Traum-Comeback nach Verletzungpause: "Stehaufmännchen" Lausberg mit Rekord
zuletzt aktualisiert: 28.07.2000 - 10:58So schnell war noch nie ein deutscher Rennfahrer. Neun Mal feierten Deutsche auf dieser Distanz einen Weltmeister-Titel, drei Mal gewannen sie Olympiagold. Doch selbst bei Rennen auf Hochgebirgsbahnen war keiner aus dem deutschen Lager schneller. Der bisherige nationale Rekord des Leipzigers Maic Malchow (1:02,091) war 1996 in der Höhenlage von Colorado Springs erzielt worden.
Frankfurt/Oder (dpa). Der 30-jährige Sören Lausberg hat am Donnerstagabend Trainer und Betreuer verblüfft. Der Berliner hat in einem Testrennen in der Oderlandhalle von Frankfurt mit einer Superleistung das einzige noch offene deutsche Olympia-Ticket für die Bahnrad-Wettbewerbe gebucht. Statt der geforderten 1:03,50 Minuten über 1 000 m fegte der 1,91-m-Riese in dem Testrennen in der Rekordzeit von 1:01,96 Minuten um das Holzoval.
Damit ist der ehemalige Frankfurter der vierte Mann im deutschen Aufgebot für die so genannten Kurzzeit-Disziplinen. Der Olympiavierte von Atlanta wird neben den Sprintern Jens Fiedler (Chemnitz) und Jan van Eijden (Dudenhofen) sowie dem deutschen 1 000-m-Titelträger Stefan Nimke (Schwerin) in Sydney als Vierter an den Start gehen. Lausbergs Testrennen war nötig geworden, weil er nach einem schweren Trainings-Unfall im Frühjahr und einer durchschnittenen Achillessehne erst seit gut vier Wochen wieder unter Belastung trainieren konnte und seine Chance bekommen sollte.
"Damit war nicht zu rechnen."
"Mit 30 Jahren noch einmal solch eine Zeit, damit war nicht zu rechnen. Ich hatte auf ein Resultat um die 1:02,50 Minuten spekuliert", freute sich der "Oldie", der sich schon ein Mal in seiner Laufbahn als "Stehauf-Männchen" präsentiert hat. Nach einem schweren Verkehrsunfall zum Jahreswechsel war er das ganze Jahr 1993 nicht am Start. Die Ärzte hatten ihn schon abgeschrieben. Aber der damalige Militär-Weltmeister kam wieder. Seit seinem Neueinstieg hat Lausberg einen Weltmeistertitel, vier Mal Silber und eine Bronzemedaille erkämpft. Nur olympische Plaketten sind dem Vierten von Atlanta bislang verwehrt geblieben.
Das soll nun in Sydney anders werden. "Wenn Sören diese Form noch einmal in Atlanta auf die Bahn bringt, gehört er zu den Medaillen- Kandidaten", sagte Bundestrainer Detlef Uibel. Mit Lausberg hat er einen Wunschkandidaten in das Olympia-Aufgebot bekommen, der vor allem im Mannschafts-Wettbewerb Olympischer Sprint eine Schlüsselrolle spielen kann. Hier hat der Berliner 1995 auch seinen einzigen WM-Titel erobert. Uibel denkt daran, ihn gemeinsam mit Jens Fiedler und Stefan Nimke in diesen neuen Olympia-Wettbewerb zu schicken.
Lausberg hat mit der Qualifikation seinen langjährigen Trainings- und Vereinspartner Eyk Pokorny noch aus dem Olympiateam geworfen. "Das tut mir zwar weh. Aber Pocke hat seine Chance bei der deutschen Meisterschaft nicht konsequent genutzt", sagt Lausberg. Beide werden beim RSC Berlin von Ex-Tandem-Weltmeister Emanuel Raasch betreut.
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