| 13.14 Uhr

WTA-Finale in Singapur
Diesmal ist Kopfkino bei Kerber verboten

Kerber gewinnt zweites Spiel souverän
Kerber gewinnt zweites Spiel souverän FOTO: rtr, ES/BSP
Singapur. Déjà-vu in Singapur: Angelique Kerber reicht im abschließenden Gruppenspiel des WTA-Finals in Singapur ein Satzgewinn gegen Madison Keys, um erstmals ins Halbfinale einzuziehen. Im vergangenen Jahr scheiterte die Nummer eins genau an dieser Aufgabe.

Kopfkino verboten, Halbfinale erwünscht: Angelique Kerber will nichts wissen von den ganzen Rechenszenarien vor ihrem Gruppen-Showdown beim WTA-Finale in Singapur. "Ich habe keine Ahnung und will mich da auch nicht verrückt machen. Und ich weiß auch nicht, wie das alles gezählt wird", sagte die Weltranglistenerste vor dem abschließenden Vorrundenmatch gegen die Amerikanerin Madison Keys (Nr. 6) am Donnerstag (13.30 Uhr MESZ/ARD).

Fakt ist: Wenn die Rumänin Simona Halep (Nr. 3) im ersten Spiel des Tages gegen Dominika Cibulkova (Slowakei/Nr. 7) glatt in zwei Durchgängen siegt, muss Kerber im folgenden Duell mit Keys nur einen Satz holen, um erstmals ins Halbfinale des Saison-Abschlussturniers einzuziehen. Bei allen anderen Ergebnissen des ersten Matches steht Kerber schon vor ihrem ersten Ballwechsel am Donnerstag sicher in der Runde der letzten Vier.

Kerber verkrampft im letzten Gruppenspiel

Die Ausgangsposition für die Kielerin könnte allerdings von der Konstellation her exakt so sein wie vor einem Jahr, als sie in Singapur eine ihrer bittersten Pleiten kassierte. Damals hätte ein Satzgewinn gegen die bereits ausgeschiedene Tschechin Lucie Safarova zum Sprung in die Vorschlussrunde gereicht.

Doch Kerber verkrampfte völlig, zog sich in den Pausen ein Handtuch über den Kopf und rief ihrem Coach Torben Beltz zu: "Ich pack' das nicht." Ein paar Wochen nach dem Desaster gab sie zu: "So wie damals im und nach dem Match wollte ich mich nie mehr fühlen - nie mehr."

Zwölf Monate später strotzt die Australian-Open- und US-Open-Siegerin nur so vor Selbstvertrauen und will ihr eigenes Drehbuch schreiben. "Ich glaube, ich bin jetzt eine ganz andere Spielerin, eine ganz andere Person", sagte Kerber im ZDF-Morgenmagazin und betonte: "Der Druck ist nicht mehr so das Hindernis."

Wie selbstbewusst und selbstverständlich cool die 28-Jährige am Ende ihrer "Traumsaison" agiert, dokumentierte ein Ballwechsel im Match gegen Halep. Beim Stand von 3:4 im ersten Satz und Breakball gegen sich ging Kerber volles Risko und hämmerte eine Vorhand die Linie entlang genau in die Platzecke. "Durch meine Erfolge weiß ich, wie ich die Big Points spielen muss und gewinnen kann", sagte die Linkshänderin zur symptomatischen Szene.

Vom Nervenbündel zur Nummer eins

Auch Andrea Petkovic hat den Wandel ihrer guten Freundin vom zaudernden Nervenbündel zur ausgebufften Nummer eins registriert. "Angie ist derzeit auch mental die stärkste Spielerin auf der WTA-Tour", sagte Petkovic als Co-Moderatorin in der ARD. Kerbers große Stärke sei zudem ihre Zähigkeit. "Die Gegnerinnen wissen einfach: Sie schenkt einem nichts. Das baut schon Druck auf", meinte Petkovic, die ihrer Fed-Cup-Kollegin den dritten großen Titel 2016 natürlich zutraut.

Auch die ehemalige Weltranglistenerste Monica Seles "outete" sich in Singapur als Kerber-Fan. "Angelique ist hier die Turnier-Favoritin. Die Art, wie sie spielt und mit dem Druck umgeht, das ist schon beeindruckend", sagte Seles.

Nach dem Masters wird Kerber zwei Wochen Urlaub in der Sonne mit "viel, viel Ruhe" machen, um dann vor Beginn der Saison-Vorbereitung ein paar Tage bei ihrer Familie auszuspannen. Diverse TV-Auftritte und Ehrungen stehen im Dezember noch an. Doch Kerber hat bereits die Saison 2017 im Auge. "Es wird auf jeden Fall ein interessantes Jahr. Aber ich bin bereit für die neue Challenge und die neuen Aufgaben, die auf mich warten", meinte die Kielerin mit Vorfreude.

(sid)
 
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