Ski-WM in St. Anton: Sensation durch Martina Ertl
zuletzt aktualisiert: 02.02.2001 - 21:48St. Anton (dpa). Martina Ertl hat die imposante deutsche Medaillen-Tradition in der alpinen Kombination fortgesetzt und ihr Comeback nach fünfwöchiger Verletzungspause mit Gold gekrönt. Drei Jahre nach dem historischen olympischen Dreifach-Triumph von Nagano beendete die 27-Jährige aus Lenggries am Freitag bei der alpinen Ski-Weltmeisterschaft in St. Anton den Allrounder-Wettkampf aus Abfahrt und Slalom in 2:55,65 Minuten sensationell als Erste.
"Es ist ein Märchen, ich bin wirklich den Tränen nahe. So etwas wünscht man sich als Kind: Einmal Weltmeister werden. Es ist der schönste Tag seit langem", rang Ertl nach ihrem ersten Titel bei Weltmeisterschaften und Olympia um Fassung. Am Ende flossen die Tränen der Freude dann genau wie bei ihrer Vereinskameradin Hilde Gerg nach Bronze im Super-G. Als erster Gratulant eilte Cheftrainer Wolfgang Maier quer durch den Zielraum und fiel seiner Athletin strahlend um den Hals. Für den Deutschen Ski-Verband (DSV) war es der erste WM-Titel seit 1993 in Morioka mit dem Gold von Katja Seizinger im Super und Miriam Vogt in der Kombination.
Nach Platz drei in der Abfahrt und dem ersten Slalom-Durchgang profitierte die Olympia-Zweite von Nagano im entscheidenden zweiten Slalom-Durchgang von der Nervenschwäche der Konkurrentinnen. Die führende Renate Götschl (Österreich) schied ebenso wie die Zweite Caroline Lalive (USA) aus. Im ersten Durchgang musste bereits die große Favoritin Janica Kostelic (Kroatien) nach einem Fahrfehler alle Hoffnungen begraben. Zweite wurde ebenso überraschend die erst 17- jährige Österreicherin Christine Sponring (2:58,23) vor Karin Putzer (Italien/2:58,69). Petra Haltmayr (Rettenberg/2:59,79) landete in der dramatischen Entscheidung noch auf einem ausgezeichneten fünften Platz.
Optimale Heilung
Die Sternstunde aus der Sonnenwiese kam für Ertl völlig unerwartet. Vor fünf Wochen hatte sich die Lenggrieserin bei einem Sturz im Weltcup-Riesenslalom von Semmering einen Anriss des Innenbandes zugezogen. Lange Zeit stand ihre WM-Teilnahme auf des Messers Schneide. Erst als dann die Heilung optimal verlief, konnte sie die Koffer packen. Anfang der letzten Woche trainierte die Bayerin dann erstmals auf den WM-Pisten. Zwar sind immer noch Schmerzen vorhanden, aber diese beeinträchtigen Ertl dank einer kleinen Schiene um das verletzte Gelenk kaum. "Der Trainer war sehr skeptisch, vor allem, ob ich die Abfahrt fahren soll", meinte Ertl, die dann aber ihren Wunsch erfüllt bekam.
Nachdem die Grenzschutz-Beamtin in der Abfahrt den Rückstand auf die kanadische Abfahrtsspezialistin Kirsten Clark mit 1,51 Sekunden in Grenzen halten konnte, gab sie die Devise aus: "Attackieren". Der schwierige Hang kam ihr entgegen. Dort konnte Ertl ihre technischen Fertigkeiten bestens ausspielen und schob sich schon im ersten Durchgang auf den Bronze-Platz, den sie dann noch mit über zweieinhalb Sekunden Vorsprung vergoldete. Sibylle Brauner (Aising- Pang) war in der Abfahrt an einem Tor vorbei gefahren und ausgeschieden.
Sturz der großen Favoritin
Zum großen Pechvogel avancierten die großen Favoritinnen Janica Kostelic und Renate Götschl. Kostelic hatte nach der Abfahrt den ersten alpinen WM-Titel für ihr Land schon greifbar dicht vor Augen. Aber die 19-Jährige Kroatin, die sieben Weltcup-Slaloms in Folge gewonnen hat, scheiterte an ihren eigenen Nerven und schied Mitte des ersten Slaloms- Durchganges aus, nachdem sie in der Abfahrt eine passable Leistung gezeigt hatte. "Ich weiß nicht, was passiert ist. Aber besser es passiert hier als im Spezialslalom", zeigte sich Kostelic gefasst. Zuletzt war sie 1998 im kanadischen Mammoth Moutain in einem Slalom ausgeschieden.
Für die Gesamt-Siegerin im Weltcup, Götschl, war es bereits die zweite verpatzte Chance. Im Super-G war die 25-Jährige mit Zwischen- Bestzeiten unterwegs, schied dann aber aus. Jetzt will sie in der Abfahrt ihren Titel verteidigen. "Vielleicht klappt das ja", meinte Götschl frustriert.
Eckert im Training auf dem drittem Rang
Mit einer starken Fahrt hat sich Florian Eckert im letzten Training zur Weltmeisterschafts-Abfahrt in St. Anton zu einem der Geheimfavoriten entwickelt. Der Lenggrieser fuhr am Freitag mit der hohen Startnummer 43 in 1:24,45 Minuten auf den dritten Rang und musste nur Superstar Hermann Maier (1:24,23) und Daron Rahlves (USA/1:24,11) passieren lassen. Allerdings schonte sich ein Teil der Weltelite vor der Königsdisziplin, die am Samstag ab 12.00 Uhr über die Bühne geht. Max Rauffer (Leitzachtal) landete auf dem elften Rang (1:25,15), Stefan Stankalla (Partenkirchen) auf dem 22. Platz mit einem Rückstand von 2,24 Sekunden.
Kostner Favoritin für Abfahrt am Sonntag - Gerg 14.
Die Italienerin Isolde Kostner geht als Favoritin in die Weltmeisterschafts-Abfahrt von St. Anton. Im letzten Training am Freitag fuhr die zweifache Weltmeisterin im Super-G in 1:26,01 Minuten die schnellste Zeit. In Abwesenheit der Kombiniererinnen, die bereits mit den Startnummern eins bis 30 über die Piste "Gertrud Gabl" gegangen waren und nicht gewertet wurden, setzte sich die amtierende Super-G-Weltmeisterin Regine Cavagnoud aus Frankreich (1:26,12) an die zweite Stelle. Die Amerikanerin Megan Gerety (1:26,22) wurde Dritte.
Auch Hilde Gerg nutzte die letzte Übungsfahrt vor dem Rennen am Sonntag. Die 25-jährige Lenggrieserin belegte in 1:27,89 Minuten den 14. Rang. Die beiden anderen Starter des Deutschen Skiverbandes (DSV), Sibylle Brauner und Petra Haltmayr (Rettenberg), waren bereits die Kombination gefahren.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum











