Bob: Christoph Langen will seinen Vierer-EM-Titel verteidigen: Start am Wochenende auf der "Crash-Bahn" von Cortina d'Ampezzo
zuletzt aktualisiert: 13.01.2000Cortina/Berlin (dpa). Für die Europameisterschaften auf der "Crash-Bahn" von Cortina d'Ampezzo wünschen sich die deutschen Bob- Piloten vor allem eins: Hals- und Beinbruch. Olympiasieger Christoph Langen möchte am Wochenende im Dolomiten-Skiort zwar seinen Vierer- Titel verteidigen, doch nicht um jeden Preis. Weil der Unterhachinger bereits unliebsame Bekanntschaft mit der schwierigen Eispiste machte, packte er vorsichtshalber zwei alte Schlitten ein. Einen Vierer aus Dresdner Produktion, den ihm der Verband zur Verfügung gestellt hatte, und einen Zweier aus seinem Bestand. "Für den Fall, dass ich wieder einen Bob zerschrote", meinte Langen schmunzelnd.
An die Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr in Italien erinnert sich der 37-Jährige nicht so gern. Ohne Titel, aber mit kaputtem Vierer-Bob musste der Bayer damals wieder nach Hause fahren. "Die Betonbanden werden nicht vereist. Wenn man da anbandelt, fliegen die Funken", schildert Langen das ganz spezielle Bob-Erlebnis in der Eisrinne von Cortina. Der Olympia-Kurs von 1956 leidet unter Altersschwäche. "Die Bahn ist schwer zu fahren, denn die Kurvenradien sind nicht für die modernen Bobs und die heutigen Geschwindigkeiten ausgelegt", sagt Langen und schont lieber sein gutes Material.
Gefährlich ist die Piste seit eh und je. 1966 wurde sogar die WM abgebrochen, nachdem der Deutsche Toni Pensberger den Sturz mit seinem Viererbob nicht überlebt hatte. Seinen Anschiebern Ludwig Siebert, Helmut Wurzer und Roland Eberhart wurde die Goldmedaille postum verliehen.
Wenn Cortina ruft, stehen auch heute noch vielen Bob-Piloten die Haare zu Berge. Beim Training am Mittwoch schrammte der Schweizer Marcel Rohner knapp an einem Sturz vorbei. "Das ist schon eine besondere Bahn", weiß auch Andre Lange. "Da muss man einfach nur gerade runter kommen." Der Oberhofer geht wie Langen bei den jeweils zwei EM-Läufen sowohl im Zweier (Samstag 09.00 Uhr) als auch im Vierer (Sonntag 09.00 Uhr) an den Start und wird nach seinem ersten deutschen Vierer-Meistertitel in Altenberg von Langen sogar in der Favoritenrolle gesehen. "Aber auch Günther Huber wird schwer zu schlagen sein", vermutet Langen. Der Zweier-Weltmeister und - Olympiasieger aus Italien fand nach einer Lungenentzündung in dieser Saison noch nicht wieder zu alter Form. Vorteil für ihn: Er kennt die Tücken seiner Heimbahn wie kein anderer.
Für die Piloten aus der Schweiz geht es in Cortina um mehr als die EM-Medaillen. Bei den gleichzeitig als Weltcup gewerteten Rennen steuern die mit glänzendem Material ausgestatteten Eidgenossen Richtung Weltcup-Gesamtsieg, der ihnen bei der Weltmeisterschaft im Februar in Altenberg in beiden Disziplinen einen dritten Startplatz garantieren würde. Im Zweier führt Christian Reich (134 Punkte) vor Europameister Reto Götschi (124), der in St. Moritz gerade seinen achten Schweizer Meistertitel in Folge gewonnen hat. Zum fünften Mal Meister wurde sein Landsmann Marcel Rohner. Er lauert in der Vierer- Wertung mit 132 Punkten hinter Langen (136), der nach der EM aus der Weltcup-Serie aussteigen und sich intensiv auf die WM vorbereiten wird.
Im Gegensatz zum gesetzten Langen geht es für die Bobs, die in Cortina als Deutschland III starten, um alles. Rene Spies (Winterberg) im Zweier und Harald Czudaj (Riesa) im Vierer können Lange wohl nur noch mit einem Überraschungssieg vom zweiten WM- Startplatz verdrängen. Entsprechend hochkonzentriert und wortkarg gab sich Czudaj: "Ob mir die Bahn liegt, kann ich erst hinterher sagen." Im Vorjahr kam Czudaj in Cortina nicht zurecht. Da wurde der Olympiasieger von 1994 nur WM-Elfter.
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