Erstmals in der Tennis-Geschichte: Sister-Act: Williams-Schwestern im Halbfinale
zuletzt aktualisiert: 06.07.2000 - 14:48London (dpa). Wimbledon erlebt einen spektakulären Sister-Act. Erstmals in der Tennis-Geschichte kämpfen mit Venus (Foto unten) und Serena Williams (Foto links) zwei Schwestern um den Einzug ins Endspiel beim berühmtesten Turnier der Welt. Einen Tag vor der großen Reifeprüfung der neuen deutschen Tennis-Hoffnung Alexander Popp (Mannheim) im Viertelfinale gegen Patrick Rafter (Australien) an diesem Mittwoch (live in Premiere World) schlugen sich die beiden Power-Girls mit Siegen über Huber-Bezwingerin Martina Hingis (Schweiz) und Lisa Raymond (USA) erstmals in die Runde der letzten Vier bei dem mit 12,5 Millionen Dollar dotierten Grand-Slam-Turnier in London.
Die Weltranglisten-Fünfte Venus Williams kämpfte die Weltranglisten-Erste Martina Hingis nach einem Break-Festival mit 6:3, 4:6, 6:4 in 2:11 Stunden auf dem Center Court ab. Ihre Schwester Serena, auf der Computer-Rangliste drei Plätze schlechter eingestuft, saß da wieder schon auf der Tribüne und drückte die Daumen. Für ihren 6:2, 6:1-Erfolg über ihre Landsfrau Lisa Raymond benötigte sie nur 41 Minuten. Mit einem Ass besiegelte sie ihren Erfolg, dann verteilte die 18-Jährige Kusshände an das Publikum.
Der gestresste Tennis-Vater Richard Williams war da schon wieder auf dem Weg zum Center Court. Denn seine 20 Jahre alte Tochter Venus hatte auf dem "heiligen Rasen" mit der Weltranglisten-Ersten Martina Hingis einige Probleme, doch sie gewann verdient. Zusammen 3,5 Millionen Dollar Preisgeld haben die beiden Schwestern, von denen eine das Finale am Samstag erreichen wird, schon eingespielt. Trotzdem ist das dritte Schwestern-Duell in der Wimbledon-Geschichte hochbrisant. 1884 gab es den Sister-Act sogar im Finale: Maud Watson gewann gegen ihre Schwester Lilian.
Jelena Dokic (Australien) nutzte beim 6:3, 6:2 gegen Magui Serna (Spanien) die Gunst der Stunde und erreichte erstmals das Halbfinale eines Grand-Slam-Turnieres. Dort trifft Dokic auf die an Nummer zwei gesetzte Titelverteidigerin Lindsay Davenport, die sich in ihrem Viertelfinal-Spiel gegen Monica Seles (USA) mit 6:7 (4:7), 6:4, 6:0 durchsetzte.
Die Amerikaner sind auch am "Popp-Tag" in Wimbledon mit Titelverteidiger Pete Sampras, seinem Gegner Jan-Michael Gambill und Vorjahresfinalist Andre Agassi in der Runde der letzten Acht stark vertreten. Neben Popp-Gegner Rafter, der im Vorjahr Boris Beckers Wimbledon-Traum beendet hatte, kämpft mit "Becker-Bube" Mark Philippoussis (gegen Agassi) ein weiterer Australier um den Einzug ins Halbfinale. Byron Black (Zimbabwe) und Qualifikant Alexander Woltschkow (Weißrussland) bestreiten die vierte Viertelfinal- Begegnung.
"Er hat gewisse Fähigkeiten, die hat man oder man hat sie nicht", sagt sein Coach Helmut Lüthy über seinen Schützling Popp. Beim Training stellte der Mannheimer selbst Agassi in den Schatten. Alle Kameras und Mikrofone waren auf den Debütanten gerichtet, der seine Übungseinheit mit Woltschkow engagiert und konzentriert hinter sich brachte. Der Superstar aus Amerika, der auf einem Platz nebenan trainierte, wurde dagegen kaum beachtet.
Popp, der seinen Rückflug schon vier Mal umgebucht hat, ist gegen den früheren Weltranglisten-Ersten Rafter klarer Außenseiter. Immerhin ist Rafter vor zwölf Monaten nach seinem Viertelfinal-Sieg über Becker ins Wimbledon-Halbfinale eingezogen. Der Australier hat zehn Turniere gewonnen, hat in diesem Jahr eine Bilanz von 10:1- Siegen auf Rasen. "Er war lange verletzt, hat sich viel vorgenommen. Rafter ist ein großer Kämpfer", sagte Popp.
Im Mixed ist auch Anke Huber an der Seite von Joshua Eagle (Australien) noch im Geschäft. Im Doppel-Wettbewerb an der Seite von der Österreicherin Barbara Schett scheiterte die neue Weltranglisten- Zehnte allerdings mit 1:6, 2:6 an den spanisch-argentinischen Kombination Virginia Ruano Pascual/Paola Suarez.
Auch für David Prinosil endete das Turnier: Einen Tag nach der Achtelfinal-Niederlage gegen Agassi verlor der Amberger an der Seite des letztjährigen Wimbledon-Gewinners Mahesh Bhupati (Indien) gegen Roger Federer (Schweiz) und Andrew Kratzmann (Australien) mit 6:7 (2:7), 4:6), 4:6.
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