Eiskunstlauf-WM: Stadlmüller im Finale: Sieg für Kanadier - dank Heimbonus
zuletzt aktualisiert: 22.03.2001 - 09:38Vancouver (rpo). Preisrichter-Entscheidungen lösten im Eiskunstlauf-Sport schon oft lange Diskussionen aus. So auch diese: Die Kanadier Jamie Sale/David Pelletier haben bei der Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft in Vancouver ihren ersten Titel im Paarlauf gewonnen.
Ohne den Heim-Bonus und 17.000 begeisterte Zuschauer im General Motor Place von Vancouver hätten die Kanadier die Goldmedaille im hochklassigen Paarlauf-Wettkampf am Mittwochabend allerdings kaum einheimsen können. Denn im Gegensatz zu der makellosen Charlie-Chaplin-Kür der zweifachen Titelträger Elena Bereschnaja/Anton Sicharulidse (Russland) war die Tristan und Isolde-Darbietung der neuen Champions ganz und gar nicht fehlerfrei.
"Es wäre gerechter gewesen, wenn die Russen gewonnen hätten. Aber so ist halt Eiskunstlauf", sagte Katarina Witt achselzuckend nach der umstrittenen 6:3-Preisrichterentscheidung. Und für das Gastgeberland sei es doch gut, wenigstens einen Erfolg zu verbuchen, wo doch Altmeister Elvis Stojko schon so enttäuschte, führte die zweimalige Olympiasiegerin aus. Jamie Sale und David Pelletier schauten selbst ungläubig auf die hohen technischen Noten, doch schon nach einem Sturz der 23-Jährigen im Kurzprogramm war das Preisgericht milde mit dem hübschen Duo umgegangen.
"Es hat sich gelohnt nach Vancouver zu kommen, auch wenn uns nicht nach Eiskunstlaufen zu Mute war", gestand Pelletier hinterher. Denn nur zwei Wochen vor der WM war das Haus des auch privat verbandelten Paares ausgebrannt, erfuhren auch die erstaunten einheimischen Pressevertreter erst nach dem Triumph. "Und wenn man es auch kaum glauben kann, danach wurde noch mein Auto gestohlen", sagte der 26- Jährige unter Tränen.
Zurückstecken mussten die elegant laufenden Russen, die im Vorjahr wegen einer Dopingsperre ihren Titel nicht verteidigen durften. Aber die Europameister kennen den Sport, in dem auch sie schon oft Vorteile genossen und ließen sich nicht zu undiplomatischen Äußerungen hinreißen. "Wir sind glücklich, dass wir so gut gelaufen sind. Wir werden uns noch mehr steigern", sagte Anton Sicharulidse mit Blick auf Olympia in knapp elf Monaten.
Die Winterspiele 2002 werden für die Berliner Mariana Kautz/Norman Jeschke wohl ein Wunschtraum bleiben. Nach einer schwierigen Vorbereitung wegen eines Bänderrisses der 20-Jährigen war im Vergleich mit den Besten der Welt nur Platz 16 drin. Nach zwei Stürzen in der Kür war Mariana Kautz froh, "die Saison endlich über die Bühne gebracht zu haben".
Enttäuscht war auch die deutsche Meisterin Susanne Stadlmüller (Stuttgart), die in ihrer Qualifikationskür beim Flip patzte und danach aus dem Konzept geriet. "Ich habe zu viel nachgedacht, das ist ärgerlich", meinte die 16 Jahre alte WM-Debütantin, die sich mit Rang elf für das Finale qualifizierte. Ihren vierten Titel könnte die 20- Jährige Michelle Kwan holen. Die ausdruckstarke Amerikanerin dominierte ihre Gruppe ebenso wie die Europameisterin Irina Slutskaja (Russland) die andere.
Eiskunstlauf-WM in Vancouver, Damen, Quali
Gruppe B: 1. Irina Slutskaja 0,4 Punkte, 2. Viktoria Wolschkowa (beide Russland) 0,8, 3. Vanessa Gusmeroli (Frankreich) 1,2, 4. Silvia Fontana (Italien) 1,6, 5. Elena Liaschenko (Ukraine) 2,0, 6. Laetitia Hubert (Frankreich) 2,4, 7. Jennifer Robinson (Kanada) 2,8, 8. Tamara Dorofejew (Ungarn) 3,2, 9. Bit-Na Park (Südkorea) 3,6, 10. Sarah Meier (Schweiz), 4,0, 11. Zuzana Babiakova (Slowakei) 4,4, 12. Idora Hegel (Kroatien) 4,8, 13. Annie Bellemare (Kanada) 5,2, 14. Karen Venhuizen (Niederlande) 5,6, 15. Siyin Sun (China) 6,0
Gruppe A: 1. Michelle Kwan 0,4, 2. Sarah Hughes 0,8, 3. Angela Nikodinow (alle USA) 1,2, 4. Maria Butirskaja (Russland) 1,6, 5. Fumie Suguri (Japan) 2,0, 6. Tatjana Malinina (Usbekistan) 2,4, 7. Elina Kettunen (Finnland) 2,8, 8. Mikkeline Kierkgaard (Dänemark) 3,2, 9. Julia Sebestyen (Ungarn) 3,6, 10. Julia Soldatowa (Weißrussland) 4,0, 11. Susanne Stadlmüller (Stuttgart) 4,4, 12. Christina Wassilewa (Bulgarien) 4,8, 13. Carina Chen (Taiwan) 5,2, 14. Roxana Luca (Rumänien) 5,6, 15. Marta Andrade (Spanien) 6,0, ... 18. Anna Wenzel (Österreich) 7,2
Paarlauf, Endstand: 1. Jamie Sale/David Pelletier (Kanada), 2. Elena Bereschnaja/Anton Sicharulidse (Russland) jeweils 2,5 (besseres Kürergebnis zugunsten von Sale/Pelletier), 3. Xue Shen Hongbo Zhao (China) 4,0, 4. Maria Petrowa/Alexej Tichonow (Russland) 7,0, 5. Tatjana Totmianina/Maxim Marinin (Russland) 8,0, 6. Dorota Zagorska/Mariusz Siudek (Polen) 8,5, 7. Kyoko Ina/John Zimmerman (USA) 10,0, 8. Kristy und Kris Wirtz (Kanada), 9. Aljona Sawtschenko/Stanislaw Morosow (Ukraine), 10. Qing Pang/Jian Tong (China) jeweils 15,0 (bessere Kürergebnisse zugunsten von Wirtz/Wirtz und Sawtschenko/Morosow), 11. Tiffany Scott/Dulebohn (USA) 16,5, 12. Katerina Berankova/Otto Dlabola (Tschechien) 17,5, 13. Inga Rodionowa/Andrej Krukow (Aserbaidschan) 20,5, 14. Sabrina Lefrancois/Jerome Blanchard (Frankreich), 15. Yuko Kawaguchi/Alexander Markuntsow (Japan) jeweils 21,5 (besseres Kürergebnis zugunsten von Lefrancois/Blanchard), 16. Mariana Kautz/Norman Jeschke (Berlin) 24,0
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