Geschäftsräume des Handball-Klubs durchsucht: Steuerfahndung bei TuS Nettelstedt
zuletzt aktualisiert: 13.12.2000 - 17:32Lübbecke (dpa). Die Steuerfahndung Bielefeld hat bereits am Dienstag Geschäftsräume des Handball-Bundesligisten TuS Nettelstedt durchsucht. Die Behörde habe sich dafür interessiert, "ob für Zahlungen an Spieler im Zeitraum von Anfang 1997 bis 2000 nicht vollständig und ordnungsgemäß Lohnsteuer entrichtet wurde", teilte am Mittwoch die Handball-Marketing GmbH des Vereins per Presseerklärung mit. Die Steuerfahndung habe "dem Vernehmen nach", so die Marketing- GmbH, "eine größere Geldüberweisung 1997 eines Unternehmens aus dem Kreis ehemaliger Sponsoren in das benachbarte europäische Ausland für ausländische Spieler des TuS Nettelstedt" moniert.
Parallel zur Überprüfung der Club-Geschäftsstelle sollen auch Spieler-Wohnungen durchsucht worden sein. "Diese Vorgänge betreffen offensichtlich vor allem frühere Geschäftspraktiken", betonten der Sprecher des Wirtschaftsbeirats, Paul Gauselmann, und der Leiter Sport und Marketing der Handball-Marketing-GmbH, Milomir Mijatovic, in der Mitteilung. Weiter hieß es: "Die in der Verantwortung der neuen Handball-Marketing im Jahr 2000 geschlossenen Verträge entsprechen den Grundsätzen allgemein üblicher unternehmerischer Praxis." Sollten heute noch "Leistungsforderungen nebenvertraglicher Art getätigt worden sein, die scheinbar von den Spielern selbst nicht versteuert worden, so werden die Verantwortlichen umgehend nach Lösungen suchen, die auch steuerlich anerkannt sind".
Gauselmann und Mijatovic stellten heraus, dass "auf den Verein selbst eine hohe finanzielle Belastung zukommt, wenn Spieler des TuS Nettelstedt für finanzielle Leistungen nicht ordnungsgemäß Lohnsteuer abgeführt haben". Die derzeit Verantwortlichen hätten "schon gezeigt, dass Vorgänge aus der Vergangenheit konsequent aufgearbeitet und der Club und sein Umfeld auf eine moderne unternehmerische Basis gestellt werden". Die Behörden-Arbeit werde nach bestem Wissen unterstützt.
Die Situation für den dreimaligen früheren Europacupsieger scheint mit dem Vorfall nicht leichter geworden zu sein. Schon vor 13 Monaten stand der TuS bei einem damaligen Schuldenberg von rund 3,5 Millionen Mark vor dem finanziellen Aus. Erst ein verstärktes Engagement des Espelkamper Unternehmers Gauselmann und ein Sponsoren-Pool aus der Region sicherten den Spielbetrieb. Gauselmann/Mijatovic machen sich keine Illusionen: "Die finanziell deutlich angespannte Lage wird dadurch noch schwieriger werden. Es wird einer großen gemeinsamen Kraftanstrengung bedürfen, diese neue und für den TuS dauerhafte zusätzliche Belastung zu meistern."
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