ATP-Turnier in Stuttgart: Squillari siegt - Elsner der heimliche Gewinner
zuletzt aktualisiert: 23.07.2000 - 20:26Stuttgart (sid). Der Turniersieger hieß Franco Squillari (Foto unten), doch der heimliche Gewinner der Weissenhof-Woche war Daniel Elsner (Foto links). Während der an Nummer fünf eingestufte Squillari das mit einer Million Dollar dotierte ATP-Turnier in Stuttgart durch ein 6:2, 3:6, 4:6, 6:4, 6:2 im Endspiel gegen seinen ungesetzten argentinischen Landsmann Gaston Gaudio gewann, gehörten Elsner am Tag nach seiner Halbfinal-Niederlage gegen den späteren Sieger die Schlagzeilen. "Ich habe gesehen, dass ich mit den Besten der Welt mithalten kann", sagte der 21-jährige Elsner nach dem 6:7 (6:8), 6:7 (5:7) gegen den zweimaligen München-Sieger: "Das gibt viel Selbstvertrauen. Ich werde weiter hart arbeiten, denn ich erwarte noch einen großen Sprung nach oben."
24 Stunden später machte Squillari nach seinem Erfolg über Elsner mit einem neuerlichen Kraftakt nach 3:40 Stunden seinen dritten Turniersieg perfekt. Der 24-Jährige erhielt dafür ein Preisgeld von 167.000 Dollar sowie einen Mercedes-Sportwagen im Wert von 150.000 Mark. "Das Halbfinale war schon sehr anstrengend. Ich habe noch nie so kämpfen müssen, habe aber in dieser Woche das beste Tennis meines Lebens gespielt", kommentierte der French-Open-Halbfinalist seinen Erfolg.
Squillari hatte im Halbfinale das "Märchen vom Weissenhof" für Emporkömmling Daniel Elsner beendet. Trotzdem war der beim Deutschen Tennis Bund (DTB) in Ungnade gefallene Elsner mit sich und der Turnierwoche rundum zufrieden und bekam Zuspruch von allen Seiten. Daviscup-Teamchef Carl-Uwe Steeb prophezeit dem früheren Junioren-Weltmeister eine große Zukunft: "Wenn Daniel so weiter macht, wird er am Ende des Jahres unter den Top 50 stehen. Dann ich er natürlich auch für mich ein Thema." Seit Herbst 1999 trainiert Elsner beim früheren Becker-Coach Günther Bresnik in Wien, nachdem er aus disziplinarischen Gründen das Leistungszentrum des DTB in Hannover verlassen musste.
Auch ohne Publikumsliebling Elsner entwickelte sich das Finale vor rund 5.000 Zuschauern zu einem hochklassigen Schlagabtausch. Im Duell der beiden Freunde, Beach-Soccer-Partner und Nachbarn - beide wohnen in Buenos Aires in der Demaria Street nur knapp 200 Meter auseinander - konnte Favorit Squillari knapp sechs Wochen nach seinem Halbfinal-Einzug bei den French Open seine zuletzt glänzende Verfassung zunächst nur im ersten Satz bestätigen. Nach dem 1:2-Satzrückstand rettete ihn allerdings eine 30-minütige Regenpause vor der Niederlage. Gaudio verlor seinen Rhythmus und damit auch das Match.
"Mein Erfolg in Paris hat mir viel Selbstvertrauen gegeben. Ich habe mich in den letzten Monaten besonders mental sehr verbessert", meinte der in der Champions-Race-Wertung an Nummer 17 geführte Squillari. Der frühere Bundesliga-Spieler des TC Bad Homburg war bereits im Viertelfinale der einzig verbliebene gesetzte Spieler.
Gaudio, der im Achtelfinale den an Nummer sieben gesetzten Karim Alami (Marokko) ausgeschaltet hatte, war trotz der unglücklichen Endspielniederlage mit seiner Gesamtleistung zufrieden. "Es war ein Erlebnis für mich, nach vier Halbfinal-Teilnahmen endlich mal ein Endspiel erreicht zu haben. Leider hat es diesmal nocht nicht ganz gereicht", sagte Fußball-Fan Gaudio.
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