Keine Topstars, wenig Zuschauer: Tennis: Turnier in Leipzig in der Krise
zuletzt aktualisiert: 30.09.2001 - 16:14Leipzig (rpo). Das WTA-Tennis-Turnier im sächsischen Leipzig steckt in einem Teufelskreis. Die Topstars des Damentennis machen bisher einen Bogen um die Messestadt. Und ohne echte Highlights sind Zuschauer, Fernsehen und Sponsoren auf Dauer nicht zu begeistern.
Das Endspiel mit der Belgierin Kim Clijsters, die ihren Vorjahressieg durch ein 6:1, 6:1 gegen die Bulgarin Magdalena Maleewa erfolgreich verteidigte, war nur etwas für ein zahlenmäßig stark begrenztes Fach-Publikum.
Spätestens nach den Absagen von Serena Williams (USA) und Justine Henin (Belgien), dem Achtelfinal-Aus von Anke Huber (Karlsdorf) und Glamourgirl Anna Kurnikowa (Russland) war die mit 565.000 Dollar dotierte Veranstaltung keine Attraktion mehr. Der Verweis von Turnierdirektor Ivan Radosevic auf die hohe Anzahl teilnehmender Top-50-Spielerinnen ist eben nur die eine Seite der Medaille - aus den Top-Ten waren nur Clijsters und Nathalie Tauziat (Frankreich) dabei.
"Solide Aufbauarbeit", bilanzierte Radosevic immerhin aus wirtschaftlicher Sicht. Der Turnier-Etat in Höhe von diesmal knapp vier Millionen Mark ist bis 2005 gesichert. Wahrscheinlich wird bereits ab 2002 im 84-Millionen-Mark teuren City-Tempel aufgeschlagen - dann soll ein deutlich besserer Zuschauerzuspruch erreicht werden. Bei der zwölften Auflage waren erstmals am Halbfinaltag mehr der 6.000 Ränge besetzt als leer.
"Wir machen uns die Topleute selbst", nannte Radosevic einen möglichen Weg aus dem Dilemma. Keine schlechte Idee: Clijsters war bei ihrem Erfolg als 17-Jährige im Vorjahr fast noch ein "Nobody", inzwischen kletterte sie auf Platz fünf der Weltrangliste - und kommt in zwei Jahren aus Verbundenheit vielleicht als Nummer eins wieder. Auch die von Clijsters im Halbfinale bezwungene Olympiazweite Jelena Dementjewa (Russland) hat ihre Karriere noch vor sich. Angesichts der politischen Lage dürfte zudem im kommenden Jahr die Aussicht auf Spitzenleute aus den USA wieder besser sein.
Für die Sportstadt Leipzig und die Region ist die perfekt organisierte Veranstaltung unbestritten ein "absoluter Gewinn". Das betont auch der Leipziger Olympiabeauftrage Burkhard Jung. Der Beigeordnete nutzte wie auch Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee den Grand Prix zur Werbung in eigener Sache - Leipzig will die Olympischen Sommerspiele 2012 ausrichten. Da ist auch Radosevic ein hervorragender Partner. Der Turnierdirektor: "Am Wochenende wird immerhin in knapp 50 Länder übertragen. Das ist wichtig für diese Bewerbung."
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