Eiskunstlauf-DM: Szewczenko patzt, Stadlmüller siegt: Stefan Lindemann gewinnt Titel bei den Herren
zuletzt aktualisiert: 09.01.2000Berlin (sid). Tanja Szewczenko steht vor den Trümmern ihrer Karriere. Nach verpatztem Kurzprogramm und verkorkster Kür belegte die Düsseldorferin bei den deutschen Meisterschaften in Berlin nur den dritten Platz, der zumindest das vorzeitige Ende dieser Saison bedeutet. Völlig zu Recht musste sich die EM-Dritte von 1998 der neuen deutschen Meisterin Susanne Stadlmüller aus Stuttgart sowie der Münchnerin Zoja Duschin beugen und verpasste damit die Qualifikation für die EM in Wien und die WM in Nizza.
An das Ende der einst so hoffnungsvoll begonnenen Karriere verschwendet Tanja Szewczenko angeblich trotzdem keinen Gedanken: "Aufhören kommt nicht in Frage, auch wenn dieser Tag eine für mich ungewohnt negative Erfahrung gebracht hat. Eislaufen ist eine der schönsten Leidenschaften, die es gibt, und ich kann ohne sie nicht leben. Auch das Training macht mir immer noch so viel Spaß, dass ich darauf nicht verzichten möchte."
In erster Linie sei sie sehr enttäuscht über das Ergebnis: "Das tut schon sehr weh", meinte Tanja Szewczenko, nachdem sie den ersten Schock einigermaßen verdaut hatte: "Ich habe alles versucht, und ich werde auch weiterhin kämpfen. Ich will jetzt bei kleineren Wettbewerben laufen, denn ich glaube immer noch an mich." Und außerdem sei sie ja immer noch Ersatzläuferin für EM und WM. Dies deshalb, weil Susanne Stadlmüller für die internationalen Championate exakt zwei Monate zu jung ist und stattdessen Zoja Duschin die Farben der Deutschen Eislauf-Union (DEU) in diesem Winter vertreten wird.
In den übrigen drei Konkurrenzen blieben die Überraschungen aus. Bei den Herren gewann in Abwesenheit des verletzten Titelverteidigers Andrejs Vlascenko (Füssen) der erst 19-jährige Erfurter Stefan Lindemann. Im Paarlauf und Eistanz gab es durch die Berliner Paare Peggy Schwarz/Mirko Müller und Kati Winkler/Rene Lohse erfolgreiche Titelverteidigungen.
Bei ihrem wegen diverser Verletzungen verspäteten Saisondebüt war die dreimalige deutsche Meisterin Tanja Szewczenko sportlich schlichtweg überfordert. Mehrere Sprünge waren nur doppelt statt dreifach gedreht, beim entscheidenden dreifachen Lutz stürzte sie spektakulär. Mit zusammengekniffenen Lippen fuhr die 22-Jährige vom Eis, Tränen flossen erst in der Kabine.
Ihre weit jüngeren Konkurrentinnen kamen zwar ebenfalls alles andere als fehlerlos durch die Programme, hatten aber sportlich mehr zu bieten. Auch die Hoffnung von Szewczenkos Trainer Peter Jonas, über die B-Note für die Präsentation das Ruder noch herumreißen zu können, trog. In dieser Sparte gab es für die Rheinländerin ebenfalls nur Noten von 5,2 bis 5,5.
Im Schatten des Rummels um Szewczenko war der neue deutsche Meister Stefan Lindemann der große Sieger von Berlin. Der 19-Jährige nutzte die Abwesenheit von Andrejs Vlascenko (Knieverletzung), um sich mit zwei glanzvollen Vorträgen den Titel zu sichern. Als Vizemeister hat auch der Münchner Michael Hopfes ein EM-Ticket in der Tasche, da Vlascenko für diese Titelkämpfe noch ausfallen wird.
"Jetzt will ich auch international nach vorne. Mein Ziel ist bei der EM ein Platz unter den ersten Zehn", kündigte Lindemann nach seinem Triumph selbstbewusst an. Im Training gelang dem Schützling von Trainerin Ilona Schindler bereits der vierfache Toe-Loop, ohne den ein Aufrücken in die Weltspitze mittlerweile nicht mehr möglich ist. Lob kassierte der neue DEU-Hoffnungsträger auch von Präsidentin Angela Siedenberg: "Stefans Entwicklung ist so konstant wie erfreulich."
Obwohl ihnen beim Heimspiel in Berlin der dritte Titelgewinn in Folge gelang, ist bei den alten und neuen deutschen Paarlaufmeistern Peggy Schwarz und Mirko Müller eine Stabilisierung der Form nicht zu erkennen. Insbesondere die 28 Jahre alte Peggy macht zu viele Fehler, um den WM-Dritten von 1998 die Wiederholung eines solchen Erfolges in diesem Winter zutrauen zu können.
"Wir müssen uns den Gewinn einer Medaille einfach vornehmen", sagte Müller tapfer. Im Gegensatz zum Vorjahr sind die Schützlinge von Coach Knut Schubert zumindest deutlich weniger von Verletzungen gebeutelt. Rang zwei und damit das Ticket für EM und WM ergatterten Mariana Kautz und Norman Jeschke (ebenfalls Berlin).
Am unspektakulärsten verlief die Eistanz-Entscheidung. Erwartungsgemäß verteidigten Kati Winkler und Rene Lohse mit Erfolg ihren Titel. Zusammen mit den letztjährigen EM-Sechsten sicherte sich das Essener Geschwisterpaar Stephanie und Thomas Rauer die Teilnahmeberechtigung für EM und WM.
Ergebnisse:
Herren, Endstand nach der Kür: 1. Stefan Lindemann (Erfurt) 1,5 Punkte; 2. Michael Hopfes (München) 3,5; 3. Silvio Smalun (Oberstdorf) 5,0; 4. David Jäschke (Berlin) 5,5, 5. Florian Just (München) 7,0; 6. Andre Kaden (Berlin) 9,5; 7. Michael Hörrmann (Stuttgart) 10,0; 8. Ulf Wilhelm Bökeler (Stuttgart) 12,0
Damen, Endstand nach der Kür: 1. Susanne Stadlmüller (Stuttgart) 2,0 Punkte; 2. Zoya Douchine (München) 2,5; 3. Tanja Szewczenko (Dortmund) 4,5; 4. Katharina Häcker (Mannheim) 6,5; 5. Stephanie von der Thüsen (Dortmund) 8,0; 6. Andrea Diewald (München) 8,0; 7. Veronika Diewald (München) 13,0; 8. Maria Resch (Berlin) 14,0
Paarlauf, Endstand nach der Kür: 1. Peggy Schwarz/Mirko Müller (Berlin) 1,5 Punkte; 2. Mariana Kautz/Norman Jeschke (Berlin) 3,0; 3. Katharina Rybkowski/Rico Rex (Chemnitz) 4,5 - Außer Konkurrenz: Catherine Huc/Vivien Rolland (Frankreich) 6,0
Eistanz, Endstand nach der Kür: 1. Kati Winkler/Rene Lohse (Berlin) 2,0 Punkte; 2. Stephanie und Thomas Rauer (Essen) 4,0; 3. Barbara Hantusch/Denis Samochine (Düsseldorf/Dortmund) 6,0
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum











