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Tennis in Charleston
Kerber hat ihr Formtief endlich überwunden

Kerber gewinnt Duell der Freundinnen gegen Petkovic
Kerber gewinnt Duell der Freundinnen gegen Petkovic FOTO: ap
Charleston. Angelique Kerber wirkte wie von einer tonnenschweren Last befreit, als sie sich nach dem ultimativen Ende ihrer Formkrise die erste Belohnung abholte: Eine lange Umarmung von ihrer guten Freundin Andrea Petkovic am Netz.

Man spürte, der Glückwunsch der Titelverteidigerin nach Kerbers Befreiungsschlag kam nach dem deutschen Duell im Halbfinale des Sandplatzturniers von Charleston/South Carolina von Herzen. "Wir haben einen sehr engen Kontakt. Es ist immer schwer, gegen eine gute Freundin wie Andrea zu spielen", sagte die Weltranglisten-16. Kerber (Kiel) nach dem überzeugenden 6:4, 6:4 gegen die an Position drei gesetzte Petkovic (Darmstadt).

Nach schwierigen Wochen mit etlichen Rückschlägen (unter anderem vier Auftaktpleiten), der Entlassung ihres Coaches Benjamin Ebrahimzadeh und dem Sturz aus den Top Ten nach knapp drei Jahren scheint Kerber die Kurve bekommen zu haben. Und das ausgerechnet auf Sand - ihrem vermeintlich schwächsten Belag. "Ich bin auf einem guten Weg zurück. Schon im Training habe ich gut gespielt und in den vergangenen Wochen eine Menge gelernt", sagte die Linkshänderin.

Kerber folgt Petkovic ins Halbfinale FOTO: ap

Kerber hatte zwischendurch sogar mit Steffi Graf in Las Vegas geübt, um den Teufelskreis aus stetig zunehmender Verunsicherung, neuerlichen Niederlagen und wachsendem Druck irgendwie durchbrechen zu können.

In ihrem ersten WTA-Finale seit acht Monaten trifft Kerber am Sonntag (19.00 Uhr MESZ/www.ran.de und www.tennis.de) auf Lokalmatadorin Madison Keys (USA/Nr. 7). Gegen die Australian-Open-Halbfinalistin hatte die Kielerin eines ihrer insgesamt vier Endspiele 2014 verloren - im Juni beim Rasenturnier in Eastbourne.

Fotos: Angelique Kerber – die Nummer eins im Damen-Tennis FOTO: ap, JJ PM FF

Auch Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner war mit Blick auf das bevorstehende Halbfinale gegen Gastgeber Russland am kommenden Wochenende in Sotschi erleichtert über die enorme Formsteigerung ihrer Nummer zwei. "Angie hat gegen Petko die wichtigen Punkte gemacht und eines ihrer bislang besten Spiele 2015 gezeigt. Es war ein enges Match mit Weltklasse-Niveau von beiden", sagte Rittner dem SID.

Während die 41-Jährige mit Sabine Lisicki (Berlin/Nr. 18) und Julia Görges (Bad Oldesloe/Nr. 61) sowie den Betreuern am Sonntagabend die Reise via Istanbul nach Sotschi antrat, werden Petkovic und Kerber erst in den nächsten Tagen in der Olympiastadt von 2014 erwartet. "Aber mit viel Selbstvertrauen", wie Rittner betonte.

Andrea Petkovic zieht ins Halbfinale ein FOTO: ap

Vor allen Dingen für die sensible Kerber, die ihr letztes Turnier im Oktober 2013 in Linz gewonnen hatte, dürfte der Finaleinzug von Charleston Balsam für die Seele sein. Mit einer negativen Siegbilanz (8:9) war die einstige Nummer fünf der Welt in den Family Circle Cup in South Carolina gestartet. Ohne Selbstvertrauen und mit vielen Selbstzweifeln im Gepäck.

Dass ihr jetzt ausgerechnet in den USA die vermeintliche Wende zum Guten gelang, passt irgendwie ins Bild. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten hatte sich Kerber einst den Spitznamen "Houdini" erworben und den Respekt von John McEnroe ("Angie ist klasse!") erworben, weil sie sich auch aus schier aussichtlosen Situationen befreien konnte.

Doch ausgerechnet diese kämpferischen Qualitäten schienen zweimaligen Grand-Slam-Semifinalistin zuletzt abhanden gekommen zu sein. Dabei hatte das Jahr mit einer Halbfinal-Teilnahme in Sydney und einem Viertelfinal-Einzug gut begonnen.

Doch mit dem Erstrunden-Aus bei den Australian Open im Januar gegen Irina-Camelia Begu (Rumänin) begann eine Serie von Pleiten, Pech und Pannen. Das Melbourne-Trauma hat Kerber ein Stück weit verarbeitet. Auch, weil sie in Charleston gegen Begu Revanche übte.
Es war vielleicht ein Meilenstein zurück in die Top Ten.

(sid)
 
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