Eine Legende mit unstillbarem Ehrgeiz: Tennis: Martina Navratilova kehrte nach Berlin zurück
zuletzt aktualisiert: 11.05.2001 - 12:37Berlin (rpo). So bitter wie 1986 nach der glatten Finalschlappe gegen Steffi Graf geriet der zweite Abschied von Tennis-Legende Martina Navratilova in Berlin nicht. Doch das Aus im Doppel an der Seite der Spanierin Arantxa Sanchez-Vicario bei den German Open war für die jetzt 44-Jährige schon eine Enttäuschung.
Navratilova und Sanchez unterlagen in der zweiten Runde der Doppel-Konkurrenz gegen Lubomira Bachewa (Bulgarien) und Asa Carlsson (Schweden). Die beiden waren noch gar nicht auf der Welt, als die heute 44-Jährige Navratilova bei den Australian Open 1975 in ihrem ersten Grand-Slam-Finale stand.
In Berlin wurde die einst beste Spielerin der Welt begeistert empfangen. Prall gefüllte Tribünen warteten am späten Mittwochabend auf den ersten Auftritt der Navratilova, die nach wie vor jenen Ehrgeiz an den Tag legt, mit dem sie einst gegen alle Widernisse die Nummer eins der Welt wurde. Dem Doppel Navratilova/Sanchez traut die Linkshänderin jedenfalls noch einiges zu: "Wir gehören zu den zehn besten Teams auf der Tour und können mit Sicherheit Turniere gewinnen."
Ihre Tränen von damals hat Martina Navratilova nicht vergessen: "Ich habe nicht wegen der Niederlage geweint, sondern, weil ich meine Familie nicht sehen konnte, obwohl die nur 200 Kilometer entfernt in Prag lebte. Das war eine harte Zeit." Die Gegenwart sieht sehr viel freundlicher aus. Ihre Mutter und Schwester Jana sind nach Berlin gekommen, zusammen verbringt man ein paar schöne Tage in der Hauptstadt. "Es ist ein richtiges Familientreffen", erzählt die Wahl-Amerikanerin, die während des Kalten Krieges als Staatenlose nicht zu ihrer Familie in die Tschechoslowakei reisen durfte.
Physisch kann Martina Navratilova, die das Damentennis der 70er- und frühen 80er-Jahre mit ihrer athletischen Spielweise und ihrem dynamischen Serve and Volley revolutionierte, nicht mehr mit den Powerfrauen um Venus Williams mithalten. Technisch allerdings findet sich die neunmalige Wimbledonsiegerin "so gut wie nie in meinem Leben. Nur der Aufschlag ist noch schwächer als früher."
Den Sympathien der Fans tut das keinen Abbruch. So war der Centre Court am Donnerstagabend beim Achtelfinale zwischen der Französin Amelie Mauresmo und Patty Schnyder aus der Schweiz beinahe verwaist - alle Fans wollten die "alte Dame" auf Court B lieber noch einmal sehen. Und taten gut daran, denn Asa Carlsson und Lubomira Bachewa betätigten sich als "Spaßbremsen" und ließen beim 6:3, 6:3 jeglichen Respekt vermissen.
Das Vergnügen bei ihrem Ausflug in die Bundeshauptstadt ließ sich Martina Navratilova dennoch nicht nehmen: "Jetzt kann ich mir endlich mal in Ruhe die Stadt ansehen. Berlin, Deutschland und ganz Europa haben sich ja völlig verändert."
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