St. Anton: Riesenslalom: Ski-WM: Von Grünigen holt Gold
zuletzt aktualisiert: 08.02.2001 - 20:04St. Anton (dpa). Ein ganzes Land wollte ihm huldigen, doch die Rolle des strahlenden Siegers musste Hermann Maier erneut an einen seiner großen Gegenspieler abtreten. Michael von Grünigen demonstrierte in seiner Paradedisziplin Riesenslalom in 2:23,80 Minuten seine Ausnahmestellung mit seinem zweiten alpinen Weltmeistertitel nach 1997 in Sestriere. Der Schweizer hielt als einer von zwei Topfavoriten dem großen Druck vor Kjetil Andre Aamodt (2:24,15) aus Norwegen und dem Sensations-Dritten Frederic Covili (2:24,18/Frankreich) stand. "Ich denke, der Titel ist fast noch wichtiger als der letzte", freute sich der schweigsame Techniker.
Um Florian Eckert (Lenggries) wurde es derweil nach seinem Sensations-Bronze vom Vortag wieder etwas stiller. Als 23. nach dem ersten Durchgang verlor Eckert im zweiten Lauf einen Ski und ritt noch akrobatisch auf einem Brett an zwei Toren vorbei ins Tal, um dann doch von der "weichen, aber sehr gut zu fahrenden Piste" (Eckert) gestellt zu werden. Die kleine Geburtstagsfeier am Vortag war indes nicht der Grund für den Ausfall. "Ich bin zeitig ins Bett gegangen". Ein Empfang in Lenggries am Sonntag nach seiner großartigen Leistung in der Schussfahrt wird Eckert trösten.
Dagegen verschaffte Hermann Maier 30 000 frenetisch anfeuernden Fans als Vierter (2:24,19) beim Heimspiel von St. Anton die Gewissheit, dass ihr "Herminator" doch eher ein verwundbarer Hermann ist. "Heute hätte nur Gold gezählt. Ich bin froh, dass es vorbei ist. Ich war immer nach dran", bilanzierte Maier in der Mittagssonne unaufgeregt. Mit einer für ihn kargen Silbernen und einer Bronze- Medaille wird der Superstar St. Anton verlassen. Zu allem Überfluss rauschte er auch noch in seinem Riesen um 1/100 an Bronze vorbei. "Wenn ich alles zusammen rechne, fehlen mir nur 8/10 Sekunden, dann hätte ich drei Mal Gold gewonnen", sagte Maier. Spärlich kam der Applaus, als der Misserfolg feststand. Austria liebt seinen Star nur siegend.
Zumal in seinem Schatten andere auf dem schwierigen und steilen Hang am Arlberg bestechen. Aamodt errang überraschend nach seinem Kombinations-Gold Silber im "Riesen" und geht als Mitfavorit in den abschließenden Slalom. 15 Medaillen hat der 29-Jährige mittlerweile gewonnen, kein Athlet auf Rennskiern schaffte mehr bei WM und Olympia. "Es war wie Gold für mich. Ich bin überglücklich", meinte Aamodt. Wie von Grünigen zählt der Allrounder zu den ruhigen Vertretern der Skifahrer-Zunft. Als Dritter platzierte sich in Frederic Covili aus Frankreich ein weiterer krasser Außenseiter. Statt die zehnte Medaille zu feiern, bleibt Österreich bei neun stehen - und Maier zieht ohne das programmierte Gold von dannen.
Von Grünigen preschte indes vom zeitgleich mit Maier geteilten vierten Rang nach dem ersten Durchgang zum lang ersehnten ersten Gold für die Schweiz und errang seinen "wichtigsten Titel." Drei Mal hatte er in seiner Disziplin in dieser Saison triumphiert, nachdem der letzte Winter ohne Sieg endete. Ein fast fehlerfreier zweiter Lauf reichte dem 31-Jährigen, um Aamodt auf Distanz zu halten. "Eine große Bestätigung für meine Karriere" war es für von Grünigen, der einen angeschlagenen Maier zurück ließ.
Schuld am Dilemma nach zwei Olympiasiegen und Gesamtweltcup- Erfolgen waren wieder einmal die Umstände. "Ich bevorzuge es, nicht so lange an einem Ort zu bleiben. Es ist insgesamt nicht schlecht gelaufen", befand Maier und freute sich ungewohnter Weise sogar ein bisschen über den vierten Platz: "Ich bin heute der beste Österreicher in einer starken Mannschaft. Das ist doch nicht schlecht." Der "Herminator" ist genügsam geworden.
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