Berlin (rpo). Von einer Grippe war da gar nichts zu sehen: Nach ihrem Verzicht auf die 1.500 m-Distanz am Samstag, präsentierte sich Anni Friesinger am Sonntag in Berlin über die 1.000 m gut erholt und gewann prompt den Deutschen Meistertitel.
Anni Friesinger feiert ihren Erfolg. Foto: AP
Traumstart für Anni Friesinger, Teamplatz für Claudia Pechstein: Deutschlands Eisschnelllauf-Diven strahlten nach dem Start in die olympischen Saison bei einer DM mit wenigen Höhepunkten in Berlin um die Wette. Während Friesinger bei ihrem Triumph über 1000 m (1:15,17 Minuten) die beste jemals in Europa gelaufene Zeit erzielte, erhielt Pechstein vor den für die Olympia-Qualifikation entscheidenden Weltcups eine Nominierung für das A-Team in der "Gold-Mannschaft."
"Die Zeit ist wunderbar, zumal ich noch nicht wieder ganz fit bin", sagte Friesinger nach ihrem Coup über 1000 m. Wegen einer fiebrigen Erkältung hatte die Mehrkampf-Weltmeisterin von Moskau in Berlin lediglich für die 1000 m gemeldet, und dort die Konkurrenz mit Saisonweltbestzeit und Bahnrekord geschockt. "Das ist die schnellste in Europa jemals gelaufene Zeit", hatte die Bayerin die Statistik schnell parat. Da kein europäischer Verband existiert, gibt es offiziell keinen Europarekord.
Auch Pechstein hatte nach ihrem Sieg über 1500 m Grund zur Freude: "Damit müsste ich meinen Platz im A-Team sicher haben", sagte die 33-Jährige nach ihrem insgesamt zehnten DM-Titel. Bei der WM in Inzell musste die viermalige Olympiasiegerin Daniela Anschütz (Erfurt) den Platz im Dreier-Verfolgungsteam überlassen. Diesmal hielt Pechstein ihre ärgste Rivalin für die Mannschaft, die bei den Olympischen Spielen in Turin (10. bis 26. Februar) als "Goldbank" gilt, auf Distanz.
"Claudia ist sicher im A-Team. Sie ist nach dem Sieg über 1500 m, die als Hauptkriterium für die Mannschaft galten, sogar zurzeit die Nummer eins", sagte Chef-Bundestrainer Helmut Kraus (Inzell). Neben "Pechi" bilden Friesinger und Sabine Völker (Erfurt), die in Berlin wegen Bronchitis fehlte, beim Weltcup-Auftakt in Calgary (12. /13. November) das A-Team. Im B-Team sollen Anschütz, Katrin Kalex (Erfurt) und Lucille Opitz (Berlin) zum Einsatz kommen.
Trotz einer Erkältung war Friesinger nicht zu stoppen. Foto: AFP
Jenny Wolf in bestechender Form
In bestechender Form präsentierte sich Lokalmatadorin Jenny Wolf. Die 26 Jahre alte Sprinterin gewann über die nicht-olympischen 100 und über 500 m den Titel. "Das war ein imponierender Auftritt", sagte Kraus nach Wolfs Saisonweltbestzeit über 500 m (38,54). Die Freude über die Bestmarke dauerte aber nicht lange. Bereits wenige Stunden später schraubte die Japanerin Sayuri Yoshii die Marke bei den nationalen Meisterschaften in Nagano auf 38,41.
Bei den 2004 enttäuschenden Männern gab es endlich Lichtblicke. Vor allem Christian Breuer weckte die Hoffnungen der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) auf eine vordere Platzierung bei einem Weltcup. Pünktlich zur Olympia-Saison meldete sich der Polizist zurück und feierte mit Meisterschaftsrekord über 1000 m (1:10,80 Minuten) und mit dem Sieg über 1500 (1:49,61) einen Doppelerfolg.
Breuer führt gemeinsam mit seinem Grefrather Teamkollegen Stefan Heythausen auch die Dreier-Mannschaft beim Team-Wettkampf in Calgary an. Komplettiert wird die erste Mannschaft von Jörg Dallmann (Erfurt).
Anni Friesingers Bruder Jan, der für den Einzelwettkampf über 1500 m für den Weltcup bereits nominiert ist, gehört überraschend nicht zur "ersten Garde". Der Inzeller soll in Kanada mit Tobias Schneider (Berlin) und Danny Leger (Inzell) die zweite Mannschaft bilden.
In Abwesenheit von Top-Favoritin Pechstein sicherte sich am Abschlusstag Claudia Irrgang zum vierten Mal über 5000 m in 7:23,79 Minuten den Titel vor Katrin Mattscherodt (Berlin/7:26,60) und Karoline Zillmann (Erfurt/7:28,81). Deutscher Meister über 10.000 m wurde der Olympia-Dritte Jens Boden (Dresden) in 13,39,09 Minuten.
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Quelle: sid