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Putin schlägt Blatter für Nobelpreis vor
Doppelpass der lupenreinen Demokraten

Komiker wirft Geldscheine auf Sepp Blatter
Komiker wirft Geldscheine auf Sepp Blatter FOTO: afp, fc/ab
Düsseldorf/Zürich. Wladimir Putin hält Fifa-Präsident Sepp Blatter für einen Friedensnobelpreis-Kandidaten. Den Vorwürfen, Blatter sei in Korruption verwickelt, schenkt er "keinen Glauben". Von Robert Peters

Nach Nordamerika zieht es Sepp Blatter (79) eher nicht. Der Fifa-Präsident beehrte weder die Frauenfußball-WM in Kanada mit seiner Gegenwart, noch bereiste er in jüngerer Vergangenheit mal die USA. Ganz böse Menschen schließen daraus, dass er fürchtet, im Zuge der US-Ermittlungen gegen die Fifa schon am Flughafen festgenommen zu werden. Das Gegenteil ist so lange nicht zu beweisen, wie Blatter in Europa bleibt.

Er hat offenbar nichts anderes vor. Nach Russland fährt er gern. Das hat er am zurückliegenden Wochenende unterstrichen. Bei der Auslosung der Qualifikations-Gruppen für die WM 2018 lächelte er in St. Petersburg gemeinsam mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ausdauernd in die Kameras. Blatter war unter Freunden. Das genießt er, denn es sind nicht mehr so viele. Die meisten Funktionäre können es nicht mehr abwarten, dass endlich der Nachfolger gewählt wird. Bis zum 26. Februar müssen sie sich gedulden.

Putin hat sich für den freundlichen Besuch mit einer feierlichen Lobrede auf den zum Rücktritt entschlossenen Frontmann des Weltverbandes bedankt. "Menschen wie Blatter oder Leiter anderer internationaler Sportorganisationen oder der Olympischen Spiele sollten besondere Anerkennung erfahren. Wenn es jemanden gibt, der den Nobelpreis verdient, sind es diese Leute", sagte Putin im Interview des Schweizer Fernsehsenders SRF. Natürlich schenke er den "Gerüchten, Blatter sei persönlich in Korruption verstrickt, keinen Glauben".

Das ist ein sportpolitischer Doppelpass unter lupenreinen Demokraten. Putin setzt das Zusammenspiel fort, indem er seine Kritik an den Ermittlungen der US-Behörden wiederholte. Kein Land der Welt dürfe "Menschen aus anderen Ländern einfach packen und zu sich ins Gefängnis schleppen", urteilte der Kremlchef. Die US-Behörden hatten die Auslieferung führender Fußball-Funktionäre aus der Schweiz in die USA verlangt. Der ehemalige Fifa-Vizepräsident Jeffrey Webb steht bereits in den Staaten vor Gericht.

Putin und Blatter verbindet nicht nur die edle Liebe zum Sport. Es gibt da zum Beispiel das Unternehmen Gazprom, dem hiesigen Publikum als Partner von Schalke 04 bekannt und einer der Fifa-Sponsoren. Der russische Staat hält 50 Prozent und eine Aktie am Energiekonzern, der mit 445 000 Mitarbeitern der zweitgrößte Arbeitgeber des Landes ist. In der Führung des Konzerns sitzen Putins Vertraute. Einige aus diesem Netzwerk kennt der Präsident schon aus seinen Tagen in der Stadtverwaltung von St. Petersburg.

Gazprom ist nicht der einzige Berührungspunkt zwischen Putin und Blatter. Das wichtigste gemeinsame Projekt ist die Weltmeisterschaft 2018 in Russland, ohne die Gazprom vermutlich nicht auf den Werbekarren der Fifa gesprungen wäre. Je stärker Blatters Macht im Verband ins Wanken gerät, desto wahrscheinlicher wird, dass zumindest über die Umstände bei der Vergabe des Turniers an Russland noch einmal öffentlich sehr intensiv diskutiert wird. Davor muss sich der scheidende Fifa-Chef ebenso fürchten wie sein Kollege im Kreml. Deshalb giftet Putin vorsichtshalber schon mal gegen all jene, die dabei sind, den Korruptionssumpf im Fußball-Weltverband trocken zu legen. Es dränge sich der Verdacht auf, dass die nächsten WM-Gastgeber Russland (2018) und Katar (2022) mit dem Skandal aus dem Rennen gedrängt werden sollten. "Was wie ein Kampf gegen Korruption aussieht, zwingt mich, darüber nachzudenken, ob es nicht eine Fortsetzung des Kampfes um die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 ist", sagte der Präsident.

Er hat vermutlich nicht einmal Unrecht. Eine Neuvergabe der Turniere ist allerdings nicht sehr wahrscheinlich. Blatters aussichtsreichster Nachfolgekandidat, Uefa-Chef Michel Platini, hat sich bislang nicht als leidenschaftlicher Kämpfer gegen die russische Bewerbung vorgestellt. Für Katar ist er schon deshalb, weil die Scheichs seinem Sohn einen Job im Management eines Ablegers des katarischen Staatsfonds gegeben haben.

Quelle: RP
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