Wer fährt zur EM?: Smalun sorgt für Wirbel im Eislauf-Verband
zuletzt aktualisiert: 08.01.2001 - 10:03Oberstdorf (dpa). Eiskunstläufer Silvio Smalun hat mit seinem ersten Meistertitel für reichlich Wirbel hinter den Kulissen der Deutschen Eislauf-Union (DEU) gesorgt. Eigentlich war schon lange vor den Titelkämpfen am Wochenende in Oberstdorf klar, wer die zwei Startplätze bei der Europameisterschaft in zwei Wochen in Bratislava einnehmen sollte: Junioren-Weltmeister Stefan Lindemann (Erfurt) und der zweimalige EM-Vierte Andrejs Vlascenko (Füssen).
Doch plötzlich stellt sich die Situation völlig anders dar: Der Vorjahreschampion Lindemann verletzte sich und wurde nicht rechtzeitig fit für die Meisterschaften. Vlascenko war zu nervenschwach für seinen fünften nationalen Titel und könnte als Vizemeister alles verspielt haben. Denn nun soll ein Belastungstest am Donnerstag in Erfurt darüber entscheiden, ob Lindemann mit Meister Smalun zur EM fährt, denn die DEU räumt dem Aufsteiger des vergangenen Jahres einen Bonus ein. Den hatte auch Vlascenko vor zwölf Monaten erhalten, denn da war der gebürtige Lette verletzt und durfte dennoch international dabei sein. "Der Verband muss sich zwischen Lindemann und mir entscheiden", sagte der enttäuschte Vlascenko, der erst beim Schaulaufen zeigte, was in ihm steckt.
"Wir werden nichts übers Knie brechen", deutete Lindemanns Trainerin Ilona Schindler an, dass für ihren Schützling die kontinentalen Titelkämpfe vom 22. bis 27. Januar möglicherweise zu früh kommen. Sein lädiertes Fußgelenk ist nach dem schweren Sturz in Gelsenkirchen noch nicht ausgeheilt.
Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Smalun konnte sein Glück selbst kaum fassen, denn wäre Vlascenko nicht so schlecht gelaufen, hätte der 21-Jährige in seiner Wahlheimat nie eine Chance gehabt. So hatte die DEU den Thüringer nach Fuß- und Knieproblemen im Jahr 2000 schon abgeschrieben und ihn aus dem Kader geworfen. Doch der Nachwuchsmeister von 1993 blieb hartnäckig und kam mit Unterstützung der Bundeswehr zurück. "Ich musste schon betteln, um überhaupt in die Sportfördergruppe aufgenommen zu werden", gestand der schüchterne Athlet, der sich selbst am meisten über die ungeahnten Herausforderungen im neuen Jahrtausend wunderte.
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