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Frühes Aus in Doha
Kerber sehnt sich nur nach Ruhe

Angelique Kerber sehnt sich nur noch nach Ruhe
Angelique Kerber will sich nach dem Aus in Doha erst einmal erholen. FOTO: dpa, woi hak
Doha. Angelique Kerber wollte nur noch nach Hause. Weg aus der Wüste, hinein in ihre Oase der Ruhe, in der die mental und körperlich ausgelaugte Australian-Open-Siegerin vor allen Dingen eines machen will: Kraft tanken.

Nach ihrem bitteren Auftakt-K.o. in Doha und der missglückten Rückkehr in den Tour-Alltag waren der topgesetzten Kerber die Strapazen der vergangenen Wochen noch deutlicher anzusehen als zuvor schon. Doch Weltuntergangs-Stimmung verbreitete sie nicht.

"Kein Drama"

"Ich werde aus dieser Niederlage jetzt kein Drama machen. Ich habe immer noch eine Menge Selbstvertrauen von meinem Sieg in Melbourne in mir", sagte die Nummer zwei der Welt. Beim 5:7, 1:6 gegen Saisai Zheng (China/WTA-Nr. 73) hatte die Favoritin allerdings völlig neben sich gestanden.

Selbstvertrauen ja – mentale Frische nein. Schon während des Matches hatte Kerber über die lähmende "Leere" im Kopf geklagt und ihrem Coach Torben Beltz zugerufen: "Ich habe gar nichts mehr in mir. Ich kann mich überhaupt nicht pushen." Die Zahlen belegen dies: 38 unerzwungene Fehler unterliefen ihr, sechsmal gab sie ihren Aufschlag ab – der zweite Satz dauerte nur 28 Minuten.

Im Presseraum des ultramodernen Khalifa Tennis Complexes musste Kerber dann wenig später vor der Weltpresse Aufklärungsarbeit leisten. Welche Rolle spielt beispielsweise der gestiegene Druck nach dem Überraschungs-Coup gegen Serena Williams (USA) im Finale der Australian Open vor gut drei Wochen? "Natürlich ist das jetzt als Major-Gewinnerin eine neue Situation für mich", gestand die 28-Jährige, sagte aber auch: "Druck hatte ich auch in den letzten Jahren als Top-Ten-Spielerin schon. Ich denke, es kam im Match einfach alles zusammen. Es war nicht mein Tag, ich hatte das Gefühl, dass nichts klappt."

Was Kerber selbst nicht aussprach, aber offensichtlich war: Auf den Trip an den Persischen Golf hätte sie besser verzichten sollen. Die Dienstreise nach Doha kam nach dem Medien-Rummel und ihrem Einsatz im Fed Cup gegen die Schweiz (2:3) unmittelbar nach der Rückkehr aus Australien eindeutig zu früh. Ex-Bundestrainer Klaus Hofsäss hatte der Trubel um Kerber sogar an die alten "Steffi-Graf-Zeiten" erinnert. Zu einer längeren Auszeit hatte Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner geraten.

Kerber überhört Alarmzeichen des Körpers

Und es gab Alarmzeichen. Kerbers Körper hatte auf den Stress reagiert. Die deutsche Nummer eins kränkelte zwischendurch – und schlief schlecht. Ungewöhnlich für ein "Murmeltier" wie sie. "Die ganzen Dinge nach Melbourne haben viel Spaß gemacht, es waren neue, tolle Erfahrungen. Aber natürlich war es auch anstregend", sagte Kerber.

Inzwischen hat "Angie" ihre Pressetermine fast auf den Nullpunkt heruntergefahren und fast alle Anfragen abgeblockt. In den nächsten Tagen will sie bei ihren Großeltern in der Abgeschiedenheit von Puszczykowo/Polen entspannen und trainieren.

Doch viel Zeit bleibt nicht. Als nächste Turniere stehen die wichtigen Hartplatz-Events in Indian Wells (ab 9. März) und Miami (ab 22. März) an. Auch dort werden wieder viele Augen auf Kerber gerichtet sein.

In Doha jedenfalls musste sie auch erkennen, dass für einen Major-Champion andere Maßstäbe gelten. Ungeachtet der Situation gingen einige hiesige Medien mit dem Auftritt von Kerber hart ins Gericht. "In Melbourne wurde sie zur neuen Tennis-Queen. Hier hat sie zur Bestürzung der Zuschauer eine glanzlose Show gezeigt", kommentierte die Zeitung Qatar Tribune kritisch. The Peninsula schrieb: "Zheng schickte Kerber zum Kofferpacken. Am Ende ging es doch etwas zu schnell."

(sid)
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