Gegenwind pustet Medaillenchance weg: Ski-WM: Gerg hakt Debakel ab
zuletzt aktualisiert: 04.02.2003 - 16:01St. Moritz (rpo). Abhaken und weitermachen - so lautet derzeit das Motto für Skirennläuferin Hilde Gerg. Gegenwind pustete nicht nur mögliche Medaillen weg, sondern sorgte für ein regelrechtes Debakel zum Auftakt der Ski-WM.
Am frühen Abend konnte Hilde Gerg schon wieder Witze machen. "Ich glaube, ich werde wieder Slalom-Fahrerin", verkündete die Lenggrieserin. In dieser Disziplin, in der sie 1998 in Nagano überraschend Olympiasiegerin wurde, könne ihr wenigstens das Wetter keinen Streich spielen. Auch Cheftrainer Wolfgang Maier mühte sich nach Kräften, den missratenen WM-Auftakt schnell zu verdrängen. "Es ist vorbei, und jetzt ist es auch schon wurscht", beteuerte er.
Maier ist Kummer ohnehin gewohnt. Seit der WM 1993 ist er nun bereits dabei, "und immer haben wir im ersten Rennen eine Breitseite bekommen". So schwer getroffen wie diesmal wurden die Läuferinnen des Deutschen Skiverbandes (DSV) allerdings lange nicht mehr: Dass es bei einem Großereignis keine in einer der beiden schnellen Disziplinen in die Top Ten schafft, hatte es seit dem Abfahrtslauf bei der WM 1974 in St. Moritz nicht mehr gegeben. Besonders aber wurmte Maier, dass es die äußeren Umstände waren, die seine Favoritin Hilde Gerg im Super-G um alle Medaillenchancen brachten.
Der Frust über Wind und Wetter saß zunächst tief. "Man fragt sich schon, warum bin ich immer der Depp, warum kann ich nicht mal vorne sein?" bekannte Hilde Gerg, die auf dem 20. Rang landete. In seiner ersten Erregung hatte auch der Cheftrainer deftige Worte gefunden: "Das hat mich echt aufgeregt. Da trainierst du das ganze Jahr auf dieses Ereignis hin, und dann stehst du da wie ein Idiot. Das nächste Mal fahre ich gleich in den Urlaub und lege mich auf Mallorca an den Strand, bevor ich mir so einen Sch...dreck antue." Später sagte er dann tapfer: "Schicksal. Abhaken."
Das Schicksal schlug allerdings zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt zu. "Bitter" sei das Resultat vor allem, sagte Maier, weil "wir als Alpine eh' mit dem Rücken zur Wand stehen". Die hausinterne Konkurrenz im Skiverband, die Skispringer und die Biathleten, nehmen im öffentlichen Interesse mittlerweile die Spitzenpositionen ein - auch, weil sie erfolgreicher sind. Eine Medaille zum Auftakt dieser Weltmeisterschaften, die ohnehin etwas zäh anlaufen, wäre deshalb so wichtig gewesen. "Wir hätten einen ganz anderen Drive bekommen und hätten das Ganze etwas lockerer angehen können", glaubt Maier.
Zumindest Hilde Gerg hatte sich nichts vorzuwerfen. Als die besten Super-G-Läuferinnen des Winters und zugleich die Siegerinnen der bisherigen vier Saisonrennen in dieser Disziplin auf die Strecke gehen durften, waren sie chancenlos. Renate Götschl aus Österreich, Startnummer 27, wurde Achte. Carole Montillet aus Frankreich, als 30. gestartet, landete auf Rang 14. Karen Putzer aus Italien, auf die Piste gelassen als 28., landete noch hinter Hilde Gerg auf Rang 24. Dies war auch der Fluch der neuen Startregel, die vorsieht, dass die Top 30 der Weltrangliste in umgekerter Reihenfolge starten.
Nicht nur das Wetter ist Schuld
"Das Rennen war ab Startnummer 25 vorbei. Ich hatte halt leider die 29", sagte Gerg. Die Gründe für die Benachteiligung waren derer zwei: Da war der bisweilen heftige Gegenwind im Mittelteil der Piste "Engiadina". Da war aber auch dieser verhängnisvolle Mix aus Wind und zurückgehender Sonneneinstrahlung im oberen Teil, der dafür sorgte, dass dort der Schnee abkühlte und folglich langsamer wurde. Weltmeisterin Michaela Dorfmeister aus Österreich war mit Nummer 23 noch rechtzeitig zu Tal gekommen. Glück für sie, aber auch ehrliche Anerkennung von den Deutschen. "Die Dinge, die zusammenpassen müssen, haben bei ihr gepasst. Bei uns eben nicht", sagte Maier.
Ohnehin wollte der Cheftrainer nicht alles nur aufs Wetter schieben. Das entschuldige nicht, dass Maria Riesch (Partenkirchen) ausschied, weil sie "einen Sprung einfach falsch angefahren hat". Regina Häusl (Bad Reichenhall) sei deswegen auf Rang 29 gelandet, weil sie "schlecht Ski gefahren ist". Martina Ertl (Lenggries) hatte dagegen auch Materialpech. Ihr französisches Produkt war unter den Top Ten gar nicht vertreten, sie war als 11. beste Deutsche und die Schnellste ihrer Markenkolleginnen. Bis Sonntag müssen die deutschen Damen auf die Abfahrt und die Chance zur Rehabilitierung warten. "Die Hilde fährt ja nochmal", meint der Cheftrainer mit einem optimistischen Lächeln.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum











