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Party-Video bei Snapchat
Zverev feiert nach erstem Titel mit Finalgegner Wawrinka

Zverev schlägt Wawrinka im Finale von St. Petersburg
Zverev schlägt Wawrinka im Finale von St. Petersburg FOTO: ap, DL
Düsseldorf/St. Peterburg. Im dritten Finale hat es für Deutschlands Tennis-Hoffnung Alexander Zverev mit dem ersten Turniersieg auf der ATP-Tour geklappt. Bei der anschließenden Party ließ er es ausgerechnet mit seinem Gegner krachen. Von Antje Rehse

Es ist ein Bild, das man sonst eher von Kreismeisterschaften kennt, nicht aber aus dem knallharten Profi-Geschäft: Sieger und Besiegter feiern nach dem Match in geselliger Runde gemeinsam. Doch wenn Alexander Zverev seinen ersten Titel holt und im Finale den Weltranglisten-Dritten Stan Wawrinka besiegt, dann gibt es solche Szenen auch auf der ATP-Tour.

Für Wawrinka endete eine Serie von elf Siegen in Folge in elf Endspielen. Doch der Schweizer konnte die Niederlage gegen den 19-jährigen Hamburger offenbar verschmerzen. Schließlich hatte Wawrinka erst vor zwei Wochen die US Open gewonnen. Und so gönnte er Zverev den Titel bei dem weitaus kleineren Turnier in St. Petersburg von Herzen. Das lässt zumindest ein Video vermuten, das Wawrinka selbst bei Snapchat veröffentlichte und das später bei Twitter auftauchte. Zverev, Wawrinka und dessen Freundin Donna Vekic, eine kroatische Tennisspielerin, sind darauf zu sehen, wie sie mit anderen Party-Gästen ausgelassen zu Rap-Musik tanzen. 

Zverev hatte allen Grund, es richtig krachen zu lassen. Nachdem er in diesem Jahr seine ersten beiden Endspiele auf der ATP-Tour verloren hatte (in Nizza und Halle), reichte es im dritten Anlauf endlich zum ersehnten Titel. Endlich aus Sicht von Zverev, denn in Wahrheit ist der Deutsche mit seinem Triumph ganz schön früh dran. Mit 19 Jahren und 158 Tagen ist Zverev der jüngste Turniersieger seit dem Kroaten Marin Cilic 2008 und der jüngste deutsche Sieger seit Becker 1985. Der Leimener hatte zwei Wochen vor seinem ersten Wimbledon-Sieg mit nur 17 Jahren und 199 Tagen in Queens triumphiert.

Für Zverev war der erste Titel auch deshalb etwas besonderes, weil er ihn in der Heimat seiner Eltern gewann. Die Zverevs waren 1991 von Russland nach Deutschland ausgewandert, sechs Jahre später wurde Zverev in Hamburg geboren. "Ich weiß gar nicht, was gerade passiert ist. Ich hätte keinen besseren Ort für meinen ersten Turniersieg wählen können", sagte Zverev in perfektem Russisch bei der Siegerehrung. Anschließend posierte er vor einer deutschen Flagge mit seinem Siegerpokal.

2016 mit Höhen und Tiefen

2016 ist das Jahr des großen Durchbruchs für Zverev, zuletzt war es aber von einigen Schwierigkeiten und Negativ-Schlagzeilen geprägt. Nach einer starken ersten Hälfte fiel der hoch aufgeschossene Teenager in ein Formtief. Mit seinem patzigen Auftreten beim ATP-Turnier in Hamburg inklusive eines lustlosen Auftritts im Doppel mit Bruder Mischa sowie seinen Absagen bei Olympia und beim Abstiegsduell im Davis Cup sorgte er in seiner Heimat für Kopfschütteln.

Dustin Brown, der nach seiner eigenen Absage genau wie Mischa Zverev für ein Jahr vom deutschen Team supendiert wurde, hatte in seiner Kritik am Deutschen Tennis-Bund auch gegen den jüngeren Zverev-Bruder gestichelt, ohne dessen Namen explizit zu nennen. "Auch ist es mehr als merkwürdig, dass Spieler, denen der Belag und das Datum erst nicht passen, plötzlich überspielt sind. Das nennt man dann wohl eine gelungene Darstellung der DTB-Politik", hatte Brown getwittert. Das Davis-Cup-Duell gegen Polen wurde auf Sand ausgetragen, die restlichen Turniere im Jahr 2016 finden auf Hartplatz statt. 

Durch den Erfolg in St. Petersburg dürfte sich Zverev in seiner Turnierplanung nun möglicherweise bestätigt fühlen. Im Vergleich zu den vergangenen Wochen zeigte er sich stark verbessert. Auf dem Weg zum Titel schlug er neben Wawrinka in Tomas Berdych noch einen weiteren Top-Ten-Spieler, blieb bis zum Finale ohne Satzverlust. Im Endspiel zeigte er beim 6:2, 3:6 und 7:5 dann auch seine Kämpferqualitäten. "Ich habe nie aufgegeben", sagte der Teenager, ab diesem Montag Nummer 24 der Welt. Schon vorher war er der mit Abstand jüngste Spieler in den Top 30.

Berdych hatte den jungen Deutschen nach dem Halbfinale bereits als "kommenden Grand-Slam-Champion" – was Zverev gelassen hinnahm: "Ich habe das schon ein paar Mal gehört. Ich denke, ich sollte das ausblenden, weiter hart arbeiten und dann schauen, was passiert."

Auch Wawrinka hatte sich bereits zu Beginn des Jahres als Zverev-Fan geoutet und ihn als den Youngster bezeichnet, der ihm am meisten beeindruckt hätte. Vielleicht fiel es dem Schweizer auch deshalb so leicht, gemeinsam mit Zverev dessen Premierentitel zu feiern. Wie weitere Einträge des 31-Jährigen bei Snapchat zeigen, war seine Laune auf der anschließenden Party jedenfalls bestens.

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