DTB-Desinteresse an Sponsor: Tennis: Schnitzer und Pretzsch deutsche Meister
zuletzt aktualisiert: 03.12.2000 - 21:16Mainz (dpa). Bei den letzten deutschen Hallen-Tennis- Meisterschaften in Mainz haben Miriam Schnitzer (Bocholt) und Axel Pretzsch (Hagen) die Einzel-Titel gewonnen. Die ansprechenden Leistungen bei den Finals am Sonntag vor 1 000 Zuschauern wurden von den atmosphärischen Störungen zwischen Organisator Heiner Dammel vom Tenniscenter "Römerquelle" und Hauptsponsor Lancaster auf der einen Seite sowie dem Deutschen Tennis Bund (DTB) auf der anderen überschattet.
Die Streitigkeiten entzündeten sich an der mangelhaften Kommunikationsbereitschaft des DTB und dem nicht den Erwartungen des Sponsors entsprechenden Teilnehmerfeld. Deutsche Meisterschaften soll es nach Aussage von Sportwart Walter Knapper (Vaihingen) auch in Zukunft geben. Bis zum 8. Februar 2001 will Knapper mit Sport- und Jugendwarten sowie DTB-Trainern ein tragfähiges Konzept vorlegen.
Überraschend klar beherrschte Pretzsch Daviscup-Spieler Jens Knippschild mit 7:6 (7:3, 6:3, 7:5). Der 25-jährige Essener, derzeit Nummer 107 in der Weltrangliste, fand gegen das druckvolle Spiel des Hageners kaum einmal die richtige Antwort, diskutierte dafür mehr mit dem Schiedsrichter und kassierte für seine Entgleisungen eine Verwarnung. Pretzsch dagegen behielt die Ruhe und verwandelte seinen fünften Matchball zum ersten Titelgewinn. Die Startberechtigung bei den German Open im Mai in Hamburg ist neben 19 000 Mark Preisgeld Belohnung für eine erfolgreiche Turnierwoche.
Drei Stunden und eine Minute "jagten" sich Schnitzer und Barna über den Centre Court, bevor Schnitzer 6:4, 4:6, 7:6 (7:5) gewann. "Ich musste mir jeden Punkt erarbeiten, das war verdammt schwer", meinte die erschöpfte Meisterin. "Nachdem ich vor zwei Jahren knapp an Julia Abe gescheitert bin, war ich einfach mal dran", sagte Schnitzer, die sich gegen die "Ballwand" Barna neben 19 000 Mark Preisgeld auch eine Wildcard für den Betty-Barclay-Cup in Hamburg verdiente.
Lancaster-Geschäftsführer Gunter Thoß konnte über das Desinteresse des DTB nur den Kopf schütteln. "Wir haben 1999 eine deutliche Vorwarnung gegeben, unser Engagement zu beenden", sagte Thoß, "aber alle Signale verhallten ohne Echo." Der Mainzer Parfüm-Riese, der die Meisterschaften seit 1996 als Sponsor begleitete und pro Jahr 300 000 Mark bar sowie noch einmal die selbe Summe an Sachwendungen zuschoss, hat die Nase voll und beendet die Zusammenarbeit mit dem DTB.
Auf der Abschlusspressekonferenz wurde die mangelnde Kommunikation überdeutlich. Der seit dem 23. Dezember 1999 amtierende Knapper musste zu Beginn der Meisterschaften eingestehen, die Lancaster- Geschäftsführung gar nicht zu kennen. Er hatte zwar vor Monaten um ein Gespräch gebeten, das aber nie stattfand. Eigeninitiative zur Sponsorpflege brachte Knapper nicht auf. "Ich habe gelesen, der DTB sucht dringend Sponsoren. Wenn man mit allen so umgeht, wie mit uns, wird es schwer, überhaupt welche zu finden", so Thoß.
Auch der Kontakt des DTB zum Organisator Dammel war mangelhaft. Knapper hatte verkündet, für ein qualitativ hochwertiges Teilnehmerfeld bei den Herren zu sorgen. Herausgekommen war ein Feld, in dem die deutsche Nummer neun, der im Halbfinale ausgeschiedene Tomas Behrend (Sundern), auf Rang eins der Setzliste stand. Als Dammel kurz vor Meldeschluss seine Hilfe anbot, notfalls auch mit Zahlung von Antrittsgeldern für ein besseres Starterfeld zu sorgen, kam es zum verbalen Schlagabtausch mit Knapper. Deutsche Hallen-Meisterschaften in Mainz:
Damen:
Halbfinale: Adriana Barna (Leimen) - Sabine Klaschka (München) 6:0, 6:0 Miriam Schnitzer (Bocholt) - Angelika Bachmann (Großhesselohe) 6:3, 6:3
Finale: Miriam Schnitzer - Adriana Barna 6:4, 4:6, 7:6 (7:5)
Herren:
Halbfinale: Jens Knippschild (Essen) - Björn Phau (Berlin) 6:4, 4:6, 7:6 (7:4) Axel Pretzsch (Hagen) - Tomas Behrend (Sundern) 6:4, 5:7, 6:4
Finale: Axel Pretzsch - Jens Knippschild 7:6 (7:3), 6:3, 7:5
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