| 07.10 Uhr

Medellin/Chapocoense
Tausende trauern im Stadion von Chapecoense

Medellin/Chapocoense. Treibstoffmangel könnte der Grund für den Flugzeugabsturz in Kolumbien mit 71 Toten und sechs Überlebenden sein.

Die Allianz Arena leuchtete Grün in den Münchner Nachthimmel. Der Eiffelturm in Paris, die Christusstatue in Rio de Janeiro, der Präsidentenpalast in Brasília, zahlreiche Stadien und Monumente weltweit: Alle bezeugten Kondolenz in der Vereinsfarbe der Associação Chapecoense de Futebol, einem erst vor 43 Jahren gegründeten Fußballklub, dessen Name nun ewig mit einer der größten Tragödien im Sport verbunden ist.

Am Montagabend um exakt 21.55 Uhr brach der Funkverkehr mit dem Flughafen José Maria Córdova in Kolumbiens zweitgrößter Stadt Medellín ab. Gut 17 Stunden später erklärten die Behörden die Bergung der Opfer des Flugs Lamia CP 2933 in der schwer zugänglichen Bergregion Cerro Gordo für beendet. Mit 71 Toten und nur sechs Überlebenden als trauriger Bilanz. Zwei Crew-Mitglieder, ein mitgereister Journalist (Lunge durchbohrt) und die Spieler Alan Ruschel (Wirbelbruch), Neto (Schädel-Hirn-Trauma) und Jackson Follmann, dem bereits ein Bein amputiert wurde, wurden lebend aus den Trümmern geborgen.

Gefunden wurden auch die Flugschreiber, die aufhellen sollen, was zum Absturz der bolivianischen Charter-Maschine führte. Elektronische Probleme wurden zunächst als Ursache aus dem aufgefangenen Funkverkehr genannt. Später erhärtete sich der Verdacht auf Treibstoffmangel, weil ein größerer Airbus wenige Minuten zuvor ebenfalls um eine Notlandung bat, und die Unglücksmaschine deshalb noch Extrarunden drehen musste.

Während sich Fans von Chapecoense daheim in der Arena Cond zu Tausenden beteten und sangen sowie die Treuesten in der Nacht zu gestern gar Wache in Zelten hielten, suchten der Klub und sich solidarisierende Vereine nach dem Neuanfang aus den Trümmern. Gleich 13 brasilianische Vereine, darunter zehn Erstliga-Rivalen der kommenden Saison, erklärten sich in einer Stellungnahme bereit, kostenlos Spieler abzustellen. Zudem will die Gruppe beim nationalen Verband CBF beantragen, dass Chapecoense, das beim Unglück gleich 19 Spieler verloren hat, in den kommenden drei Spielzeiten nicht in die zweite Liga absteigen darf.

Das in Trauer versunkene Chapecó im Süden Brasiliens mit seinen rund 210.000 Einwohnern wartet derweil auf seine toten Helden. Die Stadt plant eine gemeinsame Begräbnisfeier im Stadion des Klubs. Die passende Hommage postete die US-Rockband Guns N'Roses auf ihrer Facebook-Seite: Das Chapecoense-Emblem mit dem Hit Knockin' on Heaven's Door.

(sid)
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