Einzige Deutsche scheitert an Mauresmo: Tennis: Rittner in Filderstadt ausgeschieden
zuletzt aktualisiert: 08.10.2002 - 21:05Filderstadt (rpo). Die einzige deutsche Spielerin ist beim Tennisturnier in Filderstadt schon in der ersten Runde ausgeschieden. Rainer Schüttler und Nicolas Kiefer sind in Wien ins Achtelfinale eingezogen.
Die Fedcup-Spielerin, die mit einer Wildcard ins Hauptfeld kam, unterlag am Dienstag der Französin Amelie Mauresmo 4:6, 0:6. "Gegen sie ist es immer besonders schwer, weil sie sehr sehr viel Spin in den Bällen hat, man wird total nach hinten gedrängt", sagte Rittner nach dem Match. "Sie hat eigentlich überhaupt keine Schwächen mehr in ihrem Spiel."
Nur im ersten Satz konnte die Leverkusenerin der Weltranglistensiebten Paroli bieten. Nach einem 1:4 kämpfte sie sich wieder heran, profitierte dabei auch von den vielen Vorhandfehlern ihrer Gegnerin. Beim 4:4 hatte Rittner erstmals die Möglichkeit, in Führung zu gehen. Doch Mauresmo konterte mit einem Rebreak. Die Französin, die im Halbfinale von Wimbledon und bei den US Open stand, nutzte dann den Kräfteverschleiß Rittners im zweiten Durchgang.
Schüttler und Kiefer im Achtelfinale von Wien
Rainer Schüttler und Nicolas Kiefer haben am Dienstag beim Tennis-Turnier in Wien ihre Auftakthürden übersprungen und sind in die 2. Runde eingezogen. Der Bad Homburger kam bei der mit 765 000 Dollar dotierten Veranstaltung zu einem ungefährdeten 6:4, 6:3 gegen den Slowaken Dominik Hrbaty, der Holzmindener schaffte gegen den Weltranglisten-22. Xavier Malisse (Belgien) ein 4:6, 6:1, 6:1. Der top-gesetzte Titelverteidiger Thomas Haas (Hamburg) greift erst am (morgigen) Mittwoch ins Spielgeschehen ein. Der Weltranglisten-Achte trifft auf Michail Juschni (Russland).
Schüttlers Gegner im Achtelfinale ist Andrei Pavel nach dessen überraschendem 7:6, 6:1 gegen den Paris-Sieger Albert Costa (Spanien). Der Rumäne rangiert als 28. der Weltrangliste drei Plätze vor Schüttler. Kiefer, die Nummer 71, bekommt es im Achtelfinale entweder mit James Blake oder Vincent Spadea (beide USA) zu tun. Der in Wien als Nummer 8 gesetzte Wimbledon-Finalist David Nalbandian (Argentinien) sorgte mit dem 3:6, 2:6 gegen den Russen Nikolai Dawidenko für die zweite Überraschung des Tages.
Anke Huber hat sich unterdessen in ihrem neuen Job als Turnierdirektorin von Filderstadt gleich zu Wort gemeldet und ein Umdenken in der Tennisszene gefordert. "Es muss sich einiges ändern, damit wieder Topspielerinnen aus den Landesverbänden kommen", sagt die 27-jährige Karlsdorferin. Nach Ansicht der früheren Fedcup- Spielerin müssen nicht nur neue Strukturen beim Deutschen Tennis-Bund (DTB) her, sondern sind auch die Weltklasse-Profis gefordert. Diese müssten sich mehr für Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung stellen, um die Vermarktung der Turniere zu erleichtern. "Aber das wissen viele nicht, vor allem die Amerikanerinnen. Die wollen immer noch mehr und mehr Preisgeld."
Huber jetzt Turnierdirektorin
Nicht mehr im Tennisdress und in Turnschuhen, sondern in Jeans, beigefarbener Bluse und schicken Lederstiefeln eilt Anke Huber in diesem Jahr über die Turnieranlage vor den Toren Stuttgarts. Nach ihrem Karriereende im vergangenen Jahr war sie - im Gegensatz zu vielen anderen prominenten Sportlern - nicht in ein Loch gefallen. "Ich habe erst einmal sechs Monate Urlaub gemacht und mich sehr wohl dabei gefühlt." Danach kam ihr das Angebot von Porsche, als Direktorin beim schwäbischen Traditionsturnier einzusteigen, gerade recht. "Die nächsten vier, fünf Jahre" will sie sich hier engagieren.
Einsteigen wird die frühere Weltranglisten-Vierte auch beim DTB - aber nicht als Fedcup-Chefin. "Die Gespräche laufen, ich möchte auf jeden Fall etwas machen." Bei Verhandlungen mit potenziellen Sponsoren war sie dabei, bis nächstes Jahr soll ein Konzept stehen. Dass sie sich beim Verband nicht ins gemachte Nest setzen kann, ist Anke Huber bewusst. "Es war ein bisschen chaotisch dort in letzter Zeit. Niemand ist da zuständig." Um aus der sportlichen Misere herauszukommen, müsse schon sehr professionell gearbeitet werden. "Wir haben vier, fünf Juniorinnen, die gut werden können - nicht mehr 30", meint die zweifache Filderstadt-Siegerin. Und: "Dass beim DTB allgemein nicht so viel Geld da ist, weiß man auch."
Trainieren will Anke Huber die wenigen Nachwuchshoffnungen nicht, "das habe ich nicht gelernt, ich werde nur meine Erfahrung weitergeben". Tabu sei aber ein Amt wie es Patrik Kühnen als Daviscup-Kapitän bei den Männern übernommen hat: "Da sitzt man mit auf der Bank, das ist mir zu nah' dran."
Etwas Abstand hat Anke Huber ganz gut getan. Jetzt, wo sie aus dem goldenen Käfig raus ist, räumt sie ein: "Die Spielerinnen sind schon sehr abgeschirmt. Ich merke erst, was alles dazugehört, um so ein Turnier auf die Beine zu stellen." Als Tennis-Pensionärin und Neu- Funktionärin fordert die Wahl-Salzburgerin, dass sich die Spielerinnen häufiger zu Interviews stellen - und muss dann selbst grinsen: "Ich war ja früher auch so. Vor dem Match wollte ich nicht, nachher hatte ich oft auch keine Lust mehr."
Kein Wunder, dass ein Praktikum in der Sportredaktion des SWR- Fernsehens nicht das Richtige für sie war. Beim ihrem "Lieblingsturnier" in Filderstadt, nur eine Stunde vom Elternhaus entfernt, fühlt sie sich schon wohler. Mit einem Funkgerät in der Hand eilt Anke Huber zwischen Turnierleitung, Players Lounge und Halle hin und her. Versucht die Wünsche der Ex-Kolleginnen zu erfüllen, ist dabei, wenn der Spielplan erstellt wird und bemüht sich, "Kleinigkeiten zu verbessern". Und dann muss sie immer noch so viele Interviews und Autogramme geben wie früher.
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