Eiskunstlaufen: Glamour-Tanja muss auf die Ochsentour: Szewczenko verpasst EM- und WM-Qualifikation
zuletzt aktualisiert: 10.01.2000Berlin (sid). Das Lächeln war gequält, die Gesichtszüge wirkten verkrampft. Als das letzte Blitzlichtgewitter bei der Siegerehrung erloschen war, wurde Tanja Szewczenko das Ausmaß ihres sportlichen Absturzes erst so richtig bewusst. Nach dem dritten Platz bei den deutschen Meisterschaften in Berlin, gleichbedeutend mit der verpassten Qualifikation für Europameisterschaften in Wien und Weltmeisterschaften in Nizza, beginnt für Glamour-Tanja nun die Ochsentour.
Eindeutige Vorgaben zwingen die 22-Jährige zum Umdenken. "Um konstantere Leistungen zu bringen, muss ich an kleineren Wettbewerben teilnehmen, und um Geld zu verdienen, muss ich möglichst viele Schaulaufen machen", räumte die Düsseldorferin nach ihrem sportlichen Debakel ein, um im gleichen Atemzug den Willen zum erforderlichen Trainingsfleiß zu geloben: "Ich ackere ganz normal weiter."
Für die ehemalige WM-Dritte geht es in den kommenden Monaten schlichtweg ums sportliche und wirtschaftliche Überleben. Sponsoren, die einstmals bei ihr Schlange standen, haben sich längst von ihr abgewandt. Die seinerzeit üppig fließenden Honorare sind mittlerweile ebenso aufgebraucht wie die 50.000 Mark, die der Playboy im vergangenen Frühjahr für Nacktfotos springen ließ.
Existenzängste allerdings plagen die Rheinländerin nicht: "Bis zur neuen Saison wird es schon irgendwie reichen." Auch neuen Angeboten der Film- und Fernsehbranche steht Szewczenko weiterhin aufgeschlossen gegenüber: "Auch auf diesem Gebiet möchte ich mich weiterentwickeln." Bislang allerdings verstauben alle Streifen, in der Tanja eine mehr oder wenige tragende Rolle spielte, in den TV-Archiven.
Die Deutsche Eislauf-Union (DEU) sorgte zwar - anders als in der Vergangenheit - bei den nationalen Titelkämpfen nicht mehr für eine über Gebühr hohe Bewertung ihres einstigen Aushängeschildes, hat Szewczenko aber auch noch nicht abgeschrieben. "Die desolaten Leistungen der Vergangenheit schwirrten ihr in Berlin noch im Kopf rum. Ihr Kampfgeist war nach wie vor bewunderswert", analysierte DEU-Präsidentin Angela Siedenberg Tanjas Auftreten.
Und ein klitzekleines Türchen zum Happy-End steht sogar immer noch offen. Die neue deutsche Meisterin Susanne Stadlmüller (Stuttgart) ist für EM und WM noch zu jung, Vize-Meisterin Zoja Duschin aus München gilt als gesundheitlich anfällig. Spekulieren allerdings will Szewczenko mit dieser Mini-Chance zumindest in der Öffentlichkeit nicht: "Natürlich wünsche ich niemandem, dass er wegen Krankheit oder Verletzung einen Wettkampf absagen muss."
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