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DOSB-Tagung
Sportbund keilt gegen DFB und kritisiert Merkel

Langenhagen. Wenn Thomas de Maizière einen Witz gerissen zu haben glaubt oder auf Anerkennung für etwas vermeintlich besonders Gewichtiges aus ist, dreht er mitunter den Kopf zur Seite und zieht die Mundwinkel zu einem angestrengten Grinsen nach hinten. Von Martin Beils

Der Bundesinnenminister hat dann einen formvollendeten Mama-darf-ich-ein-Eis-haben-Blick drauf. So geschehen bei der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Langenhagen bei Hannover. "Das war eine Rede mit starkem Führungsanspruch", sagte der CDU-Politiker und schaute Vorredner und Adressat DOSB-Präsident Alfons Hörmann mit eben diesem Blick an. Hörmann hatte eine knappe Woche nach dem Aus für die Hamburger Olympia-Bewerbung, das auch für ihn persönlich eine schwere Niederlage gewesen war, mächtig vom Leder gezogen.

Der 55-jährige Unternehmer aus dem Allgäu knöpfte sich die Fifa und deren Präsidenten Sepp Blatter vor: "Es ist nur noch inakzeptabel und beschämend, was in dieser Organisation läuft." Er kritisierte namentlich die ehemaligen Sportfunktionäre Theo Zwanziger (Fußball) und Helmut Digel (Leichtathletik) angesichts der Skandale in den Spitzenorganisationen ihrer Sportarten: "Wo blieb die Verantwortung derer, die uns in den internationalen Gremien vertreten haben?" Und er nahm sich den Deutschen Fußball-Bund vor, weil er seinem Präsidentschaftsanwärter Reinhard Grindel eine jährliche Aufwandsentschädigung von 170.000 Euro in Aussicht gestellt hat: "Ich warne davor, eine Mogelpackung zu beschließen. Wo Ehrenamt draufsteht, muss echtes Ehrenamt drin sein."

Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der dem deutschen Sport zuletzt einen Mangel an Liebenswürdigkeit vorgeworfen hatte, bekam Kritik ab. Dass ein Drittel der Schulsportstunden entfielen und "Jugend trainiert für Olympia" vor dem Aus stand, "das verstehen wir nicht unter Liebenswürdigkeit", sagte Hörmann. Fast alle der rund 450 Delegierten quittierten Hörmanns Rundumschlag stehend mit Applaus.

Nur an Bundeskanzlerin Angela Merkel, die er am Abend zuvor im kleineren Kreis noch für deren Zurückhaltung beim Projekt Hamburg 2024 gescholten hatte, wagte er sich in dieser "Rede mit starkem Führungsanspruch" nicht. Den Part des Kanzlerinnen-Kritikers lagerte der DOSB geschickt aus. Der Unternehmer Alexander Otto, der in der Hamburger Wirtschaft einen Millionenbetrag für Olympia eingeworben hatte, sagte in einer Videoeinspielung: "Von Angela Merkel hätten wir uns etwas mehr erwartet."

Eine neuerliche deutsche Bewerbung um Olympische Spiele steht nach den Niederlagen bei Volksabstimmungen für München 2022 und Hamburg 2024 nicht an. Hörmann: "Wir müssen uns auf ein Jahrzehnt ohne Bewerbung einrichten." Den Anspruch, im olympischen Sport eine Topnation zu bleiben, unterstrich de Maizière, der zuletzt ein Drittel mehr Medaillen gefordert hatte. "Wenn der Steuerzahler Spitzensport finanziert, dann müssen dabei Spitzenleistungen herauskommen", sagte er ohne Mama-darf-ich-ein-Eis-haben-Grinsen.

Quelle: RP
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