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Skicross feiert Premiere

Heute findet zum ersten Mal ein Weltcuprennen in Deutschland statt. Seit den Winterspielen in Vancouver erlebt die Wettkampfform einen Aufschwung. Der Deutsche Olympische Sportbund will junge Wintersportarten stärken. Von Martin Beils

Grasgehren/Düsseldorf Der Mann mit dem schönen Namen Heli Herdt platzt fast vor Vorfreude. "Die deutsche Weltcuppremiere kommt genau zum richtigen Zeitpunkt", sagt der Sportliche Leiter der Abteilung Skicross im Deutschen Skiverband (DSV), "der Bekanntheitsgrad unseres Sports steigt rapide."

Zum ersten Mal findet an diesem Wochenende ein großes internationales Rennen auf deutschen Hängen statt. In Grasgehren haben die Allgäuer eine 1,2 Kilometer lange Piste hergerichtet, auf der jeweils vier Skifahrer gemeinsam starten. Die ersten beiden erreichen die nächste Runde. Traumhaftes Winterwetter ist angesagt, das öffentlich-rechtliche Fernsehen überträgt ausführlich.

Mit Tempo 90 sausen die "Rallyefahrer des Winters" zu Tal – manchmal Schulter an Schulter. Es geht durch Steilkurven, über Wellen und Sprünge. Die Effekte stimmen. Die Stürze gehen in der Regel glimpflich aus. Das Rennen ist spektakulär und für das Publikum auch ohne ständigen Blick auf Zwischenzeiten nachvollziehbar. "Wenn Niki Lauda behauptet, beim Formel-1-Rennen in Monaco fliege man mit dem Hubschrauber durchs Wohnzimmer, dann fliegen wir mit dem Kampfjet durch die Besenkammer", sagte Martin Fiala, der als Alpiner früher für den Skiclub Bayer Leverkusen startete.

Seit der olympischen Erstauflage im vergangenen Jahr am Cypress Mountain hoch über Vancouver gewinnt Skicross, diese den Snowboardern abgeschaute Wettkampfform, an Aufmerksamkeit. Durchschnittlich 6,5 Millionen Zuschauer verfolgten die Übertragungen von den olympischen Wettkämpfen im deutschen Fernsehen.

Österreichs Sportdirektor Hans Pum sieht "eine große Zukunft für die Skicrosser". Eine Konkurrenz für den alpinen Rennsport erkennt er aber noch nicht: "Das ist eher eine zusätzliche Geschichte, eine weitere Disziplin." Doch die Alpinen sind die Getriebenen. Nur die besonders traditionsreichen Veranstaltungen wie in der vergangenen Woche in Kitzbühel oder Schladming ziehen noch Zuschauermassen. Und das Fernsehen simuliert bei seinen Übertragungen von Alpinrennen ja schon die Variante Skicross, wenn es mit technischen Hilfsmitteln die Bewegtbilder von zwei Fahrern zum direkten Vergleich übereinander legt.

Der DSV hat das Potenzial erkannt, das im Skicross steckt. Auf 230 000 bis 280 000 Euro wird der aktuelle Etat beziffert; vor den Spielen in Vancouver war es weniger als die Hälfte. Für die WM am nächsten Wochenende in Deer Valley/USA, wo auch Buckelpistensportler, Kunstspringer und Slopestyle-Fahrer (Hindernisrennen) um Medaillen kämpfen, gibt es noch nicht die Pflicht, Medaillen zu holen. Dabei sind die Aussichten nicht schlecht. Simon Stickl (Bad Wiessee/23) gewann als erster Deutscher im vergangenen Winter einen Weltcup, Heidi Zacher (Lenggries/22) und Daniel Bohnacker (Gerhausen/20) zogen in dieser Saison nach.

Erklärtes Ziel der deutschen Skicrosser sind die Olympischen Winterspiele 2014 im russischen Sotschi. Nachdem die deutsche Mannschaft in Kanada zwar Zweiter in der Nationenwertung wurde, in den Bereichen Freestyle, Skicross und Snowboard aber keine Medaille holte, sollen die "jungen Wintersportarten" nach Maßgabe des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) in den nächsten Jahren besonders gefördert werden. Das Ziel für Sotschi lautet: fünf Medaillen. Das Land der Rodler und Bobfahrer, Biathleten und klassischen Eisschnellläufer arbeitet damit auch an einem jugendlicheren Image.

Quelle: RP
 
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