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Vierter Titel des Jahres
Kerber setzt auf Stobers "heilende Hände"

Fotos: Angelique Kerber triumphiert in Stanford
Fotos: Angelique Kerber triumphiert in Stanford FOTO: afp, es
Stanford/Frankfurt. Angelique Kerber hat mit dem Triumph von Stanford in Sachen Titel 2015 zu Serena Williams aufgeschlossen. Damit es für die Kielerin auch mal mit einem Grand-Slam-Triumph klappt, hat sie eine Umstellung im Team vorgenommen.

Den Grizzlybär wollte Titelhamster Angelique Kerber gar nicht mehr hergeben. Immer wieder herzte die große Kämpferin die braune Stoff-Trophäe nach ihrem Finalsieg in Stanford/Kalifornien gegen die Tschechin Karolina Pliskova (6:3, 5:7, 6:4) und war mit sich und der Tennis-Welt im Reinen. "Ich bin happy auf und neben dem Court. Ich arbeite hart, und es ist schön zu sehen, dass sich das auszahlt", meinte Kerber nach ihrem vierten Turniersieg der Saison.

Auch Bundestrainerin Barbara Rittner war angetan von der mehr als zweistündigen Energieleistung ihrer Nummer eins, die sich ungeachtet von Oberschenkelproblemen durchbiss. "Angie wird immer selbstbewusster und ruhiger. Ich traue ihr noch viel zu", sagte Rittner dem SID: "Das war ein absoluter Traumstart in die Hardcourt-Saison."

Vier Titel 2015 - das hat außer Kerber bislang nur Superstar Serena Williams geschafft. Allerdings triumphierte die Branchenführerin aus den USA in dieser Saison gleich bei drei Grand-Slam-Turnieren.

Ausgerechnet die bedeutenden Majors sind es, bei denen die so selbstkritische Kerber in diesem Jahr bislang enttäuschte. Aus in Runde eins bei den Australian Open - Endstation in Runde drei bei den French Open und in Wimbledon, wo sie als Mitfavoritin galt.

Um den gordischen Knoten zu durchtrennen, hat Kerber vor dem Turnier in Stanford den Fitness-Coach und Physiotherapeuten Alex Stober verpflichtet. Der Münchner arbeitete bereits erfolgreich mit Li Na, Petra Kvitova, Tommy Haas, Pete Sampras, Andre Agassi und Gustavo Kuerten zusammen.

Haas hat über seinen Kumpel Stober mal gesagt: "Wenn ich Alex schon früher dabei gehabt hätte, wäre mir sicher manches erspart geblieben." Australian- und French-Open-Siegerin Li Na schwärmte, dass es Stober war, der Mann mit "den heilenden Händen", der sie "eisenhart" gemacht habe. "Und weil ich wusste, dass ich topfit bin, war ich auch mental stark. Alex war ein wichtiger Baustein für meine Erfolge - gerade auch bei den Majors", meinte die Chinesin.

Auch Rittner glaubt, dass der drahtige Stober aus der ohnehin laufstarken Kerber noch einiges herauskitzeln kann - physisch und psychisch. "Er ist ein absoluter Top-Mann, der seit vielen Jahren nur mit den Besten gearbeitet hat. Alex wird seine Erfahrungen positiv mit einfließen lassen", sagte Rittner.

In der Saison-Wertung verbesserte sich Kerber auf den sechsten Platz, damit sind die Weichen für ihre dritte Teilnahme am WTA-Finale im Oktober in Singapur gestellt. Was der Stuttgart-Gewinnerin zum großen Glück noch fehlt, ist ein Titel bei einem der vier Grand-Slam-Turniere. In drei Wochen starten die US Open (31. August bis 13. September).

In New York begann vor vier Jahren Kerbers Aufstieg. Als Weltranglisten-92. stieß sie damals sensationell ins Halbfinale von Flushing Meadows vor - und etablierte sich danach in den Top Ten. "Natürlich ist ein Major-Erfolg ein Traum von mir, aber ich will mich nicht zu sehr unter Druck setzen", meinte die bodenständige Kielerin, die schon in den vergangenen Monaten viel an mentaler Stärke dazugewonnen hat.

2014 hatte "Angie" bei vier Finalteilnahmen viermal verloren, in diesem Jahr trug sie sich in Charleston, Stuttgart, Birmingham und Stanford in die Siegerlisten ein. "Ich habe jetzt mehr Erfahrung. Das ist ein Schlüssel im Vergleich zur letzten Saison", sagte Kerber, die in dieser Woche beim Premier-Turnier in Toronto antritt.

(sid)
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