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Davis Cup
Zverev gibt sein Debüt vor den Augen von Becker

Porträt: Alexander Zverev: Deutschlands große Tennis-Hoffnung
Porträt: Alexander Zverev: Deutschlands große Tennis-Hoffnung FOTO: dpa, jrp ks
Hannover. In Hannover avanciert Alexander Zverev aller Voraussicht nach zum jüngsten Davis-Cup-Debütanten nach Boris Becker. Die Partie gegen Tschechien ist ein Meilenstein auf seinem Weg in die Weltspitze.

Die jüngste Lobeshymne stimmte ein zweimaliger Grand-Slam-Champion an. Alexander Zverev, sagte der Schweizer Stan Wawrinka, sei derzeit "der spannendste Nachwuchsspieler auf der Tour. Ich mag sein Spiel und seinen Ehrgeiz". Außerdem wirke Zverev reifer, als er tatsächlich ist, sagte Wawrinka.

Nun ist der amtierende French-Open-Sieger nicht der erste Tennisexperte, der Zverevs Talent erkannt hat. Steht ein 18-Jähriger auf Platz 58 der Weltrangliste, muss man kein Major gewonnen haben, um dessen Potenzial zu würdigen. Doch Wawrinkas Einschätzung hat eine andere Qualität: Er hat in Zverev das Besondere ausgemacht, das den Unterschied zwischen Talent und Champion ausmachen kann.

Viele Vorschusslorbeeren für Zverev

Noch hat Alexander Zverev, den alle nur Sascha rufen, auf der Profitour mehr Auszeichnungen und Lobeshymnen als Pokale gesammelt. Die Spielerorganisation ATP kürte ihn 2015 zum "Star von morgen", aus allen Ecken der Tennis-Welt schallt es: "Aufgepasst! Hier sehen wir einen zukünftigen Grand-Slam-Sieger." Ein ATP-Finale hat Zverev allerdings noch nicht erreicht.

Zur Einordnung: Zverev liegt damit etwa auf dem Level, das Roger Federer und Novak Djokovic in seinem Alter hatten. Die Zeiten, als ein 17-jähriger Leimener in Wimbledon gewinnen konnte und ganz Deutschland in einen jahrelangen Tennisrausch versetzte, sind unwiderruflich vorbei. Zverev weiß das, daher lassen ihn die dauernden Vergleiche mit Boris Becker kalt.

Die besten Tennisspieler aller Zeiten FOTO: AP

Am Freitag wird der Teenager in Hannover gegen Tschechien aller Voraussicht nach seine Premiere im deutschen Nationaltrikot feiern - als jüngster Davis-Cup-Debütant nach Becker im Jahr 1985.  Becker hat sich für die Partie als Zuschauer angesagt. Der dreimalige Wimbledon-Sieger will das Team  unterstützen. Außerdem wird der 48-Jährige vom Deutschen Tennis Bund (DTB) am Freitag für seine Davis-Cup-Erfolge geehrt. Er hatte 1988 und 1989 den Titel geholt.

Zverevs Nominierung ist indes kein PR-Gag des Deutschen Tennis Bundes (DTB), es ist auch nicht der Versuch, Zverev dem russischen Verband wegzuschnappen, es ist die logische Folge eines ungebremsten Aufstiegs.

2014 gewann Zverev in Melbourne den Juniorentitel bei den Australian Open, eine tolle Leistung, aber längst keine Garantie für eine erfolgreiche Profikarriere. Zverev sah damals nicht aus wie ein Hoffnungsträger: Er schoss unaufhaltsam in die Länge, hatte selbst Angst davor, die Zwei-Meter-Marke zu durchbrechen. Zudem bewegte er sich unsicher wie eine junge Giraffe auf ihren zu langen Beinen.

Zwei Jahre und eltiche Fitnesseinheiten mit Jez Green, der einst den schmächtigen Andy Murray zu einem der berüchtigsten Kämpfer im Welttennis formte, später, wächst Zverev zunehmend in seinen Körper herein. Die Schwünge haben noch immer die Eleganz, die an Ex-Wimbledonsieger Michael Stich erinnert, doch die Wucht auf dem Court nähert sich der des Leimeners Becker.

Murray erteilt Zverev eine Lehrstunde FOTO: afp, fk

Zverev beschimpfte Schiedsrichter als Idiot

Auch Zverevs Temperament kommt Beckers Hitzkopf nahe. Im Halbfinale von Montpellier, nachdem er zuvor den früheren US-Open-Champion Marin Cilic geschlagen hatte, beschimpfte Zverev den Schiedsrichter als "Idioten". Ein Fehltritt, aus dem der junge Mann mit den dicken Goldketten um den Hals schnell lernen sollte.

Einige Fehler muss Zverev nicht mehr machen, die sind seinem zehn Jahre älteren Bruder Mischa bereits unterlaufen. Der Linkshänder hatte 2009 in Spanien im Davis Cup für Deutschland debütiert, das Doppel mit Nicolas Kiefer blieb sein einziges Match, Verletzungen und eine oft seltsame Turnierplanung ließen ihn in der Weltrangliste weit abrutschen.

Die gesamte Familie - Vater Alexander trainiert seine Söhne - hat daraus ihre Schlüsse gezogen, Sascha profitiert davon. Dennoch bleibt ein weiter Weg, um vom spannendsten Nachwuchsspieler der Tour zum Champion aufzusteigen. Der Davis Cup gegen Tschechien ist auf diesem Weg ein weiterer Meilenstein.

(sid)
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