 8. Louise Ornstedt (Dänemark) 28,47
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