Eiskunstlauf: Slutskaja holt Gold, Beiers bangt um Turin
zuletzt aktualisiert: 20.01.2006 - 08:53Lyon (rpo). Eiskunstlauf-Weltmeisterin Irina Slutskaja hat einen historischen Rekord der zweimaligen Olympiasiegerin Katarina Witt aus den Geschichtsbüchern gelöscht. Die Russin holte sich in Lyon mit 193,24 Punkten ihren siebten europäischen Titel, einen mehr als die Chemnitzerin.
Silber ging an ihre Teamkollegin Jelena Sokolowa (177,81), Carolina Kostner aus Italien (172,45) gewann vor 2500 Zuschauern die Bronzemedaille.
Im Schatten dieser beispiellosen Bestmarke verpasste die deutsche Meisterin Annette Dytrt aus München den anvisierten achten Platz, der mit der Olympia-Qualifikation verbunden gewesen wäre. Erstmals von ihrer neuen Trainerin Ilona Schindler betreut, reichte es für die gebürtige Tschechin mit 131,11 Punkten aber immerhin zu Rang zehn, der der deutschen Eislauf-Union (DEU) einen zweiten Startplatz für die EM 2007 in Warschau beschert.
Die Olympia-Zweite Slutskaja bezauberte das Publikum ganz in rot mit einer temperamentvollen Mischung aus Rumba und Flamenco. Eine verpatzte Kombination machte sie mit einem mitreißenden Schlussspurt wieder wett und wurde am Ende mit Ovationen gefeiert. Dytrt begann zur Filmmusik "Spartacus" in einem türkisfarbeben Kleid mit einem sehenswerten dreifachen Lutz stark, verfiel dann aber in alte Schwächen. Der Salchow kam zweimal nur doppelt und beim Doppel-Axel am Ende der Kür kam die 22-Jährige sogar zu Fall. Mit versteinertem Gesicht beobachtete auch Ex-Betreuerin Shanetta Folle, von der sich Dytrt Ende vergangenen Jahres im Streit getrennt hatte, das Geschehen auf dem Eis.
"Ich kann natürlich nicht sagen, dass ich zufrieden bin. Jetzt will ich wenigstens bei der WM ein besseres Programm laufen", sagte die Sportsoldatin unter Tränen. Schindler lobte den Einsatzwillen ihres neuen Schützlings, monierte aber auch: "Annette hat noch nicht gelernt, ihr Programm während des Laufens umzustellen, das hat einige Punkte gekostet."
Bereits am Nachmittag gestrauchelt
Auf ihrem ebenfalls schwierigen olympischen Weg nach Turin waren Christina und William Beier bereits am Nachmittag ins Straucheln geraten. Nach einem Stolperer von William im Originaltanz bei den Eiskunstlauf-Europameisterschaften in Lyon behaupteten die beiden Dortmunder zwar mit 74,03 Zählern ihren zwölften Platz nach dem Pflichttanz, der Punktrückstand auf Rang elf, den die deutschen Meister für ihre Olympia-Qualifikation benötigen, ist jedoch größer geworden. Zudem verringerte sich der Vorsprung auf die auf Rang 13 platzierten Ungarn Nora Hoffmann und Attila Elek.
Um doch noch die Turin-Norm zu schaffen, müssen die Schützlinge von Trainer Martin Skotnicky bei der Kür-Entscheidung am Freitag (18.30 Uhr/live bei Eurosport) auf einen eigenen fehlerfreien Vortrag und Probleme bei der Konkurrenz hoffen. "Nach vorne zu kommen, wird jetzt ganz schwer", orakelte die Sportsoldatin, ihr Bruder gab sich kämpferisch: "Wir werden alles geben."
Das taten im Palais des Sports von Lyon auch die Titelverteidiger Tatjana Nawka und Roman Kostomarow, die mit einen Land heißt Daniela Doerikanischen Klängen und 99,00 Punkten die Spitze vor den nach dem Pflichttanz führenden Ukrainern Jelena Gruschina und Ruslan Gontscharow (97,61) übernahmen. Dritte sind Margarita Drobiazko und Povias Vanagas aus Litauen (95,29).
Eiskunstlauf, Europameisterschaften in Lyon, Damen, Endstand: 1. Irina Slutskaja 193,24 Punkte, 2. Jelena Sokolowa (beide Russland) 177,81, 3. Carolina Kostner (Italien) 172,45, 4. Sarah Meier (Schweiz) 167,16, Elene Gedewanischwili (Georgien) 153,27, 6. Kiira Korpi 146,37, 7. Susanna Pöykiö 144,75, 8. Alisa Drei (alle Finnland) 141,55, 9. Viktoria Woltschkowa (Russland) 131,88, 10. Annette Dytrt (München) 131,11, 11. Idora Hegel (Kroatien) 127,15, 12. Viktoria Pavuk (Ungarn) 126,88, 13. Tugba Karademir (Türkei) 124,72, 14. Julia Sebestyen (Ungarn) 121,90, 15. Jelena Glebowa (Estland) 116,59, ...18. Andrea Kreuzer (Österreich) 111,95, damit für heute komplett.
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