Stadlmüller wird Zwölfte: Slutskaja erneut Europameisterin
zuletzt aktualisiert: 27.01.2001 - 18:45Bratislava (dpa). Die Russin Irina Slutskaja hat mit ihrem vierten Titel bei den Eiskunstlauf-Europameisterschaften in Bratislava ihre Dauerkonkurrentin Maria Butirskaja in die Schranken verwiesen. Der Triumph der 21-Jährigen über ihre sieben Jahre ältere Teamkollegin war auch ein Sieg der Athletik über den gefühlvollen Ausdruck. Viktoria Woltschkowa komplettierte den dreifachen russischen Erfolg. Die Stuttgarterin Susanne Stadlmüller belegte bei ihrem EM-Debüt Platz zwölf.
Irina Slutskaja, die schon bei den russischen Meisterschaften überlegen gewann, will in dieser Saison erstmals Weltmeisterin werden. Die Moskauerin hat viel an ihrer künstlerischen Note gearbeitet. Höhepunkt ihrer Kür, in der sie sehr nervös wirkte, war die Kombination Dreifach-Salchow/Zweifach-Rittberger. Maria Butirskaja verzauberte zwar wie immer das Publikum, doch zwei Stürze machten alle Ambitionen auf den Siegerscheck von 22 000 Dollar zunichte.
EM-Neuling Susanne Stadlmüller, die auf einen Sieg ihres großen Vorbildes Butirskaja gehofft hatte, schlug sich achtbar. Dennoch konnte die 16-Jährige keine Top-Ten-Platzierung herausholen, um zwei Startplätze für die EM 2001 zu sichern. "Ich gehe mit einer neuen Erfahrung nach Hause: Die großen Stars sind auch nur Menschen", meinte die selbstbewusste Internatsschülerin. Um die internationalen Preisrichter zu beeindrucken, müssen der deutschen Meisterin aber ihre Sprünge besser gelingen. So konnte sie vor 5 000 Zuschauern in ihrer peppigen Kür nach Klängen von den Blues Brothers keine Dreifach-Kombination aufs Eis bringen.
Im Eistanzen am Freitagabend verspielten die Weltmeister Marina Anissina/Gwendal Peizerat (Frankreich) ihre Titelverteidigung bei einem Sturz zum Ende ihrer Beethoven-Kür. Nutznießer der ungewöhnlichen Situation waren die Vize-Weltmeister Barbara Fusar- Poli/Maurizio Margaglio. Die flotten Tänzer aus Italien hatten sich schon im Originaltanz einen kleinen Vorsprung erarbeitet, doch mit ihrer Romeo und Julia-Kür konnten sie nicht die Herzen der Eiskunstlauf-Fans im ausverkauften Ondrej Nepela-Eisring erwärmen. Einen bitteren Beigeschmack hatte der Sieg für viele, nur nicht für die neuen Europameister. "Es tut uns nicht leid, so ist der Sport nun einmal", sagte der ehrgeizige Margaglio.
Mitgefühl zeigten die Berliner Kati Winkler/Rene Lohse, die auf dem sechsten Platz landeten. "Wir sind geschockt. Vor allem, weil es unsere Freunde sind. Aber so etwas kann passieren und die Regeln sind eben geändert worden", sagte Lohse. Erst vor drei Jahren hatte sich die Internationale Eislauf-Union (ISU) entschieden, einen solchen Patzer härter zu bestrafen. Denn bei der EM 1998 konnten die Russen Pascha Gritschuk/Ewgeni Platow Meister werden, obwohl sie im Originaltanz auf dem Hosenboden landeten. Die Franzosen blieben gefasst und kündigten eine Revanche für die WM in Vancouver an.
Eiskunstlaufen, Europameisterschaften in Bratislava, Damen, Endstand:
1. Irina Slutskaja 2,0 Punkte 2. Maria Butirsjaka 4,2 3. Viktoria Wolschkowa (alle Russland) 8,2 4. Elena Liaschenko (Ukraine) 8,4 5. Sarah Meier (Schweiz) 10,2 6. Julia Sebestyen (Ungarn) 11,2 7. Elina Kettunen (Finnland) 14,6 8. Galina Maniaschenko (Ukraine) 16,2 9. Vanessa Gusmeroli (Frankreich) 18,8 10. Vanessa Giunchi 19,0 11. Silvia Fontana (beide Italien) 20,8 12. Susanne Stadlmüller (Stuttgart) 22,8 13. Zuzana Babiakova-Paurova (Slowakei) 23,8 14. Tamara Dorofejew (Ungarn) 25,0 15. Sabina Wojtala (Polen) 28,2 ...18. Anna Wenzel (Österreich) 33,8.
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