Rosenheim denkt an Rückzug aus DEL: Star Bulls suchen dringend Sponsoren
zuletzt aktualisiert: 10.01.2000Neuss (sid). Der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) droht der Verlust des nächsten bayerischen Traditionsklubs. Nach dem Aus des SC Riessersee, des ESV Kaufbeuren und des EV Landshut denkt auch der dreimalige deutsche Meister Star Bulls Rosenheim über einen Rückzug aus der Eliteklasse nach. "Wenn es uns nicht gelingt, neue Sponsoren zu finden, ist die DEL für uns nicht mehr finanzierbar", bestätigte Geschäftsführer Peter Lutz Gerüchte über Ausstiegspläne der Oberbayern.
Der Hintergrund: Die Verträge mit den drei Hauptsponsoren laufen aus, zwei der Geldgeber wollen ihr finanzielles Engagement zurückfahren. Das größte Problem sind jedoch die Fernsehgelder. Kassierten die Klubs bislang rund zwei Millionen Mark pro Jahr aus dem hochdotierten TV-Vertrag mit der Kirch-Gruppe, so fehlt dieser Betrag wohl künftig in den Klubkassen. Denn der DEL liegt bislang nur ein Angebot über fünf Millionen Mark pro Jahr vor - statt bisher 31,5.
Rosenheim, seit 1975 mit einer einjährigen Pause erstklassig, würde dies besonders hart treffen: die TV-Gelder machen ein Drittel des Sechs-Millionen-Etats aus. "Wir haben nach den bisherigen Zahlen eine Deckungslücke von gut zwei Millionen Mark für die nächste Saison", bestätigte Rosenheims Gesellschafter und Hauptsponsor Anton Kathrein. Der Antennen-Hersteller und Mitinhaber der Grundig-Werke kündigte zwar an, "mein Engagement in gleicher Höhe fortzusetzen", gab aber zu: "Einige Sponsoren sind wankelmütig geworden."
Hinter den Kulissen wird über einen Rückzug in die drittklassige Oberliga nachgedacht, weil die Zweite Bundesliga mit drei Pleiten innerhalb weniger Wochen kränkelt. Zudem könnte es in der Oberliga Süd zu einem Wiedersehen mit dem alten Rivalen EV Landshut kommen, der im Sommer aus der DEL ausgestiegen war. Angeblich erwägen auch die Altmeister EC Bad Tölz und SC Riessersee einen freiwilligen Rückzug aus der zweiten in die dritte Klasse. Für Rosenheim wäre es bereits der zweite Ausstieg: 1992 zog der SBR sein Team aus der damaligen Bundesliga zurück, kehrte nach einem Jahr in der Zweitklassigkeit aber wieder zurück.
Boykott der FansDie Fans reagierten am Sonntag beim 4:1-Sieg gegen die Krefeld Pinguine mit einem Boykott auf die Gerüchte. "Keine Lust auf Oberliga-Frust" und "DEL versprochen, Wort gebrochen" hieß es auf Transparenten der Anhänger, die beim ersten Bully aus Protest ihre Plätze in der Stehkurve verließen. Nach knapp zehn Minuten kehrten sie zurück - gerade als der Stadionsprecher nach einer abgelaufenen Strafzeit verkündete: "Rosenheim ist wieder komplett."
Ganz andere Probleme als der bayerische Traditionsklub hat Spitzenreiter Kölner Haie. Beim 4:5 gegen Meister Adler Mannheim verlor der Titelfavorit erneut im Penaltyschießen - zum neunten Mal im zehnten Anlauf. "Gut, dass es in den Playoffs in die Verlängerung geht und wir hoffentlich nicht so oft Penaltys schießen müssen", meinte Kölns Trainer Lance Nethery, der mit seinem neuen Arbeitgeber auch im dritten Spiel gegen seinen Ex-Klub den Kürzeren zog - im Penaltyschießen.
Angesichts des Kölner Penalty-Traumas fragte ein Journalist gar nach, ob Nethery kurz vor Schluss der regulären Spielzeit daran gedacht hätte, bei einem Bully im gegnerischen Drittel den Torwart zu Gunsten eines weiteren Feldspielers vom Eis zu nehmen und alles auf eine Karte zu setzen. "Da war mir der eine Punkt lieber", meinte Nethery: "Wenn wir dann noch verloren hätten, hätten 16.000 Zuschauer auf mich geschossen. Und ich habe heute meine Bleiweste vergessen."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum











