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Rio De Janeiro
Storl zur eigenen Leistung: eine Katastrophe

Rio De Janeiro. David Storl suchte erst gar nicht nach Ausreden: Nach einem der schlechtesten Wettkämpfe seiner Karriere stand der Kugelstoß-Star in den Gängen des Olympiastadions und las sich selbst gnadenlos die Leviten. "Das war eine einzige Katastrophe. Keine Technik, nur die Brechstange. Ein beschissenes Jahr geht mit dem Tiefpunkt zu Ende", sagte er nach dem ernüchternden siebten Platz im Finale von Rio.

Das Scheitern des 26 Jahre alten Sachsen war in doppelter Hinsicht bezeichnend. Einerseits spiegelt es Storls Saison, in der er nach seiner Knie-OP nie zu seiner Form fand. Andererseits reihte sich Storl, diese personifizierte Medaillengarantie, in ein deutsches Leichtathletik-Team ein, in dem vor allem die vermeintlichen Topstars völlig von der Rolle sind.

"Es ist schon enttäuschend. Ich habe versucht, auf Biegen und Brechen um Platz drei zu kämpfen, aber es ging einfach nicht", sagte Storl. 20,64 m brachte er mit dem noch besten von sechs teils schauerlichen Versuchen zustande - eine Weite, die er sonst quasi in Straßenschuhen stößt.

Fast zwei Meter lag er hinter dem amerikanischen Sieger Ryan Crouser zurück, der freilich mit 22,52 m ein fast schon beängstigendes Resultat erzielte. Derart chancenlos war der zweimalige Weltmeister, der zuvor elfmal in Folge bei großen Meisterschafen mindestens Bronze geholt hatte, seit Jahren nicht. Vor allem seine Stärken ließen Storl im Stich, der 2012 noch um drei Zentimeter den Olympiasieg verpasst und Silber geholt hatte. Er ist einer der technisch besten, schnellsten Stoßer - davon war in Rio nichts zu spüren. "Ich hätte aus dem Stand stoßen können. Es hat nichts gefruchtet, ich kam nicht in die Bewegung", sagte Storl. Er war sich selbst ein Rätsel, ein Rätsel war ihm aber auch Sieger Crouser. "Seine Weite ist der Wahnsinn, ich kann sie mir nicht erklären", sagte Storl. Nur neun Athleten stießen die Kugel jemals weiter als der 23-Jährige. Crouser löste DDR-Stoßer Ulf Timmermann, der 1988 in Seoul mit 22,47 m gesiegt hatte, als Rekordhalter ab.

Damit war Crouser, der sich in zwölf Monaten um mehr als einen Meter gesteigert hat, besser als jene, die diese lange als dopingverseucht verschrieene Disziplin in den Achtzigern und Neunzigern bei Olympia beherrscht hatten: Timmermann, Werner Günthor (Schweiz), Alessandro Andrei (Italien). Ein Umstand, der unter Beobachtern in Rio Magengrummeln verursachte.

(sid)
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