Rebell Behle setzt "Konzept 2002" durch: Ski-Langläufer starten in die Weltcup-Saison
zuletzt aktualisiert: 24.11.2000 - 11:00Leipzig (sid). Ausgerechnet der "ewige Rebell" Jochen Behle soll mit dem langfristig angelegten "Konzept 2002" die deutschen Langläufer wieder in die Erfolgsspur führen. Der sechsmalige Olympia-Starter ist im Deutschen Skiverband (DSV) zum Weltcup-Koordinator avanciert und damit für das Abschneiden in der am Samstag im norwegischen Beitostoelen beginnenden Saison verantwortlich.
"Wir wollen nicht mehr um Platz 25 rennen", erklärt Behle seine Philosophie. "Wir brauchen Platzierungen unter den Top 15. Nur wer die schaffen kann, wird künftig im Weltcup starten." Das traut der Willinger derzeit nur den beiden Oberweißenbrunnern Andreas Schlütter und Rene Sommerfeldt zu, die deshalb in Beitostoelen ein deutsches Miniteam bilden. Dagegen greifen die DSV-Damen erst nach einer nochmaligen internen Leistungskontrolle Anfang Dezember in das Geschehen ein.
Der Willinger Behle, der selbst in seiner aktiven Zeit viele Jahre abseits des DSV-Einflussbereiches ein individuelles Training bevorzugte und dabei oft mit den Funktionären im Clinch lag, beginnt seine DSV-Trainerkarriere mit einem System der gestärkten Stützpunkte. Die Trainer Heinz Nestler (Oberwiesenthal), Cuno Schreyl (Oberhof) und Peter Kösel (Bayern) bereiten ihre Athleten selbständig auf bestimmte Wettkampf-Höhepunkte vor.
Dabei sollen speziell die Youngster um Junioren-Weltmeister Axel Teichmann (Lobenstein) im Weltcup nicht verheizt werden, sondern zielgerichtet nur wenige "Einsatzhöhepunkte" in dieser Kategorie bestreiten. "Die Sportler werden exakt wissen, wann sie ihre Chance bekommen und müssen diese dann auch nutzen", erklärt Behle. "Die Stützpunkt-Trainer entscheiden letztlich darüber, wer das Niveau hat, und wer eben noch nicht."
Übergangs-Situation
Insgesamt jedoch hält Behle die Gewaltenteilung trotz der "funktionierenden Zusammenarbeit" für eine Übergangs-Situation. Nach 2002 will er im Trainerstab zugunsten des Techniker-Bereiches einsparen. Abwarten will Behle, welche Eigendynamik der Langlauf-Sprint entwickelt, für den bei der WM in Lahti (15. bis 25. Februar 2001) erstmals WM-Medaillen vergeben werden. Zurzeit weigert sich der DSV auch aus Kostengründen, eine Sprint-Mannschaft aufzubauen. "Da herrscht im Weltverband große Konfusion. Die Entwicklung des Sprints ist absolut noch nicht abzusehen", sagt Behle. Dem Kurzstrecken-Spezialisten, Behles ehemaligen Hirschauer Staffel-Gefährten Peter Schlickenrieder, sollen aber zu den entscheidenden Rennen spurtstarke Langläufer zur Seite gestellt werden.
Nach dem Startverzicht des achtmaligen Olympiasiegers Björn Dählie (Norwegen) wegen einer noch immer nicht ausgeheilten Rückenblessur gilt vor allem der in der letzten Saison lange pausierende Finne Mika Myllylä als Favorit auf WM-Ruhm. Der für Spanien startende deutsche Weltcup-Gesamtsieger der Vorsaison, Johann Mühlegg, muss auch wieder mit dem nach langer Verletzung wieder einsatzbereiten Olympiasieger Thomas Alsgaard (Norwegen) kämpfen. Bei den Damen ist erneut ein Duell der Läuferinnen aus Russland und Norwegen zu erwarten.
>>> Die Weltcup-Termine der Ski-Langläufer
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