Revanche de la Hoya gegen Mosley: Stadtmeister gleich Welt-Champion
zuletzt aktualisiert: 16.06.2000 - 13:28Los Angeles (dpa). Der Stadtmeister wird auch der Welt-Champion sein. Und der Sieger darf sich auch zu recht bester Weltergewichtler des Universums nennen. Wenn Titelverteidiger Oscar de la Hoya und Herausforderer Shane Mosley in der Nacht zum Sonntag im Staples Center ihrer Heimatstadt Los Angeles in den Ring steigen, stehen sich tatsächlich die weltbesten Profiboxer in ihrer Kategorie gegenüber.
Das Duell um den Gürtel des World Boxing Councils (WBC) verspricht ein echter "Kampf des Jahres" zu werden. Beide Fighter sind schnell auf den Beinen, besitzen fantastische Reflexe und können sowohl variabel als auch hart schlagen. Bei den Buchmachern gilt de la Hoya als 2:1 Favorit. Doch das will nichts besagen. Denn schon einmal trafen beide "Angelinos" aufeinander - und es siegte Mosley, der behauptete, "als Amateur war ich die Nummer eins der Stadt".
"Na gut", wendet de la Hoya in Bezug auf die Vergangenheit ein. "Er war damals älter, größer und schwerer. Er musste gewinnen". Der Junge aus Ost-Los-Angeles war gerade elf Jahre alt geworden. Sein Duellant aus dem Stadtteil Pomona zählte fast 13 Lenze. Acht Jahre später schlugen sie sich noch einmal die Fäuste um die Ohren. Aber nur im Sparring. Als Mosley sich nicht für die Olympiade 1992 qualifiziert hatte, stellte er sich de la Hoya als Trainingspartner zur Verfügung. "Etwa 60 Runden haben wir gesparrt. Dabei haben wir uns nichts geschenkt", erinnert sich Mosley, der seinen zum Freund gewordenen Gegner optimal auf dessen Höhepunkt in der Amateur- Laufbahn vorbereitete. De la Hoya wurde einziger US-Olympiasieger, womit ihre weitere Entwicklung einen unterschiedlichen Verlauf nahm.
Während "The Golden Boy" sofort ins Profilager wechselte und als Weltmeister in vier Kategorien bis heute über 100 Millionen Dollar an Börsen kassierte, begann "Sugar Shane" erst im nacholympischen Winter mit seinem Handwerk Geld zu verdienen. Sein unerfahrenes Management beschaffte ihm vier Jahre später als Leichtgewichtler auch den ersten WM-Kampf. Den Titel nach Version des Weltverbandes IBF verteidigte er acht Mal, ehe er ihn im vorigen September ungeschlagen abgab, um zwei Gewichtsklassen aufzusteigen. In 34 Vergleichen schaffte es niemand, den Wirbelwind zu bezwingen. Vielmehr schickte er 32 Kontrahenten vorzeitig auf die Bretter. So imposant Mosleys Bilanz sich auch liest, im Vergleich zum sechs Zentimeter größeren Lokalmatador erhielt er nur einen Bruchteil von dessen Bezügen.
Auch diesmal sind die Lohntüten unterschiedlich üppig. Mosley, der von seinem Vater Jack seit der Kindheit trainiert wird, streicht mit 4,5 Millionen Dollar zwar die mit Abstand dickste Börse seiner Karriere ein. Doch de la Hoya (32 Siege/1 Niederlage) werden mindestens 15 Millionen Dollar auf das Konto überwiesen. "Die Börse liegt bei acht Millionen. Sieben Millionen sind ihm durchs TV garantiert", erzählte Manager Bob Arum. In Abhängigkeit vom Verkauf des für 49,90 Dollar als Pay-Per-View-Übertragung (TVKO) angebotenen Kampfes könnte sich der Betrag noch um einige Millionen erhöhen.
Seinen Reibach bereits gemacht hat auch der zugleich als Promotor fungierende Arum. Die mit 21 000 Zuschauern ausverkaufte Arena beschert ihm über acht Millionen Dollar. Beim letzten bedeutenden Faustgefecht in Los Angeles - 1973 zwischen Muhammad Ali und Ken Norton - betrug der Umsatz verkaufter Eintrittskarten nur 500 000 Dollar. Zugkraft übt nicht allein die Frage nach dem Champion aus, sondern ebenso, ob de la Hoya auch seinen zweiten diesjährigen Auftritt mit einem K.o. beendet. "Vier Fights möchte ich 2000 machen und alle vorzeitig gewinnen", hatte er ankündigt. Das Motto für die "Revanche" ist mit "Destiny" (Schicksal) jedenfalls treffend gewählt.
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