Wegen Weingärtner und Barna: Tennis-Damen wollen Olympia boykottieren
zuletzt aktualisiert: 05.08.2004 - 15:11Montreal (rpo). Weil Marlene Weingärtner und Anca Barna vom Nationalen Olympischen Komitee (NOK) für die Olympischen Spiele nicht berücksichtigt wurden, drohen die weltbesten Tennis-Damen damit, beim Turnier in Athen nicht anzutreten.
Das NOK für Deutschland lässt sich nach dem "Fall Florian Meyer" nicht ein zweites Mal das Heft aus der Hand nehmen. Es wird Marlene Weingärtner und Anca Barna nicht für die Sommerspiele von Athen nachnominieren, obwohl die weltbesten Tennisfrauen mit einem Olympia-Boykott drohen. "Wir haben am 21. Juli unser Team mit 453 Sportlern gemeldet, und es wird keiner mehr dazu kommen", sagte NOK-Präsident Klaus Steinbach. Das IOC habe ausdrücklich die Autonomie der NOKs für die Nominierungen klargestellt: "Und wir erwarten, dass ITF und WTA dies auch anerkennen."
Ob der Weltverband ITF und die Spielerinnen-Vereinigung WTA ihre Drohung wahrmachen, blieb offen. "Streik ist eine Option, auch wenn ich den Spielerinnen gesagt habe, dass sie auf jeden Fall spielen sollen. Die WTA, die ITF und auch das IOC versuchen, das deutsche NOK noch zu einer Nominierung zu bewegen", sagte Weingärtner: "Bis Samstag hat das NOK noch die Chance, uns zu bestätigen."
Davon wollte Steinbach jedoch nichts wissen: "Unser Meldeschluss ist abgelaufen." Keine der genannten Organisationen sei bis Donnerstagnachmittag mit dem NOK in Verbindung getreten, er selbst sei von den Vorgängen bisher nur über Dritte informiert worden.
Treffen von 30 Top-Spielerinnen
Am Mittwoch hatte es am Rande des Turniers in Montreal ein Treffen von 30 Top-Spielerinnen mit der Moerserin und Larry Scott als Chef der WTA-Tour gegeben. Scott sprach sich dabei zwar gegen einen Streik aus, griff aber das deutsche NOK scharf an: "Das ist eine Ungerechtigkeit gegenüber unseren Spielerinnen. Wir fordern das IOC und das deutsche NOK auf, im Interesse des Sports diese Entscheidung zu revidieren. In keiner anderen Nation sind die Ansprüche an eine Nominierung so hoch."
Der Funktionär behauptete , dass auch IOC-Präsident Jacques Rogge und der Tennisweltverband ITF an der Lösung des Problems arbeiten würden. Der Einspruch von Rogge hatte das NOK schon dazu bewogen, den Bayreuther Florian Mayer entgegen der ursprünglichen Entscheidung doch zu nominieren. Steinbach stellte jedoch nochmals klar, dies sei "ein einmaliger Vorgang gewesen".
Beide deutschen Damen befanden sich am Stichtag unter den für Olympia startberechtigten ersten 56 der Weltrangliste - Barna als Nummer 46, Weingärtner als Nummer 52. Das NOK lehnte eine Nominierung mangels Erfolgsausssichten trotzdem ab, weil sie das geforderte Qualifikationskriterium Grand-Slam-Viertelfinale oder Finale eines Topturniers nicht erreicht hatten und nur als Nachrückerinnen unter die Top 56 gekommen seien.
Unterstützung von Myskina und Mauresmo
Bei dem Treffen hatten Topspielerinnen wie Mauresmo, Dementjewa, Myskina oder Suarez ihre Unterstützung für Barna und Weingärtner erklärt. Kommt es nicht zum Streik, sollen bei Olympia zumindest als Strafe keine Weltranglistenpunkte vergeben werden. "Die Entscheidung wird Ende der Woche getroffen, aber das wäre eine wahrscheinliche Variante, falls die beiden nicht starten dürfen", erklärte ein WTA-Sprecher.
Weingärtner hofft jedoch noch immer auf ihr Olympiaticket, obwohl bereits Marina Diaz Oliva (Argentinien) und Melinda Czink (Ungarn) als Nachrücker für die beiden vakanten Plätze vorgesehen sind: "Wir wären so stolz, wenn wir für Deutschland spielen könnten, und wir würden uns wünschen, dass wir endlich gewollt werden. Das wäre die Erfüllung unseres größten Traums", sagte sie auch im Namen von Anca Barna in Montreal. "Deshalb habe ich schon den Rückflug nach Deutschland gebucht - vielleicht brauche ich ihn ja doch noch für die Weiterreise nach Athen."
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