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Turnier-Sieg in Stuttgart
Die "beste Angie" beeindruckt selbst Serena

Kerber schlägt Wozniacki im Finale von Stuttgart
Kerber schlägt Wozniacki im Finale von Stuttgart FOTO: dpa, mut tmk
Stuttgart. Die große Serena Williams hatte im fernen Florida offenbar ganz genau zugeschaut. "Tolles Match", twitterte die Weltranglistenerste nach dem 3:6, 6:1, 7:5 von Angelique Kerber im Finale des WTA-Turniers in Stuttgart gegen Caroline Wozniacki (Dänemark/Nr. 4).

Und Branchenführerin Williams (USA) wird im Sunshine State vernommen haben, dass die Weltranglistenzwölfte aus Kiel in ihrer aktuellen Form durchaus eine Kandidatin für den großen Coup bei den French Open (ab 24. Mai) ist. "Für mich ist sie momentan die beste Angie, die ich je habe spielen sehen", sagte Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner und meinte voller Vorfreude: "Das werden interessante Wochen - auch in Paris."

Der frühere Steffi-Graf-Coach Heinz Günthardt bezeichnete Kerber ob ihrer beiden Turniersiege binnen zwei Wochen als "derzeit beste Sandplatzspielerin der Welt". In Stuttgart schlug sie in Titelverteidigerin Maria Scharapowa, Jekaterina Makarowa (beide Russland) und Wozniacki gleich drei Top-Ten-Spielerinnen. Ausgerechnet auf Asche, einst der schwächste Belag der konterstarken Linkshänderin, ist die deutsche Nummer zwei in dieser Saison noch ungeschlagen (11:0 Siege).

Trotzdem kein Grund für die bescheidene Kerber, mit Blick auf das zweite Grand-Slam-Turnier des Jahres allzu hohe Ansprüche anzumelden. "Soweit denke ich überhaupt noch nicht. Ich mache mir keinen Druck", meinte die 27-Jährige und fügte augenzwinkernd an: "Aber ich hätte auch nie gedacht, dass Sand mal mein Lieblingsbelag wird."

Die Gegnerinnen der nächsten Wochen werden sich auf eine laufstarke und nie aufgebende Kerber einstellen müssen, die blitzschnell aus der Defensive in die Offensive wechseln kann - und die vor allen Dingen wieder ihren Schläge vertraut. "Der Kopf spielt natürlich immer eine große Rolle", meinte die Wimbledon-Halbfinalistin von 2012, die ihre schwere Krise mit sechs Pleiten in acht Matches zwischen Mitte Januar und Ende März gemeistert hat.

Fotos: Kerber feiert Titel in Stuttgart im weißen Porsche FOTO: afp, tk/ej

Der Knackpunkt sei dabei die Auftaktpartie in Charleston gewesen, in der bei einem 3:6, 1:3-Rückstand gegen Jewgenija Rodina (Russland/Nr. 90) die nächste Schlappe drohte. "Es hat mir viel Selbstvertrauen gegeben, dass ich dieses Spiel noch gedreht habe. Ich konnte danach die guten Trainingsleistungen endlich wieder in die Matches transportieren", sagte Kerber dem SID.

Nach dem Triumphzug von Stuttgart wird sie sich jetzt "ein paar Tage" Ruhe zuhause bei ihrer Mutter in Kiel und bei den Großeltern im polnischen Puszczykowo gönnen, ehe es zum Turnier nach Madrid (ab 4. Mai) geht. "Ich werde den Schläger erst einmal in die Ecke stellen."

Und wohl ausgiebig mit ihrer guten Freundin Andrea Petkovic telefonieren. Die Weltranglistenelfte aus Darmstadt hatte bereits zu Turnierbeginn Kerbers Sieg in der Schwabenmetropole prophezeit. "Ich sollte ihr in Zukunft immer alles glauben", sagte Kerber. Die Kämpferin, die oft im Schatten von Petkovic und Sabine Lisicki (Berlin) steht, avancierte in Stuttgart zum neuen Publikumsliebling und bekam endlich die Anerkennung, die sie schon seit Jahren verdient.

Die entfachte Liebe der Zuschauer und die Erfolge der letzten Wochen ließen sogar die ansonsten eher introvertierte Kerber ein wenig euphorisch nach vorne blicken. "Nach der Pause spiele ich Madrid, Rom, Nürnberg und Paris - ich spiele einfach alles", sagte die strahlende Fed-Cup-Spielerin. Serena Williams wird es vernommen haben.

(sid)
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