Müller und Kandarr in Berlin ausgeschieden: Tennis: Schnitzer schafft Überraschung gegen Tauziat
zuletzt aktualisiert: 09.05.2001 - 19:20Berlin (rpo). Die deutsche Tennismeisterin Miriam Schnitzer steht überraschend im Achtelfinale der German Open in Berlin. Die 182. der Weltrangliste aus Ingolstadt, die nur mit einer Wildcard in Hauptfeld gelangt war, gewann mit 4:6, 7:5, 7:5 gegen die Französin Nathalie Tauziat.
Martina Müller vergab gegen Titelverteidigerin Conchita Martinez drei Matchbälle und verpasste beim 3:6, 6:3, 6:7 (7:9) nur hauchdünn den größten Erfolg ihrer noch jungen Karriere.
Jana Kandarr unterlag der Belgierin Justine Henin dagegen 1:6, 6:7 (6:8) und verlor auch das dritte Duell gegen die Nummer 18 der Welt. Bianka Lamade, Marlene Weingärtner und Syna Schmidle waren zum Auftakt ausgeschieden. Australian-Open-Siegerin Jennifer Capriati aus den USA musste bei ihrem ersten Auftritt hart kämpfen, ehe der 7:5, 3:6, 6:4-Sieg über die Jugoslawin Jelena Dokic feststand. Venus Williams hatte weniger Mühe beim 6:3, 6:3 über die ehemalige Berlin- Finalistin Karina Habsudova aus der Slowakei und könnte im Viertelfinale auf die letzte deutsche Hoffnung Miriam Schnitzer treffen.
Die 24-Jährige führte im dritten Durchgang bereits 5:2. "Dann wurde ich unglaublich nervös", gestand die Nummer 182 in der Welt. Die schon 33-jährige Weltranglisten-Zwölfte Tauziat glich zwar noch zum 5:5 aus, konnte die verdiente Niederlage aber nicht mehr verhindern. In der Runde der letzten 16 trifft Miriam Schnitzer am Donnerstag auf die Tschechin Denisa Chladkova, gegen die sie jüngst in der Qualifikation für das Turnier in Hamburg klar verloren hatte.
Martina Müller führte im dritten Satz ebenfalls schon 5:2 gegen Conchita Martinez, wirkte dann aber auch zunehmend nervös. Die ehemalige Wimbledonsiegerin ließ sich zwischenzeitlich behandeln und hielt den Ball meist nur noch im Spiel. Gegen die hohen Topspin-Bälle fand das 18-jährige Talent plötzlich kein Mittel mehr und setzte ihre drei Matchbälle jeweils etwas überhastet ins Aus. "Ich bin natürlich enttäuscht, weil ich ein paar Chancen ausgelassen habe. Aber ich bin zum Lernen hier. Beim nächsten Mal mache ich den letzten Punkt. Die Niederlage ist nicht Welt zerschmetternd." Auch ein 5:3-Vorsprung im Tiebreak genügte nicht zum eigentlich verdienten Erfolg nach dem 139 Minuten langen couragierten Spiel.
DTB-Teamchef Markus Schur durfte sich dennoch bestätigt fühlen in seinem zuvor geäußerten verhaltenen Optimismus über den derzeitigen Leistungsstand der deutschen Damen. "Durch die Talsohle sind wir schon lange durch. Wir haben sechs Spielerinnen unter den besten 100 der Welt - die beste Situation der letzten Jahre", sagte Schur.
Jana Kandarr kritisierte dagegen die Jugendarbeit des Deutschen Tennis Bundes (DTB). "Bei uns ist jeder auf sich allein gestellt. Das war ja in der DDR fast anders", sagte die gebürtige Hallenserin. Die 24-Jährige regte ein zentrales Leistungszentrum nach dem Vorbild von Frankreich an und schlug dafür München als Standort vor.
DTB-Vizepräsident Walter Knapper unterstützte am Mittwoch zwar eine zentrale Struktur, sie könne in Deutschland auf Grund der föderalen Gegebenheiten aber nur dezentral umgesetzt werden. Die Weltranglistenerste Martina Hingis meinte zur Situation: "In Deutschland geht es vor allem um das Umfeld. Das Problem ist, Schule und Profisport zu vereinbaren."
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