World Team Cup war eine Werbung: Tennis-Standort Deutschland lebt
zuletzt aktualisiert: 28.05.2000 - 15:59Düsseldorf (dpa). Für die kleine Slowakei war es ein großer Tag. Sieben Jahre nach der Trennung von Tschechien gewannen Dominik Hrbaty und Karol Kucera am Samstag in Düsseldorf erstmals den World Team Cup der Tennis-Profis, besiegten die favorisierten Russen im Endspiel eindrucksvoll mit 3:0. «Ich hoffe, dass unser Volk stolz auf uns ist, dass wir den Menschen eine große Freude gemacht haben. Es ist ein großartiges Gefühl, Weltmeister zu sein. Wenn ich überlege, ist es der bislang größte Erfolg in meiner Karriere», sagte Kucera, der 1998 mit Karina Habsudova bereits Mixed- Weltmeister geworden war.
Team-Kapitän Miloslav Mecir dachte in der Stunde des Sieges an die Chance, die in dem Erfolg bei der mit 1,9 Millionen Dollar dotierten Mannschafts-Weltmeisterschaft für das Tennis in der Slowakei steckt. «Ich hoffe, dass viele Kinder diesen Sieg gesehen haben und er sie inspiriert», erklärte Mecir, der 1988 unter der Fahne der CSSR bei den Olympischen Spielen in Seoul die Goldmedaille gewonnen hatte.
Damals nahm Tennis in der Slowakei einen großen Aufschwung. Heute gibt es nach Schätzungen 25 000 aktive Spieler. Tennis rangiert in einer internen Landessportrangliste in der Beliebtheitsskala hinter Eishockey, Fußball, Basketball und Volleyball auf Platz fünf.
Platz eins im Rochusclub stand für den Favoritenschreck, der in der Vorrunde auch zum großen Spielverderber für die deutsche Mannschaft geworden war, im Endspiel schon nach den Einzeln fest. Hrbaty besiegte vor 8 400 Zuschauern auf dem ausverkauften Center Court Jewgeni Kafelnikow in 78 Minuten mit 6:4, 7:6 (7:1). Kucera benötigte anschließend nur eine Minute länger, um mit 6:3, 6:2 gegen Aufsteiger Marat Safin zu gewinnen. Mit Jan Kroslak gewann Hrbaty auch noch das Doppel gegen Kafelnikow/Safin mit 6:4, 6:2.
Der Überraschungserfolg der Slowakei bei ihrer dritten Teilnahme wurde mit 500 000 Dollar honoriert. Die Russen, die bei ihrer achten Teilnahme ebenfalls erstmals im Endspiel standen, durften sich mit 320 000 Dollar trösten und der nächsten Herausforderung, den French Open. Kafelnikow und noch mehr Safin schienen beim Finale mit ihren Gedanken mehr in Paris zu sein. Dort zählen sie zu den Geheimfavoriten, genauso wie der 22-jährige Hrbaty, der in Düsseldorf vor Kafelnikow auch Pete Sampras und Thomas Haas bezwungen hatte.
Nach dem Verlust großer Events wie der ATP-WM in Hannover und dem Grand Slam Cup in München war der 23. World Team Cup eine Werbung für den in die Krise geratenen Tennis-Standort Deutschland. «Wir haben eine Super-WM erlebt», sagte Turnierchef Horst Klosterkemper. 73 900 Zuschauer wurden trotz schlechten Wetters an den sieben Spieltagen gezählt. Klosterkemper setzte sich erneut vehement für den Bau einer Mehrzweckhalle «als idealer Ergänzung» für die Veranstaltung ein, um sie über 2002 hinaus an Düsseldorf binden zu können. «Denkbar wäre dann eine zweite Begegnung am Abend in der Halle. Man könnte sogar über eine Aufstockung von acht auf zwölf Teams nachdenken», sagte der Turnierchef. Die Konkurrenz sei groß, warnte er: «Es gibt weltweit genug Großstädte, die gerne an unsere Stelle treten würden.»
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