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Radwanska gewinnt WTA-Finale
Das Tennis-Universum ohne Serena Williams

Agnieszka Radwanska triumphiert: Das Tennis-Universum ohne Serena Williams
Agnieszka Radwanska posiert in einem Park mit ihrem Pokal. FOTO: afp, tbr
Singapur. Die Polin Agnieszka Radwanska trat als Siegerin des WTA-Finals in die Fußstapfen von Serena Williams. Das Turnier in Singapur gab einen Vorgeschmack auf ein Tennis-Universum ohne den Fixstern aus den USA.

Im Botanischen Garten von Singapur konnte Agnieszka Radwanska ihr "erstes Mal" so richtig genießen. Stolz präsentierte die 26-jährige Polin beim Fototermin in idyllischer Atmosphäre den silbernen Henkel-Cup und dachte einen Tag nach ihrem ersten großen Titel-Gewinn bereits an den nächsten Coup.

Radwanska gewinnt Finale gegen Kvitova FOTO: dpa, ww hm

"Das wird mir viel Selbstvertrauen geben, erst recht für die Grand Slams", sagte die Weltranglistensechste mit Blick auf das 6:2, 4:6, 6:3 im Endspiel des WTA-Finals gegen Petra Kvitova (Tschechien/Nr. 4).

Auf eine Ehre der besonderen Art wird Radwanska aber wohl ewig warten müssen. Im vergangenen Jahr war im Stadtstaat die Orchideen-Art "Dendrobium Pramat Burana" nach der damaligen Turniersiegerin Serena Williams benannt worden. Ein Novum. Diesmal fehlte der 34 Jahre alte Superstar aus den USA. Und das achttägige Treiben auf dem Centre Court im Indoor Stadium und bei den Pressekonferenzen gab einen Vorgeschmack auf das, was dem Wanderzirkus nach einem Rücktritt seines Zugpferdes erwartet.

"Es ist immer extrem schade, wenn Serena bei einem Turnier fehlt. Ihre Bedeutung für den Tennissport ist enorm", sagte der neue WTA-Präsident Steve Simon, der hoffnungsfroh dem nächsten Masters 2016 entgegenblickt: "Ich drücke die Daumen, dass sie dann wieder hier ist."

Fotos: Alle Grand-Slam-Titel von Serena Williams FOTO: dpa, Corinne Dubreuil

Radwanska will jetzt shoppen

Radwanska, die gut mit Angelique Kerber befreundet und in Polen eine Volksheldin ist, wollte sich die Freude über ihren Coup von der Abwesenheit Williams' nicht schmälern lassen. "Ich genieße es, und ich werde mich mit Shoppen belohnen", sagte "Aga", die für ihren überraschenden Erfolg 2,05 Millionen Dollar einstrich und damit die magische 20-Millionen-Dollar-Grenze an Karriere-Preisgeld durchbrach.

Ein gutes Omen für Radwanska außerdem: Die frühere Nummer eins Amelie Mauresmo (Frankreich), die 2005 als letzte Nicht-Grand-Slam-Siegerin das Masters gewonnen hatte, startete im Jahr darauf bei den Majors durch und holte zwei Titel (Australian Open und Wimbledon).

Fotos: Novak Djokovic macht Tänzchen mit Serena Williams FOTO: dpa, cs

Und vielleicht gibt der Sieg von Singapur Radwanska so viel Selbstvertrauen, dass sie im "Best of the rest"-Feld hinter Branchenführerin Williams künftig eine der treibenden Kräfte sein wird.

Derzeit spielt die glamouröse Amerikanerin noch in einer anderen Liga. Das beweisen auch die Zahlen: Außer Williams hat 2015 nur ihre Erzrivalin Maria Scharapowa (Russland) mehr als ein Grand-Slam-Halbfinale erreicht. "Einigen Top-Ten-Spielerinnen fehlt dieser absolute Erfolgshunger, den Serena und Maria haben", meinte die frühere Nummer eins Chris Evert und fügte an: "Auch eine Angie Kerber hat ihn."

Und Evert ist sich sicher, dass sich die Tennis-Erde auch nach einem Rückzug von Serena Williams rasant weiterdrehen wird. "Als Björn Borg 1983 aufhörte, dachte ich: Das ist das Ende dieses Sports. Aber es kamen junge Spieler nach, die die Lücke schon bald füllten", sagte die US-Ikone in den Tagen von Singapur und betonte: "So wird es auch sein, wenn Serena nicht mehr da ist. Frauen-Tennis wird immer seine Stars haben, egal, was passiert."

Glaubt man den Aussagen von Williams-Coach Patrick Mouratoglou, dann ist ein baldiger Rücktritt seines Schützlings wohl kein Thema. "Vier Major-Titel in einem Jahr bleiben weiter unser Ziel", sagte Mouratoglou und kündigte einen weiteren Angriff auf den Grand Slam an. Von derartigen Luftschlössern kann Radwanska trotz des Triumphs von Singapur erst einmal nur träumen.

(sid)
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