DSV nominiert Olympiateam: Skiasse sollen 15 Medaillen gewinnen
zuletzt aktualisiert: 21.01.2002 - 15:11Leipzig/München (rpo). Der Deutsche Skiverband (DSV) hat seinen Kader für die Olympischen Winterspiele in Salt Lake City nominiert und mit einer klaren Ergebnisvorgabe ausgestattet. Die Skiasse sollen insgesamt 15 Medaillen mit nach Hause bringen.
Die Umsetzung der Zielvorgabe von DSV-Sportdirektor Thomas Pfüller liegt auf den Schultern von mindestens 51 Sportlern aus den Bereichen Alpin (Ziel 2 Medaillen), Nordisch (6 bis 7), Snowboard (1) und Biathlon (4 bis 5). Ein entsprechend starkes Team wurde 18 Tage vor Beginn der Spiele in München nominiert und soll am Freitag vom Nationalen Olympischen Komitee für Deutschland (NOK) bestätigt werden. Bei den Olympischen Spielen 1998 in Nagano hatten die Sportler des Deutschen Skiverbandes (DSV) 13 Medaillen abgeräumt.
"Die Skispringer sind sicher unser Flaggschiff. Sven Hannawald ist extrem stark, bei Martin Schmitt geht es wieder aufwärts. Da muss man eine Medaille in der Mannschaft und ein bis zwei im Einzel erwarten", erklärte Pfüller im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid). Entsprechenden Aufwind für die erhofften (Gold)Medaillen holen sich Hannawald, Schmitt und Co. ab Freitag in einem Trainingslager an einem geheimen Ort - wie vor der mit vier Medaillen überragenden WM 2001 in Lahti. "Geplant sind Ruhe vor der Öffentlichkeit, viele Sprünge und Materialtests", erklärte Bundestrainer Reinhard Heß.
Neben den Skispringern sind laut Pfüller die Biathleten und die wieder erstarkten Kombinierer die großen olympischen Medaillenhoffnungen: "Im Biathlon gibt es acht Rennen, da haben wir in jedem eine Medaillenchance. Viermal Edelmetall könnten es am Ende schon werden." Die Skijäger um den dreimaligen Olympiasieger Ricco Groß bereiten sich im Trainingslager Silver Star/Kanada auf Olympia vor - besonders die Staffeln gelten als Goldfavoriten. Auch die vom fünfmaligen Saisonsieger Ronny Ackermann angeführten Kombinierer kämpfen laut Pfüller in jeder ihrer drei Olympia-Entscheidungen um eine Medaille: "Alles andere wäre tiefgestapelt."
Bei alpinen Männern nur ein Starter
"Sorgenkinder" sind die Alpinen, vor vier Jahren in Japan mit sechs Plaketten noch die größten Medaillensammler im DSV. "Der Alpinbereich bereitet mir die größten Kopfschmerzen, weil er in der Außenwirksamkeit so eine große Rolle spielt. Wenn mein Wunschtraum von zwei Medaillen in Erfüllung ginge, wäre ich überglücklich", so Pfüller. Bei den Damen macht dem Sportdirektor besonders Weltcup-Doppelsiegerin Hilde Gerg in Abfahrt und Super-G Hoffnung, auch die in einer Schaffenskrise steckende Martina Ertl ist in der Kombination noch nicht gänzlich abgeschrieben: "Bei ihr ist es eine Frage des Kopfes."
Bei den alpinen Männern ist erstmals in der Olympia-Geschichte in Markus Eberle nur ein deutscher Starter vorgesehen. Pfüller: "Bei den Herren stehen wir am Scheideweg. Nach Olympia werden wir einen neuen Weg mit jüngeren Leuten einschlagen." Immerhin sollen Alois Vogl am Dienstag im Nachtslalom von Schladming sowie Max Rauffer und Stefan Stankalla bei den zwei Super-G am Wochenende in Garmisch-Partenkirchen eine nachträgliche Chance zur Olympia-Qualifikation erhalten.
Von den Langläufern und Snowboardfahrern erwartet Pfüller eine positive Überraschung - sprich je eine Medaille. Für die sollen im Langlauf Junioren-Weltmeister Axel Teichmann oder die Männer-Staffel sorgen. Im Snowboard sieht Pfüller die deutschen Halfpipe- und Riesenslalom-Artisten in jeder Entscheidung "mit einer guten Podestchance". Keinen deutschen Starter gibt es im Freestyle.
Mindestens 19 Techniker und mehrere Ärzte werden sich um das Wohl der deutschen Medaillenhoffnungen kümmern. Außer den Millionen-Ausgaben des NOK zahlt der DSV weitere 150.000 Mark (für Außenquartiere, Fahrzeuge) für den Olympia-Erfolg.
Der Nominierungsvorschlag des DSV:
Alpin, Frauen: Hilde Gerg, Martina Ertl (beide Lenggries), Petra Haltmayr (Rettenberg), Monika Bergmann (Lam), Regina Häusl (Bad Reichenhall), Annemarie Gerg (Lenggries), Nachrücker-Chance für Marina Huber (Ruhpolding) und Sybille Brauner (Aising-Pang)
Männer: Markus Eberle (Kleinwalsertal), Nachrücker-Chance für Alois Vogl (Lohberg), Max Rauffer (Leitzachtal) und Stefan Stankalla (Partenkirchen)
Snowboard, Parallel-Riesenslalom, Frauen: Heidi Renoth (Rosenheim), Katharina Himmler (München), Nachrücker-Chance für Sandra Farmand (Wuppertal); Männer: Markus Ebner (Ingolstadt), Mathias Behounek (Rosenheim)
Halfpipe, Frauen: Nicola Thost (Pforzheim), Sabine Wehr-Hasler (Märstetten); Männer: Xaver Hoffmann (München), Jan Michaelis (München), Vinzenz Lüps (München) oder Daniel Tyrkas (Erlangen)
Biathlon, Frauen: Uschi Disl (Moosham), Katrin Apel, Andrea Henkel (beide Oberhof), Martina Glagow (Mittenwald), Kati Wilhelm (Zella-Mehlis), Martina Zellner (Hammer) oder Katja Beer (Altenberg)
Männer: Ricco Groß (Ruhpolding), Frank Luck, Sven Fischer, Peter Sendel, Alexander Wolf (alle Oberhof), Michael Greis (Nesselwang).
Nordisch, Skispringen: Sven Hannawald (Hinterzarten), Martin Schmitt (Furtwangen), Stephan Hocke (Oberhof), Christof Duffner (Schönwald), Georg Späth (Oberstdorf), Michael Uhrmann (Rastbüchl)
Kombination: Ronny Ackermann, Marcel Höhlig (beide Oberhof), Sebastian Haseney (Zella-Mehlis), Björn Kircheisen (Johanngeorgenstadt), Jens Gaiser (Mitteltal-Obertal), Georg Hettich (Rohrahrdsberg)
Skilanglauf, Frauen: Evi Sachenbacher (Reit im Winkl), Claudia Künzel, Viola Bauer (beide Oberwiesenthal), Anke Reschwamm (Willingen), Manuela Henkel (Oberhof)
Männer: Peter Schlickenrieder (Hirschau), Axel Teichmann (Lobenstein), Tobias Angerer (Vachendorf), Rene Sommerfeldt (Oberwiesenthal), Andreas Schlütter, Jens Filbrich (beide Oberhof).
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